Schinkel und der Magdeburger Dom

(Dieter Müller).  Es sind ja nicht nur die Nicolaikirche und das Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten, die Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) unserer Stadt geschenkt hat. Vielmehr erwies er uns noch einen ganz großen Dienst, der wahrscheinlich vielen nicht bekannt ist: Er hat durch eine grundlegende Sanierung unseren Dom gerettet, der damals in derart schlechtem Zustand war, dass man sogar an Abriss dachte. Wer war dieser Mann? Hervorgegangen aus einem Pfarrhaus in Neuruppin, kam er in jungen Jahren nach Berlin, weil nach dem frühen Tod des Vaters die Mutter mit den Kindern dorthin zog. Schinkel, musikalisch und zeichnerisch begabt, erhielt in Berlin eine gute Ausbildung. Sein Architekturstudium muss wohl besonders förderlich gewesen sein, weil es sehr praxisorientiert größtenteils auf Baustellen stattfand.  Schinkel stieg schnell zum preußischen Baumeister und zum Architekten des Königs auf. Wenn auch sein Hauptarbeitsfeld in Potsdam und Berlin lag, so prägte Schinkel weit darüber hinaus mit seinem klassizistischen Baustil eine ganze Epoche. Ja selbst in Köln, das damals zu Preußen gehörte, veranlasste er die Fertigstellung des Doms, der lange Zeit als Bauruine gestanden hatte.

In Magdeburg erinnert ein Porträt-Medaillon am Haus der ehemaligen Kunstschule in der Brandenburger Straße an Schinkel. Die Stadt ehrt ihn durch Schinkel-Musiktage, die erstmalig im Juni dieses Jahres stattfanden und zu einer guten Tradition werden sollen. Magdeburg hat Karl Friedrich Schinkel viel zu verdanken.

 Foto Müller

Einschulung 1946

(Gert Sommerfeldt).  Immer, wenn ich Erstklässler erwartungsvoll zur Einschulung gehen sehe, denke ich an meinen 1. Schultag. Im Alter von 6 Jahren wurde ich am 1.September 1946 in die 5. Wilhelmstädter Grundschule, die spätere Franz-Mehring-Grund-Schule, mit 40 weiteren Jungs eingeschult. Wir saßen sehr eng in den Schulbänken, da die Nachbarschule noch in Trümmern lag. Zur Einschulung wurde die traditionelle Schultüte überreicht. Vater hatte sie selbst gebastelt aus einem Karton, der beklebt und bemalt worden war. Darin waren als Füllung eine Sonderration Kristall-Zucker nur für Schulkinder, die man zu Bonbons kochen konnte, sowie Obst aus Nachbars Gärtchen.

Erwartungsvoll nahmen wir in den Schulbänken Platz. Es folgten erste schulische Belehrungen. Anschließend gab es zu Hause Mittagessen, sogar mit einer kleinen Fleischportion dank gesammelter Lebensmittelmarken, dazu nachmittags Kleie-Kuchen mit selbst gekochter Marmelade. Meine Schulmaterialien bestanden aus einer gebrauchten und leider zerkratzten Schiefertafel,  dazu ein Griffel und ein am Ranzen baumelnder Schwamm. Wie gut, dass diese Zeiten schon lange der Vergangenheit angehören, aber vergessen sollten wir sie nicht.

Foto privat

Zeitdokumente

(Gert Sommerfeldt).  Nach der Reichsgründung 1871 entstand in Deutschland eine große Anzahl monumentaler Denkmäler, die die militärische Stärke und Macht der neuen wilhelminischen Ära dokumentieren sollten. So auch in Magdeburg. Zwischen Dom und dem Palais am Fürstenwall wurde auf dem Gelände der 1870 geschleiften Bastion Cleve ein Hügel aufgeschüttet, auf dem 1877 ein vom Architekten Hermann Eggert konzipiertes Kriegerdenkmal errichtet wurde.

