Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt

(Siegfried Brosza).  In Magdeburg ist immer eine Menge los. So können wir uns auch in diesem Jahr auf viele kulturelle Höhepunkte freuen.

Einen festen Platz nehmen wiederum die Telemann-Festtage ein. Vom 9. bis 18. März werden unter dem Motto „Voller Poesie – Telemann und die Literatur“ exzellente Interpreten die Besucher begeistern.

Ein weiterer Höhepunkt wird die Festwoche vom 6. bis 12. Mai zum 25-jährigen Jubiläum der Straße der Romanik sein, zu deren prächtigen Bauwerken in Magdeburg der Dom, das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, die Kirche St. Petri und die Kathedrale St. Sebastian zählen.

Der Magdeburger Dom wird vom 30. Mai bis 3. Juni 2018 zum Schauplatz der 10.Magdeburger Domfestspiele.

Ein kulturelles Ausrufezeichen auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025 setzt Magdeburg im Spätherbst mit der Eröffnung des Dommuseums Ottonianum im Gebäude der ehemaligen Reichsbank. Hier werden auf ca. 650 Quadratmetern Ausstellungsfläche drei große Themenkomplexe des europäischen Mittelalters präsentiert: Kaiser Otto der Große (912-973) und Königin Editha (910-946), das Erzbistum Magdeburg sowie die archäologischen Forschungen und Ausgrabungen im und am Dom.

Das sind die großen Highlights. Die Magdeburger Kulturlandschaft hat natürlich viel mehr zu bieten – auch speziell für uns Senioren. Einiges davon organisiert der Seniorenbeirat.
So werden in diesem Jahr wiederum in mehreren Altenpflegeheimen im Rahmen der Konzertreihe „Musik am Nachmittag” insgesamt 20 Konzerte anstatt bisher 16 (10 Frühlings- und 10 Adventskonzerte) angeboten.

Am 16. April findet die 44. „Musik am Nachmittag” im AMO statt, ein Erfolgskulturevent, das wir älteren Magdeburger vor allem der Initiative von Petra Schubert zu verdanken haben.

Die 45. „Musik“ ist für den September geplant und am 6. Mai 2018 freuen wir uns über eine Sondervorstellung des Theaters der Landeshauptstadt mit der Operette „Eine Nacht in Venedig”.

Ein  kultureller Höhepunkte werden sicher die Seniorenwochen im April mit zahlreichen Veranstaltungen. Da sind wir schon jetzt gespannt!

Magdeburg ist auf dem Weg zur Kulturhauptstadt!

Bild: Blick über die Elbe zum Magdeburger Dom; Foto: Brosza

Magdeburgs Volksbäder

(Gert Sommerfeldt).  Einige Hausfassaden in unserer Stadt tragen noch heute die Inschrift VOLKSBAD. Diese Häuser waren einmal öffentliche Badeanstalten, in denen die weniger „Betuchten“ die Möglichkeit zu einer regelmäßigen Körperpflege nutzen konnten.

Was viele von zu Hause aus nicht kannten, war hier vorhanden: warme Wannenbäder und sprudelnde Duschen, Fußbecken und Ruheräume. Nach dem Duschen konnten die Besucher auch die Waschständer für die Reinigung ihrer persönlichen Kleidung nutzen. Im Bügelzimmer stand ein Ofen für das Erhitzen der eisernen Bügeleisen. Während bis 1860 die Bürger wetterabhängig nur die Strände der Elbe zum Baden nutzen konnten, war Baden im 1860 eröffneten Friedrichsbad, der ersten überdachten Badeanstalt mit Wasserbecken, ganzjährig möglich. An den römisch-irischen Baustil angepasst, lag sie nahe der Elbe an der Berliner Straße und galt damals als die größte Schwimmhalle in Europa, die durch Spenden reicher Bürger mitfinanziert wurde.

Für Heiterkeit sorgten Originale, die sich im warmen Wasser tummelten. So auch ein englischer Kapitän, der morgens ins Wasser stieg und abends immer noch seine Kreise zog. Dabei paffte er eine Pfeife Tabak im Wasser, die ihm der Bademeister von Zeit zu Zeit „an Land“ stopfte.

Eine weitere Anlage wurde als „Wilhelmsbad“ 1898 in der heutigen Maxim-Gorki-Straße gebaut, zuletzt als Stadtbad bezeichnet. Hier trainierten Schwimmgrößen unterschiedlichster Sportvereine. Ebenso erlernten fast 100 Jahre lang Generationen von Schülern hier das Schwimmen, bis es leider 1988 wegen Bauschäden geschlossen und Mitte der 90er Jahre abgerissen wurde.

