Otto sagt Danke

(Gerda Bednarz).  Seit 2007 gibt es ihn nun schon, den Freiwilligenpass, für den auch in diesem Jahr wieder besonders engagierte ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger von ihren gemeinnützigen Vereinen und Einrichtungen vorgeschlagen wurden. Dreißig von ihnen konnten in einer feierlichen Veranstaltung im Gesellschaftshaus aus den Händen des Oberbürgermeisters Auszeichnung, Blumen und die obligatorischen Windmühlen der Freiwilligenagentur entgegennehmen. Aus den unterschiedlichsten Gruppen kamen die Ausgezeichneten, Weißer Ring und Stadtmission, Selbsthilfegruppen, Kinderschutzbund und Kulturscheune, man kann sie gar nicht alle nennen. Besonders beeindruckt hat mich Ruth Meinecke von der Volkssolidarität (VS). Sie ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und hat in den zurückliegenden Jahren noch 17 Pflegekindern zusammen mit Ihrem Mann das Elternhaus ersetzt. Die Kinder kommen meist als Babys aus schwierigen Familienverhältnissen. Ruth sorgt dafür, dass sie nicht nur satt, sauber und gesund sind. Sie fördert Lernen, organisiert Musiktherapie und Sporttreiben, bereitet sie liebevoll auf ein selbständiges, aktives Leben vor und kümmert sich auch um deren Eltern. Sie ist immer bemüht, den Kontakt zwischen Kindern und Eltern durch gemeinsame Veranstaltungen nicht abreißen zu lassen. Außerdem hilft sie den betagten Nachbarn ihrer VS-Gruppe und betreut ein kinderloses älteres Ehepaar. Bewundernswert!

In diesem Jahr wurde auch wieder ein Bürgerengagementspreis von der Sparkasse vergeben. Durch Losglück ging er an den agilen Heimatverein Ottersleben e.V.

Außerdem wurde das ASZ Cracau als zertifizierte Einsatzstelle für sein Freiwilligenengagement gewürdigt.

Wir sagen allen Sponsoren, allen Mitwirkenden, Unterstützern und Organisatoren dieser großartigen Veranstaltung herzlichen Dank und beglückwünschen nochmals die neuen Inhaber des Freiwilligenpasses zu dieser schönen Auszeichnung.

Foto: Bednarz

Das Magdeburger Glockenspiel

(Dieter Müller).  Beim vergangenen Rathausfest war es ein besonderes Erlebnis, nicht nur die Klänge vom Rathaustürmchen zu hören, sondern auch zu sehen, wie sie entstehen.

Auf dem Dachboden des Rathauses – direkt hinter dem Zifferblatt der Uhr – steht der Spieltisch für die 47 Glocken aus Bronze, aus denen unser „Carillon“ besteht. Im Unterschied zu einem Klavier oder einer Orgel hat der Spieltisch – das so genannte Stockenklavier – keine Tasten, sondern Holzknüppel, die mit der Faust geschlagen werden müssen, weil mit dieser Kraft, übertragen durch Seilzüge, direkt die Glocken angeschlagen werden. So kann durch verschiedene Stärke des  Anschlags die Lautstärke verändert werden. Die kleinste Glocke trägt als Bilderrätsel ein Herz und dazu ein „ig“, zusammen also „Herzig“. Dieser ehemalige Oberbürgermeister erlebte bei einer Frankreichreise ein Carillon und wollte dann für Magdeburg auch ein solches. Und so geschah es. Nach Entwurf von Margarethe und Peter Schilling, mit Schmuck versehen durch Heinrich Apel, wurden die Glocken 1974 in der Glockengießerei Apolda gegossen.

Nach Montage in ein Stahlgerüst stand zur Freude der Magdeburger das Glockenspiel auf dem Alten Markt – damals noch in schönem Glanz – und wurde dann mit einem Spezialkran ins Rathaustürmchen gehoben. Nun erklingt zu jeder vollen Stunde eine, allerdings elektronisch gesteuerte, Melodie. Zu besonderen Anlässen aber gibt Carilloneur Frank Müller mit seinen Fäusten und viel Kraft ein Konzert.

Fotos: Müller

Kommen. Gucken. Staunen.

(Gerda Bednarz).  Unter dieser Überschrift führte die SKET GmbH auf ihrem Gelände Schilfbreite 2 im  Oktober einen Tag der offenen Tür durch, zu dem interessierte Magdeburger samt ihren Familien herzlich eingeladen waren. Rund 3.000 Gäste konnten begrüßt werden. Sie inspizierten die weiträumigen Werkhallen, ließen sich über Fertigungsabläufe, mechanische Bearbeitung und Ausbildungsmöglichkeiten informieren oder probierten selbst einmal aus, wie genau die Bediener eines Krans arbeiten müssen, um große  Werkstücke präzise aufzunehmen und millimetergenau wieder abzusetzen.

Für ehemalige SKET-Mitarbeiter war es eine willkommene Gelegenheit zu sehen,  was und wie in dem früheren Walzwerksbaubetrieb PF 11 heute gefertigt wird. Die Dimensionen sind nach wie vor gewaltig.

