Der „Hackenwärmer“

(Gert Sommerfeldt).  Einst knatterten sie durch die Landschaft und brachten ihre Besitzer schnell und kostengünstig ans Ziel. Die einen täglich zum Arbeitsplatz, andere zu Ausflügen in die nähere Umgebung. Man nannte sie Hackenwärmer oder Hühnerschreck, die im Magdeburger Armaturenwerk (MAW) entwickelten und in Großserie gebauten Fahrrad-Anbaumotoren. Für 285 DDR-Mark erworben, wurde das 6 kg schwere Gerät neben der Hinterachse am Fahrrad montiert und brachte es bei einem Hubraum von 49,6 ccm auf 1,3 PS.

Der 2-Takt-Otto-Motor ohne Getriebe erlaubte eine Geschwindigkeit bis 35 km/h. Sein Verbrauch lag kostengünstig bei 1,5 Liter/100 km. Von 1955 bis 1961 wurden 170.000 Stück im Rahmen der Konsumgüterproduktion des MAW in Serie montiert, damit ging alle 6 min ein Motor vom Band. Auch als leistungsfähige Bootsmotore und Rasenmäher wurden sie modifiziert angeboten. Heute liebevoll gepflegt, ziehen sie die Blicke auf sich oder werden im Fahrzeug-Museum in Glöthe bei Staßfurt anerkennend begutachtet. Für einen gut erhaltenen fahrbereiten Anbaumotor werden heute bis 1.000 € verlangt.

Foto: Sommerfeldt

Gegen Kaiser und Papst

(Gerda Bednarz).  In vielen Orten des 500-jährigen Reformationsgedenkens sind die Feierlichkeiten schon beendet – nicht in Magdeburg. Hier begann am 1.9.2017 eine große Ausstellung im Kulturhistorischen Museum (KHM) unter o.g. Thema mit prominenter Würdigung unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff, der evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann und des katholischen Bischofs Dr. Gerhard Feige. Das kommt dem Grundgedanken Luthers schon sehr nahe, denn er wollte die christliche Kirche nicht spalten, er wollte sie verändern und von falschen Aussagen und vom Ablasshandel befreien.

Magdeburg gehörte zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu den größten und reichsten Städten des Alten Reiches. Machtansprüche der Kirche und bürgerliches Selbstbewusstsein standen sich nicht immer friedlich gegenüber. Die Lehren Luthers waren den bürgerlichen Ansichten näher,   sie wandten sich stärker zur Renaissance und einem humanistischen Menschenbild zu, während der Klerus seine Macht behaupten wollte.

In der Ausstellung wird anschaulich gezeigt, wie selbstbewusst sich Rat und Bürgerschaft gegen Erzbischof und seine Gefolgsleute durchzusetzen versuchten. Der neue Glaube kam  beim einfachen Volk gut an, veranlasste jedoch auch gewalttätige Übergriffe und Zerstörungen. Die neue Lehre musste verteidigt werden, Magdeburg trat dem Schmalkaldischen Bund bei, der jedoch in der Schlacht bei Mühlberg verlor. Magdeburg hatte sich als einziges Bundesmitglied nicht  Kaiser Karl V. unterworfen, gewährte vielen protestantischen Theologen Asyl und begründete als Propagandazentrum „Unseres Herrgotts Kanzlei“.

Reichsacht und Belagerungskrieg, politische und religiöse Übereinkünfte sowie die Magdeburger Schulgeschichte spielen in der Ausstellung eine große Rolle, bevor man feststellen konnte: Das Erzstift wird protestantisch. Der Mythos von der unbezwingbaren Magdeburger Jungfrau bewahrheitete sich jedoch nicht. Nach dem Reformationsjubiläum 1617 kam es erneut zu großen Differenzen, die den Dreißigjährigen Krieg auslösten. Magdeburg hoffte auf den Schwedenkönig Gustav Adolf – er kam zu spät.

Am 20. Mai 1631 gab Tilly den Befehl zum Angriff. Innerhalb weniger Stunden war das „Bollwerk des Protestantimus“ zerstört und über 20.000 Menschen mussten ihr Leben lassen. Darüber kann man bei Wilhelm Raabe in „Unseres Herrgotts Kanzlei“ nachlesen, der den evangelischen Märtyrern mit seinem Roman ein Denkmal gewidmet hat.

Eine hervorragende Ausstellung ist dem KHM da wieder gelungen. Bis zum 28.Januar 2018 kann sie besichtigt werden.

