Der „Hackenwärmer“

(Gert Sommerfeldt).  Einst knatterten sie durch die Landschaft und brachten ihre Besitzer schnell und kostengünstig ans Ziel. Die einen täglich zum Arbeitsplatz, andere zu Ausflügen in die nähere Umgebung. Man nannte sie Hackenwärmer oder Hühnerschreck, die im Magdeburger Armaturenwerk (MAW) entwickelten und in Großserie gebauten Fahrrad-Anbaumotoren. Für 285 DDR-Mark erworben, wurde das 6 kg schwere Gerät neben der Hinterachse am Fahrrad montiert und brachte es bei einem Hubraum von 49,6 ccm auf 1,3 PS.

Der 2-Takt-Otto-Motor ohne Getriebe erlaubte eine Geschwindigkeit bis 35 km/h. Sein Verbrauch lag kostengünstig bei 1,5 Liter/100 km. Von 1955 bis 1961 wurden 170.000 Stück im Rahmen der Konsumgüterproduktion des MAW in Serie montiert, damit ging alle 6 min ein Motor vom Band. Auch als leistungsfähige Bootsmotore und Rasenmäher wurden sie modifiziert angeboten. Heute liebevoll gepflegt, ziehen sie die Blicke auf sich oder werden im Fahrzeug-Museum in Glöthe bei Staßfurt anerkennend begutachtet. Für einen gut erhaltenen fahrbereiten Anbaumotor werden heute bis 1.000 € verlangt.

Foto: Sommerfeldt

Straße der Romanik – Ilsenburg im Harz

(Doris Franke).  Im Nationalpark Harz am Fuße des Brockens liegt  der Luftkurort Ilsenburg. Ein Bummel durch die Stadt ist auch ein Gang durch ihre Geschichte. Weltruhm erlangte sie schon im 17. Jh. mit der Herstellung von Eisenkunstguss. Selbst Zar Peter der Große überzeugte sich davon bei einem Besuch der Gießerei 1697. Begeistert beschrieb der Dichter Heinrich Heine 1824 in seiner „Harzreise“ die „Prinzessin Ilse“ mit den bekannten Wasserfällen im wildromantischen Flusstal. Das im Jahre 1018 gegründete Benediktinerkloster Ilsenburg gehörte zu den bedeutendsten und einflussreichsten Klöstern im nördlichen Harz. In seiner Blütezeit lebten und arbeiteten hier 30 Mönche, ihre Schreib- und Kunsttätigkeit war weithin berühmt.  Ein Kleinod ist die romanische Klosterkirche St. Peter und Paul, deren Erbauung in die Jahre 1078-1087 datiert wird. Zu den faszinierenden Kostbarkeiten zählen die Reste eines Gipsfußbodens aus dem 12. Jhd., ein Relief aus dem Jahre 1220 und der barocke Schnitzaltar. Vom Ende des 16. Jh. bis 1945 war der Klosterkomplex im Besitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Der Kloster-Wanderweg verbindet die romanischen Klosteranlagen von Ilsenburg und Drübeck miteinander, beide gehören zur “Straße der Romanik“. Vorbei an urigen Waldgasthäusern führt der Weg zum 150m über dem Fluss steil aufragenden Ilsestein, wo die „Prinzessin Ilse“ der Sage nach gewohnt haben soll. Auf dem Granitfelsen sieht man noch Reste einer Felsenfestung der Schutzvögte des Klosters. Das auch aus dem Tal sichtbare gusseiserne Kreuz ist ein Denkmal für die Gefallenen der Befreiungskriege 1813/14.

Das 1000-jährige Ilsenburg gehört zu den beliebtesten Urlaubsorten des Harzes, viele traditionelle Feste und Veranstaltungen und die Wanderungen auf den gut ausgeschilderten Pfaden in der romantischen Naturschönheit lassen einen Besuch in jeder Jahreszeit zu einem Erlebnis werden.

