Kleinbahn-Romantik

(Gert Sommerfeldt).  Es sind zwar erst 2 x 500 m Strecke, die die Kleinbahnfreunde des Kreises Jericho wieder touristisch befahrbar gemacht haben. An ausgewählten Terminen lädt dann der Verein zu Nostalgiefahrten ein, zu denen auch eine Dampflok angemietet wird. Vorbei an Wiesen, Gärten sowie sumpfigen Gelände und Tann geht es dann vom als Denkmal eingestuften Museums-Bahnhof Magdeburgerforth durchs Dorf und zurück.

Ab 1896 wurde das einst 100 km lange Kleinbahnnetz mit 4 Zielbahnhöfen errichtet, an denen der Umschlag von Holz, Bruchsteinen und Feldfrüchten erfolgte, auch genutzt von Bürgern, Touristen und dem Militär. Ab 1960 wurden streckenweise die Gleise abgebaut. Der Verein möchte nun das alte Streckennetz weiter ausbauen, historische Fahrzeuge einsetzen und Interessierte mit Kleinbahnromantik bekannt machen. Diese touristischen Ziele werden von der Landesregierung finanziell gefördert.

Feldbahn-Fahrten: 2.4.18 Ostermontag 10-16 Uhr ins Osterland

Bahnhofsfest am 26.5.18 10-18 Uhr 27.5.18 10-16 Uhr.

21 Lehrlinge vom Ausbildungszentrum der DB waren im Nov 2017 im Einsatz und verlegten 100m Gleis, so dass das ursprüngliche Gleisbild wieder vervollständigt wurde.

Foto: Sommerfeldt

Das Schloss Angern

(Doris Franke).  Angern ist eine Gemeinde im Landkreis Börde in Sachsen Anhalt am Rande der Letzlinger Heide. Die ersten schriftlichen Erwähnungen stammen aus dem 14. Jahrhundert. Bodenfunde belegen allerdings, dass der Ort bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war. Mit dem Markgrafen Albrecht der Bär soll eine Familie von Angern in die Altmark gekommen sein.  Über lange Zeit gab es zwischen den Markgrafen von Brandenburg und dem Erzbistum Magdeburg über den Besitz von Angern Streitigkeiten.

Der Magdeburger Erzbischof  ließ 1341 ein festes Schloss in Form einer Wasserburg mit einem künstlichen Wassergraben errichten. Nach seiner Zerstörung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde es vom Brandenburg-Preußischen Adelsgeschlecht von der Schulenburg zu einem Schloss im Rokoko-Stil wieder errichtet und 1843 im Stile des Klassizismus umgebaut. Trotz vieler Erbteilungen blieben Schloss und Grund Angern fast fünfhundert Jahre bis 1947 im Besitz der Familie von der Schulenburg, die maßgeblich die Entwicklung des Dorfes prägte.

1566–1569 ließ Oberst Jacob von der Schulenburg in Angern auf den Resten eines mittelalterlichen Gotteshauses die Kirche St. Mauritius bauen, die 1753 um ein Drittel nach Osten hin verlängert wurde. In der kleinen Kirche befinden sich einige sehr schöne bunte Fenster, ein Taufstein aus Terrakotta, ein kunstvoll gearbeitetes Epitaph und die Orgel von 1789, ein Geschenk der Gräfin von der Schulenburg geb. von Bismarck. Von 1949 bis 1990 war in dem Schloss Angern eine landwirtschaftliche Berufsschule untergebracht, seit 1997 ist das Schloss wieder im Besitz der Familie. Heute betreibt Graf Alexander von der Schulenburg im Rittergut Vergunst ökologischen Landbau, die repräsentativen Säle und Salons können für Veranstaltungen gemietet werden.

Foto: Franke

Weitsicht

(Gert Sommerfeldt).  Die Landesregierung, vertreten durch den Staatsminister Rainer Robra, würdigte auf einer Festveranstaltung am 23.9.17 im Kloster Ilsenburg den Harzer Forstmeister Hans-Dietrich von Zanthier (1717-1778) zu Ehren seines 300. Geburtstages und seines erfolgreichen Wirkens in der Forstwirtschaft.

Er zeigte zu seiner Zeit eine große Weitsicht zum Schutz des Waldes. So schlug er vor, anstatt der vielen einzelnen kleinen Holzkohle-Meiler zentrale Öfen zu errichten, da diese effektiver einen Brennstoff lieferten, der zur Verhüttung der abgebauten Silbererze im Harz benötigt wurde. Der zunehmende Bedarf an  der energiereichen Holzkohle führte im 18. Jhd. zu großen Abholzungen und kahlen Flächen, die dann der Erosion preisgegeben waren. Zanthier trat auch für die Regulierung des stark zugenommenen Wildbestandes ein, der besonders die Jungpflanzungen dezimierte. Als gräflich-stolbergischer Oberforst- und Jägermeister gründete er die erste Forstakademie in Europa und übernahm die Oberaufsicht für die Wernigeröder Forsten. Er widmete sich dort der Aufforstung, der Bestandsverjüngung und der nachhaltigen Waldnutzung.