Foto: Bednarz

Der Zeitungsverleger Friedrich Alexander Faber

(Dagmar Herricht).  Mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johann Gutenberg war die Grundlage für die Entwicklung des Zeitungswesens gelegt. Die neue Technik fand rasche Verbreitung durch die wandernden Druckergesellen. Spätestens 1480 muss die Buchdruckerkunst auch Magdeburg erreicht haben, da in diesem Jahr nachweisbar ein gedruckter Kalender von Bartholomäus Gothan hier erschien. Der Druck von Zeitschriften lag viele Jahre in den Händen der Druckereibesitzer und Verlegerfamilie Faber. Friedrich Alexander Faber kam in Magdeburg 1844 als Sohn des Zeitungsverlegers Gustav Faber zur Welt. Er erlernte traditionsgemäß den Beruf eines Buchdruckers und übernahm 1871 gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm den Familienbetrieb von seinem Vater. In den folgenden Jahren kam es zu vielen Veränderungen im Betrieb der Druckerei, da sich die Technik rasant weiterentwickelte. So nahm Faber 1875 die erste Zeitungsrotationsmaschine Deutschlands im neuen Fabrikgebäude in der Bahnhofstraße in Betrieb. Hier brachte die Magdeburgische Zeitung im Dezember 1880 die ersten Wetterkarten nach englischen Vorbildern heraus. In den folgenden Jahren wurden viele verschiedene  Zeitschriften in Magdeburg gedruckt. Besonders hervorzuheben ist auch Fabers soziales Verhalten gegenüber seinen Angestellten. Er richtete für die Belegschaft mehrere Hilfskassen ein, um kranke Mitarbeiter oder Angehörige zu unterstützen. 1895 gründete Friedrich Alexander Faber den Verein Deutscher Zeitungsverleger mit und war dessen Vorsitzender. Er starb im Jahr 1908.

1932 entstand in der Bahnhofstraße das erste Hochhaus Magdeburgs für die Familie Faber. Die Fabers waren bis 1945 hier als Zeitungsverleger aktiv. Der vom neuen Besitzer Heinrich Bauer Verlag geplante Abriss des Hauses konnte 2004 verhindert werden. Die Stadt Magdeburg nahm das Gebäude 2008 in ihre Denkmalliste auf.

Heute ist es Sitz der Mediengruppe Magdeburg, die unter anderem mit der Volksstimme und Generalanzeiger, biber post und biber ticket präsent ist.

 

Adolf Mittags Einsatz für Magdeburg

(Dagmar Herricht).  Der beliebte „Adolf-Mittag-See“ im Rotehornpark erinnert an den Industriellen Adolf Mittag, der am 22.9.1833 in Magdeburg geboren wurde. Sein Vater war ein geachteter und erfolgreicher Kaufmann. Sohn Adolf besuchte nach dem Schulabschluss eine Handelsschule in Gnadau, ging dann nach Leipzig, um den Beruf eines Knopfmachers zu erlernen. Zurück in Magdeburg gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich mehrere Handelshäuser. Im Jahr 1869 kaufte Adolf Mittag das Brauhaus „Preußischer Hof“ im Breiten Weg 155. Hier entstand die erste Großhandlung der Stadt, die Waren an kleinere Geschäfte weiterverkaufte. Bis 1888 führten er und sein Bruder Heinrich gemeinsam den Betrieb. Danach leitete sein Bruder Louis die Firma.

Adolf Mittag war besonders an der Gestaltung der Gärten seiner Heimatstadt interessiert. So unterstützte er großzügig mit einer Spende von 50.000 Mark die Verschönerung des Rotehornparks. Das Geld wurde 1908 für die Aufweitung der „Tauben Elbe“ eingesetzt, es entstand der heutige Adolf- Mittag- See.

Die kleine Marieninsel widmete er seiner inzwischen verstorbenen Frau Maria. Auch weitere Einrichtungen in Magdeburg sind durch seine großzügigen Spenden und seine Anregungen entstanden. Dazu gehört der Nordfriedhof als Park, der Ausbau zahlreicher Radfahrwege. Bekannt durch sein uneigennütziges Engagement und seine freundliche Art, wurde er von den Magdeburgern liebevoll „Onkel Adolf“ genannt. Wenn wir Magdeburger uns heute noch gern im Rothornpark aufhalten, so erinnern wir uns an den großzügigen Mäzen Adolf Mittag. Er starb am 14.08.1920 in Leipzig.

Ein Löwe im Herrenkrug

(Gert Sommerfeldt).  Das bewaldete Gebiet im Norden Magdeburgs, das einst zur Beweidung und zur Heu- und Holzgewinnung genutzt wurde, gehörte der Stadt. Um dort übliche Diebstähle zu verhindern, entstand zur Aufsicht ein Wärterhaus, das an einer Fernstraße liegend, sich mit der Zeit zum Wirtshaus entwickelte. Hier kehrten auch die Ratsherren nach getaner Arbeit oft ein. Zur Umgestaltung dieses wilden Areals in einen Herrenkrugpark legten die Gartengestalter Lennè und Schoch Entwürfe mit Sichtachsen, kleinen Denkmalen und der Anpflanzung von bis zu 80 verschiedenen Gehölzen vor. Damit entstand hier bis 1824 ein beliebtes Ausflugsziel für die Bürger, die, aus den lichtarmen Hinterhöfen des Stadtzentrums kommend, sich hier ihren mitgebrachten Kaffee aufkochen ließen. Das Bürgertum besuchte das angrenzende Gesellschaftshaus zu Schank und Konzerten. Mit der Aufstellung einer gusseisernen Löwenplastik, eine Schenkung des Buchdruckers Heinrich Faber, wurde das Wirken des Oberbürgermeisters August Wilhelm Francke für eine grüne Stadt geehrt. Ein ruhender Löwe mit mächtiger welliger Mähne schaut in die Parkanlage.

Am Sockel ist neben den Initialen des Stifters eine Widmung lesbar: „Ihm tönt aus Luft und Wald das Lied der Freude“. Zeitweise verschwunden, wurde das Denkmal nach seiner Restaurierung 1989 wieder aufgestellt. Besuchen Sie es mal!