Foto: Franke

Blumenstrauß des Monats Oktober 2017

Wir sagen Dankeschön

(Heidi Brosza).  Im Nachbarschaftsverein der Magdeburger Wohnungsbaugenossenschaft (MWG) in der Großen Diesdorfer Straße empfängt uns ein munteres Stimmengewirr. Hier tauschen, wie jeden  Dienstagnachmittag, etwa 18 Frauen des Klön-und Handarbeitsclubs  an liebevoll gedeckten Tischen eifrig ihre Erfahrungen und Neuigkeiten aus. An den Wochentagen Montag bis Donnerstag  ist hier im Treff nachmittags immer etwas los. Erwachsene und Kinder des Wohngebiets treffen sich zu Gesellschaftsspielen, zum Klönen und Handarbeiten, zum Basteln, beim Nähzirkel, dazu einmal im Monat zum Frühstücken oder sonnabends zur Chorprobe.

„Gute Seele“ des Treffs ist Eva-Maria Becker. Die 70-Jährige organisiert mit vorbildlichem Einsatz seit 2012 diese vielfältigen Angebote für die Nachbarschaft. Nach ihrem Arbeitsleben ging sie ganz bewusst nicht in den Ruhe- sondern in den Unruhestand, so ist sie heute Ansprechpartnerin, Initiatorin und Ausgestalterin dieser gut angenommenen Veranstaltungen der MWG. Dabei wird sie von einsatzfreudigen Frauen  im Nachbarschaftstreff eifrig unterstützt. Gemeinsam beteiligen sie sich zum Beispiel jedes Jahr mit originellen Handarbeiten an der Meile der Demokratie und weiteren Hilfsaktionen.

Mit einem großen Dankeschön für diesen ehrenamtlichen Einsatz, der anderen Freude bringt und dabei auch ihr große Freude bereitet, übereichten wir den wunderbaren von Blumen-Bienert gebundenen Strauß an Eva-Maria Becker und wünschen ihr und ihrem Team Gesundheit und noch viele gute Ideen.

Foto: Brosza

Gegen Kaiser und Papst

(Gerda Bednarz).  In vielen Orten des 500-jährigen Reformationsgedenkens sind die Feierlichkeiten schon beendet – nicht in Magdeburg. Hier begann am 1.9.2017 eine große Ausstellung im Kulturhistorischen Museum (KHM) unter o.g. Thema mit prominenter Würdigung unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff, der evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann und des katholischen Bischofs Dr. Gerhard Feige. Das kommt dem Grundgedanken Luthers schon sehr nahe, denn er wollte die christliche Kirche nicht spalten, er wollte sie verändern und von falschen Aussagen und vom Ablasshandel befreien.

Magdeburg gehörte zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu den größten und reichsten Städten des Alten Reiches. Machtansprüche der Kirche und bürgerliches Selbstbewusstsein standen sich nicht immer friedlich gegenüber. Die Lehren Luthers waren den bürgerlichen Ansichten näher,   sie wandten sich stärker zur Renaissance und einem humanistischen Menschenbild zu, während der Klerus seine Macht behaupten wollte.

In der Ausstellung wird anschaulich gezeigt, wie selbstbewusst sich Rat und Bürgerschaft gegen Erzbischof und seine Gefolgsleute durchzusetzen versuchten. Der neue Glaube kam  beim einfachen Volk gut an, veranlasste jedoch auch gewalttätige Übergriffe und Zerstörungen. Die neue Lehre musste verteidigt werden, Magdeburg trat dem Schmalkaldischen Bund bei, der jedoch in der Schlacht bei Mühlberg verlor. Magdeburg hatte sich als einziges Bundesmitglied nicht  Kaiser Karl V. unterworfen, gewährte vielen protestantischen Theologen Asyl und begründete als Propagandazentrum „Unseres Herrgotts Kanzlei“.

