Höhlenwohnungen

(Doris Franke).  Das genaue Alter der Höhlenwohnungen in Langenstein bei Halberstadt ist nicht zu datieren. Man nimmt an, dass sie schon aus der germanischen Siedlungszeit stammen. Auf einem Sandsteinhöhenzug stand ursprünglich die Altenburg, die ab 1151 als Burg Langenstein erwähnt wurde. Nach mehrmaligen Zerstörungen wurde sie 1653 endgültig abgebrochen. An der Bergseite befinden sich in den Fels gehauene Höhlen und Kammern, die möglicherweise als Unterkunft für die Burgbesatzung dienten.

Gegenüber auf dem Schäferberg haben 1855 bis 1858 wohnungslose Landarbeiterfamilien  begonnen, in den weichen Stein  Höhlen mit Hammer und Meißel zu graben und als Wohnraum zu nutzen. Sie waren ca. 30 qm groß und  bestanden aus Wohnzimmer, Küche, Vorratsraum und mindesten einer Schlafstätte. Die Innenräume besaßen keine Türen, Fenster gab es nur an der Eingangsseite.

Beheizt wurden sie durch den Herd in der Küche, durch den Felsen nach oben führten Schornsteine. Die Luftzirkulation sorgte für ein Verhindern von Schimmel und Feuchtigkeit, auch im Sommer herrschte ein angenehmes Raumklima. In diesen Wohnhöhlen lebten Familien bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, 1916 wurde die letzte geräumt. In den folgenden 100 Jahren hat man die Höhlen als Lageraum und Tierstall genutzt.

Durch das Engagement des Vereins Langensteiner Höhlen-wohnungen e.V. wurden fünf der ehemaligen 10 Felsenwohnungen an der Höhlenstraße wieder hergerichtet und können  bei geführten Rundgängen  besichtigt werden.

Der Besucher erfährt die Geschichte dieser außergewöhnlichen Sehenswürdigkeit  und kann sich mit etwas Phantasie vorstellen, wie die Menschen damals gelebt haben.

Ausflugstipp: Torgau an der Elbe

(Gert Sommerfeldt).  Der Ort ist mehrfach geschichtlich erwähnt, denn er war Schauplatz wichtiger politischer, gesellschaftlicher und religiöser Ereignisse. Um die hoch gelegene Burganlage Hartenfels siedelten sich im Umfeld einst die Handwerker und Bürger an und bewohnten Häuser mit prächtigen Fassaden, die heute fast durchgehend saniert sind  und einen Eindruck von der Renaissance vermitteln.

Bereits im 16.Jhd. wurde hier die erste protestantische Kirche gebaut, die Luther 1544 als  Schlosskirche selbst weihte. Die ehemalige Ordensschwester Katharina von Bora verstarb hier 1552 nach einem Kutschenunfall und erhielt ein prächtiges farbiges Epitaph. Hinter der Schloßbrücke erinnert ein gigantischer Wappenstein von 1624 an die  Residenz der sächsischen Kurfürsten und die Teilung der Macht 1485 unter Brüdern in eine ernestinische und albertinische Linie.

Im goldverzierten Wappen über dem Tor sind 18 weitere Felder für die Herzogtümer und Grafschaften bildlich vereint. Dazu 2 gekreuzte Schwerter und 6 Helme für die Wehrhaftigkeit. Im Innenhof ist eine besondere Sehenswürdigkeit, eine spindellose freitragende Treppenanlage, die als Weltarchitektur eingestuft wurde. Ein Gedenkstein an der Elbe erinnert an die Begegnung der westlichen Alliierten mit der Roten Armee.

Hanno & Neo Rauch – Vater und Sohn

(Doris Franke).  Der Maler Neo Rauch wurde am 18. April 1960 in Leipzig geboren. Seine Eltern Hanno und Helga sollte er nie kennen lernen, denn vier Wochen nach seiner Geburt kamen beide bei einem Zugunglück mit 54 Opfern vor den Toren Leipzigs ums Leben. Hanno Rauch studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und wurde nur 21 Jahre alt. Neo wuchs bei seinen Großeltern in Aschersleben auf, verbrachte hier Kindheit und Jugend. Er studierte ebenfalls an dieser Hochschule. Sein beeindruckendes künstlerisches Schaffen wurde und wird in vielen Museen Europas und der Welt mit großen Ausstellungen gewürdigt. Neo Rauch gilt heute als einer der bedeutendsten Maler seiner Generation.

Als Zeichen seiner Dankbarkeit gegenüber seiner Heimatstadt rief er 2012 seine Grafikstiftung ins Leben. Er überlässt der Stadt jeweils ein Exemplar seines grafischen Werkes, die in  Ausstellungen im markanten Riegelbau im Bestehornpark in Aschersleben gezeigt werden. In der aktuellen Ausstellung unter dem Titel „Hanno & Neo Rauch, Vater und Sohn“  werden Werke des Leipziger Künstlers Neo zusammen mit 50 Zeichnungen, Holzschnitten und Grafiken seines Vaters noch bis zum 30. April 2017 präsentiert. Neo Rauch meint „ Dies ist meine persönlichste und anrührendste Ausstellung“.