Nach dem Konkurs wurden Teile des SKET 1998 privatisiert. Als SKET entstand 2003 ein Tochterunternehmen der ENERCON Gruppe, die als einer der größten weltweit bekannten Hersteller von Windenergieanlagen gilt. SKET ist dabei ein führendes industrielles Dienstleistungsunternehmen im Bereich des allgemeinen Maschinen- und Anlagenbaus, arbeitet im Kundenauftrag und bedient international zahlreiche Branchen vom Walzwerks- bis zum Turbinenbau.

Auf seine Wurzeln, seine lange Tradition seit mehr als 160 Jahren ist SKET immer noch stolz und verweist in seiner historischen Dauerausstellung sowohl auf Gruson und Krupp als auch auf das Schwermaschinenbaukombinat “Ernst Thälmann” mit einst fast 30.000 Beschäftigten hin. Der Name SKET blieb erhalten, aber die Bedeutung der Buchstaben wurde an die heutige Firmenphilosophie angepasst.

S  Stärke

K  Know-how

E  Erfahrung

T  Tradition

Auf jeden Fall war es ein interessanter Besuch.

Foto: Bednarz

Ärztliche Diagnoseverfahren

(Dr. Christl Korb).  Die Polysomnographie ist ein diagnostisches Verfahren zur kontinuierlichen Messung einer Vielzahl physiologischer Funktionen während des Schlafes und sie dient zur Diagnostik von Schlafstörungen. Dazu gehören Tagesschläfrigkeit, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Schnarchen, auffällige Ereignisse oder Empfindungen in den unterschiedlichen Schlafphasen und das obstruktive Schlafapnoesyndrom. Bei diesem Syndrom kommt es zu Atemstillständen während des Schlafes. Auch schlafbezogene Bewegungsstörungen können untersucht werden. Die Polysomnographie wird stationär in einem Schlaflabor durchgeführt. Es werden EEG, EKG, EMG, der Sauerstoffgehalt des Blutes, die Körpertemperatur, der Atemfluss durch Nase und Mund, Atem – Augen – Beinbewegungen und die Körperlage während der gesamten Untersuchungszeit erfasst. Aus den Aufzeichnungen wird ein Schlafprofil erstellt, aus dem in der Regel eine Diagnose der Schlafstörung gestellt werden kann, die dann eine zielgerichtete Behandlung ermöglicht. Die Untersuchung ist unabhängig vom Alter der Patienten möglich.

Die Sonographie ist auch unter den Begriffen Echokardiographie und Ultraschall bekannt. Mithilfe von Ultraschallwellen lassen sich einfach und schmerzlos die Strukturen verschiedener Organe (Schilddrüse, Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Milz, Nieren, weibliche Brust, Herz) und Körperregionen untersuchen. Auch zur Darstellung von Lymphknoten, zur Untersuchung von Muskeln und Blutgefäßen ist sie zu einem wertvollen bildgebendem Verfahren geworden. Die Methode eignet sich nicht zur Untersuchung luftgefüllter Organe (Lunge, Magen-Darm-Trakt). Da es sich um ein röntgenstrahlenfreies Verfahren handelt, kann es auch bei einer Schwangeren und ihrem ungeborenen Kind angewandt werden. Die Sonographie ist zum Standardverfahren in der Schwangerschaftsvorsorge geworden. So können frühzeitig Entwicklungsstörungen und Erkrankungen des Ungeborenen diagnostiziert werden.

Der „Hackenwärmer“

(Gert Sommerfeldt).  Einst knatterten sie durch die Landschaft und brachten ihre Besitzer schnell und kostengünstig ans Ziel. Die einen täglich zum Arbeitsplatz, andere zu Ausflügen in die nähere Umgebung. Man nannte sie Hackenwärmer oder Hühnerschreck, die im Magdeburger Armaturenwerk (MAW) entwickelten und in Großserie gebauten Fahrrad-Anbaumotoren. Für 285 DDR-Mark erworben, wurde das 6 kg schwere Gerät neben der Hinterachse am Fahrrad montiert und brachte es bei einem Hubraum von 49,6 ccm auf 1,3 PS.

Der 2-Takt-Otto-Motor ohne Getriebe erlaubte eine Geschwindigkeit bis 35 km/h. Sein Verbrauch lag kostengünstig bei 1,5 Liter/100 km. Von 1955 bis 1961 wurden 170.000 Stück im Rahmen der Konsumgüterproduktion des MAW in Serie montiert, damit ging alle 6 min ein Motor vom Band. Auch als leistungsfähige Bootsmotore und Rasenmäher wurden sie modifiziert angeboten. Heute liebevoll gepflegt, ziehen sie die Blicke auf sich oder werden im Fahrzeug-Museum in Glöthe bei Staßfurt anerkennend begutachtet. Für einen gut erhaltenen fahrbereiten Anbaumotor werden heute bis 1.000 € verlangt.

Foto: Sommerfeldt