 Foto: Sommerfeldt

Straße der Romanik – Ilsenburg im Harz

(Doris Franke).  Im Nationalpark Harz am Fuße des Brockens liegt  der Luftkurort Ilsenburg. Ein Bummel durch die Stadt ist auch ein Gang durch ihre Geschichte. Weltruhm erlangte sie schon im 17. Jh. mit der Herstellung von Eisenkunstguss. Selbst Zar Peter der Große überzeugte sich davon bei einem Besuch der Gießerei 1697. Begeistert beschrieb der Dichter Heinrich Heine 1824 in seiner „Harzreise“ die „Prinzessin Ilse“ mit den bekannten Wasserfällen im wildromantischen Flusstal. Das im Jahre 1018 gegründete Benediktinerkloster Ilsenburg gehörte zu den bedeutendsten und einflussreichsten Klöstern im nördlichen Harz. In seiner Blütezeit lebten und arbeiteten hier 30 Mönche, ihre Schreib- und Kunsttätigkeit war weithin berühmt.  Ein Kleinod ist die romanische Klosterkirche St. Peter und Paul, deren Erbauung in die Jahre 1078-1087 datiert wird. Zu den faszinierenden Kostbarkeiten zählen die Reste eines Gipsfußbodens aus dem 12. Jhd., ein Relief aus dem Jahre 1220 und der barocke Schnitzaltar. Vom Ende des 16. Jh. bis 1945 war der Klosterkomplex im Besitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Der Kloster-Wanderweg verbindet die romanischen Klosteranlagen von Ilsenburg und Drübeck miteinander, beide gehören zur “Straße der Romanik“. Vorbei an urigen Waldgasthäusern führt der Weg zum 150m über dem Fluss steil aufragenden Ilsestein, wo die „Prinzessin Ilse“ der Sage nach gewohnt haben soll. Auf dem Granitfelsen sieht man noch Reste einer Felsenfestung der Schutzvögte des Klosters. Das auch aus dem Tal sichtbare gusseiserne Kreuz ist ein Denkmal für die Gefallenen der Befreiungskriege 1813/14.

Das 1000-jährige Ilsenburg gehört zu den beliebtesten Urlaubsorten des Harzes, viele traditionelle Feste und Veranstaltungen und die Wanderungen auf den gut ausgeschilderten Pfaden in der romantischen Naturschönheit lassen einen Besuch in jeder Jahreszeit zu einem Erlebnis werden.

Foto: Franke

Die Lutherstadt Mansfeld

(Doris Franke).  In den bergigen Ausläufern des Südostharzes erhebt sich am Rande der steil zum Tal abfallenden Hochebene die gewaltige Anlage der ehemaligen Festung Mansfeld. Die mittelalterliche romanische Burg, die vor den  Schlossbauten der Renaissance an dieser Stelle stand, reichte trotz ihrer ersten Erwähnung 1229 vermutlich bis ins 11. Jh. zurück. Sie gehörte schon vor dem Dreißigjährigen Krieg zu den mächtigsten Festungen von Deutschland. Die Ruinen der Burg- und Schlossanlagen der Grafen des Mansfelders Geschlechts sind sehenswert. Das genaue Ausmaß der vielen ehemaligen Gebäude der Festung ist schwer zu überblicken. Romantisch mit Efeu bewachsene Mauern, ein großer Wallgraben und die noch vollständig erhaltene turmlose Schlosskirche prägen die heutige Ansicht des Areals. Sie ist eine der schönsten gotischen Kirchen von Deutschland. Der beeindruckende, mit Strebepfeilern umstellte fast quadratische Treppenturm mit der Wendeltreppe erhielt im Laufe von Umbauten sein zinnenumkränztes Obergeschoss.

Der Ort Mansfeld hat schon immer im Schatten des größeren und reicheren Eislebens gestanden, aber seit 1996 darf er auch den Namen Lutherstadt führen. Wenige Monate nach Martin Luthers Geburt zogen seine Eltern von Eisleben nach Mansfeld, wo er bis 1497 seine Kindheit und Jugend verbrachte. Wahrscheinlich hat er auch öfter von der Kanzel der Schlosskirche gepredigt. In seinem restaurierten Elternhaus erzählt eine Ausstellung vom Alltag der Familie und von seiner Schulzeit. Der Lutherbrunnen aus bayrischem Muschelkalk vor dem schmucken Rathaus zeigt drei Szenen aus dem Leben des Reformators. Lebenslang fühlte er sich seiner Heimat verbunden.

Schloss Mansfeld wird heute von einem Förderverein verwaltet und zu einer christlichen Jugend- und Bildungsstätte ausgebaut.

Foto: Franke