Reichsacht und Belagerungskrieg, politische und religiöse Übereinkünfte sowie die Magdeburger Schulgeschichte spielen in der Ausstellung eine große Rolle, bevor man feststellen konnte: Das Erzstift wird protestantisch. Der Mythos von der unbezwingbaren Magdeburger Jungfrau bewahrheitete sich jedoch nicht. Nach dem Reformationsjubiläum 1617 kam es erneut zu großen Differenzen, die den Dreißigjährigen Krieg auslösten. Magdeburg hoffte auf den Schwedenkönig Gustav Adolf – er kam zu spät.

Am 20. Mai 1631 gab Tilly den Befehl zum Angriff. Innerhalb weniger Stunden war das „Bollwerk des Protestantimus“ zerstört und über 20.000 Menschen mussten ihr Leben lassen. Darüber kann man bei Wilhelm Raabe in „Unseres Herrgotts Kanzlei“ nachlesen, der den evangelischen Märtyrern mit seinem Roman ein Denkmal gewidmet hat.

Eine hervorragende Ausstellung ist dem KHM da wieder gelungen. Bis zum 28.Januar 2018 kann sie besichtigt werden.

Foto: Bednarz

Erfolgreicher 12. Magdeburger Freiwilligentag

  (PM-FWA).  Eins war auf jeden Fall viel besser als im vergangenen Jahr: Das Wetter. Bei strahlendem Sonnenschein fand am Samstag (16.09.) der 12. Magdeburger Freiwilligentag statt, ein stadtweiter Engagement-Aktionstag der Freiwilligenagentur Magdeburg, der für viele Magdeburger*innen inzwischen zu einem festen Termin im September geworden ist. 550 Engagierte nutzten die Gelegenheit für eine gute Tat. Je nach Talent und Interesse wurde geputzt und gewerkelt, gestrichen und gebastelt, gebaut und repariert. Aber auch für Spiel und Bewegung mit Kindern, Familien oder Senior*innen gab es zahlreiche Möglichkeiten. Kindertagesstätten waren ebenso dabei wie Senioreneinrichtungen, Initiativen und Wohlfahrtsverbände. Insgesamt 38 Mit-Mach-Aktionen standen auf dem Freiwilligentagsprogramm. Vielfalt, Spaß und Lust am gemeinsamen Tun spiegelten viele der “Bilder des Tages” wider, die am Abend während des abschließenden Dankeschönfestes im Alten Rathaus gezeigt wurden.

Sozialbeigeordnete Simone Borris und Staatssekretärin Susi Möbbeck zeigten sich in ihren Grußworten sehr beeindruckt vom großartigen Engagement der Magdeburger*innen, nicht nur am Freiwilligentag. Beide begrüßten es, dass das Dankeschönfest in diesem Jahr gleichzeitig den Auftakt zu den Magdeburger Interkulturellen Wochen  bildete. Schließlich bietet ein freiwilliges Engagement gute Chancen mit Menschen in Kontakt zu kommen, Freunde zu finden und Integration praktisch zu erleben. Für großen Applaus sorgte der Filialleiter des kürzlich in Magdeburg eröffneten IKEA-Einrichtungshauses. 14.000 Euro, die während verschiedener Aktionen zur Eröffnung gesammelt worden waren, wurden an die Freiwilligenagentur übergeben. Eine tolle Geste und Anerkennung für viele engagierte Freiwillige in Magdeburg. In Anerkennung für besonderes Engagement in der Zusammenarbeit mit Freiwilligen ging der Preis zum Freiwilligentag 2017 an das Vitanas Senioren Centrum Elbblick, eine Senioreneinrichtung, die sich nicht nur zum Freiwilligentag um eine gute Atmosphäre zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen bemüht.
Mit einem leckeren Buffet des MWG Nachbarschaftsvereins, orientalischer Lautenmusik und der deutsch-kurdischen Rega-Band fand der 12. Freiwilligentag einen fröhlichen Abschluss. Alle Beteiligten sind sich sicher: Wenn das Wetter mitspielt, wird es im September 2018 auf jeden Fall eine 13. Auflage geben.

Foto: Anja Stielke (Ausflug im Vitanas Senioren Centrum Elbblick)