Das aus Sandstein gefertigte Monument auf dem Fürstenwall zeigt auf vier bronzenen Relieftafeln kriegerische Situationen und die Orte der Schlachten, an denen Magdeburger Regimenter beteiligt waren. So ist auf der Ostseite zu sehen, wie sich ein Krieger in voller Rüstung von seiner Familie schmerzhaft verabschiedet. Die Südtafel zeigt einige Details der Schlacht bei Königgrätz 1866 unter General Fransecky, während die Nordtafel auf die Ereignisse bis zur Kapitulation von Sedan im September 1870 hinweist, auf der der General Moltke mit zu sehen ist. Auf der westlichen Tafel werden die Kaiserkrönung nach der Gefangennahme Napoleons III. und die folgende Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles dargestellt. Unter den Teilnehmern der Festlichkeit ist  Bismarck zu erkennen. Ein seitlich angebrachtes bronzenes Schild verweist auf die Magdeburger Jungfrau. Auf die Spitze des von roten Granitsäulen getragenen Dachs wurde die deutsche  Kaiserkrone gesetzt.

Foto: Sommerfeldt

Magdeburgs Volksbäder

(Gert Sommerfeldt).  Einige Hausfassaden in unserer Stadt tragen noch heute die Inschrift VOLKSBAD. Diese Häuser waren einmal öffentliche Badeanstalten, in denen die weniger „Betuchten“ die Möglichkeit zu einer regelmäßigen Körperpflege nutzen konnten.

Was viele von zu Hause aus nicht kannten, war hier vorhanden: warme Wannenbäder und sprudelnde Duschen, Fußbecken und Ruheräume. Nach dem Duschen konnten die Besucher auch die Waschständer für die Reinigung ihrer persönlichen Kleidung nutzen. Im Bügelzimmer stand ein Ofen für das Erhitzen der eisernen Bügeleisen. Während bis 1860 die Bürger wetterabhängig nur die Strände der Elbe zum Baden nutzen konnten, war Baden im 1860 eröffneten Friedrichsbad, der ersten überdachten Badeanstalt mit Wasserbecken, ganzjährig möglich. An den römisch-irischen Baustil angepasst, lag sie nahe der Elbe an der Berliner Straße und galt damals als die größte Schwimmhalle in Europa, die durch Spenden reicher Bürger mitfinanziert wurde.

Für Heiterkeit sorgten Originale, die sich im warmen Wasser tummelten. So auch ein englischer Kapitän, der morgens ins Wasser stieg und abends immer noch seine Kreise zog. Dabei paffte er eine Pfeife Tabak im Wasser, die ihm der Bademeister von Zeit zu Zeit „an Land“ stopfte.

Eine weitere Anlage wurde als „Wilhelmsbad“ 1898 in der heutigen Maxim-Gorki-Straße gebaut, zuletzt als Stadtbad bezeichnet. Hier trainierten Schwimmgrößen unterschiedlichster Sportvereine. Ebenso erlernten fast 100 Jahre lang Generationen von Schülern hier das Schwimmen, bis es leider 1988 wegen Bauschäden geschlossen und Mitte der 90er Jahre abgerissen wurde.

Der „Hackenwärmer“

(Gert Sommerfeldt).  Einst knatterten sie durch die Landschaft und brachten ihre Besitzer schnell und kostengünstig ans Ziel. Die einen täglich zum Arbeitsplatz, andere zu Ausflügen in die nähere Umgebung. Man nannte sie Hackenwärmer oder Hühnerschreck, die im Magdeburger Armaturenwerk (MAW) entwickelten und in Großserie gebauten Fahrrad-Anbaumotoren. Für 285 DDR-Mark erworben, wurde das 6 kg schwere Gerät neben der Hinterachse am Fahrrad montiert und brachte es bei einem Hubraum von 49,6 ccm auf 1,3 PS.

Der 2-Takt-Otto-Motor ohne Getriebe erlaubte eine Geschwindigkeit bis 35 km/h. Sein Verbrauch lag kostengünstig bei 1,5 Liter/100 km. Von 1955 bis 1961 wurden 170.000 Stück im Rahmen der Konsumgüterproduktion des MAW in Serie montiert, damit ging alle 6 min ein Motor vom Band. Auch als leistungsfähige Bootsmotore und Rasenmäher wurden sie modifiziert angeboten. Heute liebevoll gepflegt, ziehen sie die Blicke auf sich oder werden im Fahrzeug-Museum in Glöthe bei Staßfurt anerkennend begutachtet. Für einen gut erhaltenen fahrbereiten Anbaumotor werden heute bis 1.000 € verlangt.

Foto: Sommerfeldt