Kunst trifft Wissenschaft

Die Magdeburger Mini- Erdachse

(Dieter Müller).  Was hat es auf sich mit jenem schräg aufragenden Stab vor dem Hauptbahnhof? Da begegnen sich Kunst und Wissenschaft. Zur Kunst im öffentlichen Raum Magdeburgs gehört diese schöne Gestaltung aus schwarzem und rotem Granit, geschaffen von Timm Ulrichs. Wissenschaftlich gesehen verläuft der schwarze Schaft parallel zu unserer Erdachse. Weil Magdeburg auf 52,7 Grad nördlicher Breite liegt, steht auch die Achse bei uns in diesem Winkel. Der Stab hat mit 12,71 m genau den millionsten Teil der Länge der wirklichen Erdachse, denn von Pol zu Pol sind es 12 710 km.

An dem schweren Ring aus schwarz-rotem Granit, der den Äquator darstellt, kann man zudem die Uhrzeit ablesen, denn die Skulptur dreht sich einmal am Tag um die eigene Achse, angetrieben durch einen funkgesteuerte Elektromotor.

Bei klarem Nachthimmel kann man sehen, dass der Stab zum Polarstern zeigt. Das ist zwar nur ein gewöhnlicher Fixstern wie auch unsere Sonne, aber dorthin zeigt unsere Erdachse. Das ist also jener Punkt, um den sich der ganze Himmel zu drehen scheint, so unser Eindruck. Inzwischen wissen wir das besser. Wir sitzen auf einem Karussell, das täglich eine volle Drehung macht. Darüber stritt man sich einst beim Prozess gegen Galilei. Was uns aber erst heute so richtig bewusst wird: Wir leben auf dieser relativ kleinen Kugel, die als Lebensort im räumlich und zeitlich riesigen Weltall schwebt. Auch wird uns immer klarer, dass wir für den Erhalt ihrer Bewohnbarkeit als ganze Menschheit Verantwortung tragen.

Foto: Müller

Geschenkte Kunstwerke

(Gerda Bednarz).  Unser Kulturhistorisches Museum (KHM) beherbergt in seinen Magazinen ca. 40.000 interessante graphische Werke. Am „Wochenende der Graphik“ im vergangenen November hatte es sein Depot geöffnet und interessierte Besucher zu Führungen, Workshops und Vorträgen eingeladen.  Als Höhepunkt bekam das Museum in einer Matinee weitere 140 Graphiken und 4 Kleinstplastiken von Künstlern Sachsen-Anhalts offiziell geschenkt. Sie hatten die Sammlung der Kunstwerke dankenswerterweise über viele Jahre vor ihrer Auflösung bewahrt, hatten entsprechende Dokumentationen verfasst und nach reiflicher Überlegung dem KHM vermacht, weil man sie hier in „guten Händen“ wisse.

Dazu berichtete der Kunstwissenschaftler Jörg Heiko Bruns ausführlich über Höhen und Tiefen der bildenden Kunst in Magdeburg im Zeitraum 1945 bis 1995. Die anwesenden Künstler und ihre Gäste quittierten die Ausführungen und die Schenkung mit lang anhaltendem Beifall. Gut für die Magdeburger zu wissen, dass man hier die vielfältige Kunst bedeutender Maler, Graphiker oder Bildhauer aus unserem Land zu schätzen weiß und auch der Öffentlichkeit wieder zugänglich macht.

Heinz Glade – ein Magdeburger Schriftsteller

(Dagmar Herricht).  Heinz Glade war ein Magdeburger Journalist und ein heute fast vergessener Schriftsteller. Er wurde am 17.12.1922 in Magdeburg geboren und besuchte hier die Oberrealschule, die er 1940 mit dem Abitur abschloss. Danach wurde er zum Reichsarbeitsdienst einberufen und musste nach einer kurzen militärischen Ausbildung an die Front. Als er 1947 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, begann er Artikel für die Zeitung „Tägliche Rundschau“ zu schreiben und leitete später die Landesredaktionen in Mecklenburg und in Brandenburg.

Bis 1960 arbeitete er hier als angestellter Journalist. Danach kam Heinz Glade in seine Heimatstadt zurück und arbeitete als freischaffender Autor. Viele seiner Arbeiten brachte den Lesern die Regionen Altmark und Börde des damaligen Bezirkes Magdeburg und die Bezirkshauptstadt Magdeburg näher. Außerdem arbeitete er ehrenamtlich in der Bezirksleitung des Kulturbundes mit und wurde 1966 Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR. Zu seinen Arbeiten gehören u.a. das Magdeburger Tagebuch (1957), Reiseskizzen aus dem Harz (1971), An den Seen unseres Nordens (1972) und Magdeburg – Porträt einer Elbestadt (1973).

Heinz Glade verstarb am 21.10.1996 in Magdeburg. Sein Nachlass befindet sich im Literaturbüro Sachsen-Anhalt e.V., Magdeburg.

Bildquelle: Literaturbüro Sachsen-Anhalt e.V.