Pechau und die Klusbrücke

(Doris Franke).  Seit der Eingemeindung 1994 gehört Pechau als kleinster und grünster Stadtteil zu Magdeburg. Das Elbauendorf liegt in einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft mit einem See, ist umgeben von Elbe, Alter Elbe, dem Naturschutzgebiet Kreuzhorst, dem Umflutkanal  und dem Klusdamm. Seine erste Erwähnung hatte Pechau  948 in einer Urkunde von Otto I.. Auf dem Gemeindehof in der Breiten Straße können Rekonstruktionen slawischer Hütten und eine Ausstellung über die slawische Besiedlung im 8.-12. Jahrhundert besichtigt werden. Am Ende Straße befindet sich der Hügel der historischen Slawenburg, das Alte Dorf. Der Klusdamm, eine alte Heer und Landesstrasse, wurde 1150 erstmals erwähnt. Er war als Knüppeldamm im Mittelalter der einzige hochwassersichere Zugang durch das sumpfige und unwegsame Gebiet die Elbe-Ehle-Niederung. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde er von Flamen  als steinerner Damm aus Sandstein als Hauptweg von Magdeburg in Richtung Osten ausgebaut und sorgte nun auch bei Hochwasser für eine freie Querung der Auenlandschaft. Er bestand aus einer Vielzahl steinerner und hölzerner Brücken und hatte eine Länge von 7,6 km mit 5,7 m Breite und einer Höhe von 2,5 m. Am östlichen Ende des Dammes befand sich eine Mönchsklause mit Herberge. Vermutlich deshalb der Name Klusdamm. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurde der Damm mehrfach zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut. Erst mit dem Bau der Berliner Chaussee in Magdeburg als Hauptverkehrsstraße in Richtung Osten 1823 verlor der Klusdamm seine Bedeutung und dient heute nur zum Teil noch als Rad- oder Wanderweg.

Die Anfang des 15. Jahrhunderts gebaute Klusbrücke über die Ehle ist das einzige Überbleibsel der Brückenkette und das älteste verkehrstechnische Denkmal im Raum Magdeburg. 2017 wurde sie umfassend nach historischem Vorbild saniert und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Radfahrer. Die 40 m lange und 4 m hohe Klusbrücke hat zwei Bögen mit einer Spannweite von 5 bzw. 7 m. An einem der Bögen ist ein Wappenstein von Magdeburg angebracht.

Foto: Franke

„…von Gärten umarmt“ – 170 Tage Gartenfest in Burg

(Doris Franke).  Im Jahre 948 erfolgte die erstmalige Erwähnung Burgs durch Kaiser Otto I. in der Stiftungsurkunde des Bístums Brandenburg. Zwischen den historischen Mauern der Stadt der Türme findet vom 21. April bis zum 7. Oktober die Landesgartenschau statt, dabei wird nicht nur ein Gelände, sondern eine ganze Stadt repräsentiert. Die Gäste können Gärten und Parks besuchen, aber auch die mittelalterlich geprägte Altstadt mit ihren verwinkelten Straßenzügen und engen Gassen. Auf der 17 Hektar großen Fläche wird eine vielfältige Gartenbaukultur auf vier Ausstellungsflächen gezeigt. Jedes der einzelnen Areale zeigt ein besonderes Gesicht mit Wechselflorflächen, Stadt- und Partnerschaftsgärten, 20 Themengärten  und wechselnden Blumenschauen. Der Goethepark mit historischen Grünflächen und der Hauptbühne bildet den Eingang und ist gleichzeitig die Achse zwischen  Bahnhof und Stadtzentrum. Ehrenfriedhöfe und 24 Mustergräber sind ein Ort des stillen Gedenkens, eine großzügige Spiellandschaft und die Skateranlage sorgen für Spaß und Action. Mit der LAGA-Bahn erreicht der Besucher bequem den Weinberg.

Geprägt wird der „Stadtbalkon“ durch die historische Stadtmauer, den Wasserturm und  Partnerstädte aus Sachsen Anhalt. Hier spielen die Themen Wein und Genuss, fruchttragende Gehölze, Kräuter und essbare Blüten eine große Rolle. Am alten Handelsweg inmitten der Altstadt laden die Ihlegärten mit ihren stilvoll angelegten Parzellen zum Staunen und Verweilen ein. Kirchen der Stadt sind mit Gottesdiensten, Andachten, Lesungen und  Diskussionen vertreten. Partnerstädte präsentieren ihre Gartenkultur und regionale Künstler stellen abwechseln ihre Werke vor. Der Flickschupark ist eine Parkanlage mit Geschichte, die Anlage mit dem schönen Teich wurde der Stadt Burg 1912 von Albertine Flickschu, der Witwe eines Tuchfabrikanten, vererbt. Auch hier wechselnde Themengärten und Hallenschauen, beim  Rundgang um den See erwarten den Besucher herrliche Seerosen, Rhododendron und wechselnde Bepflanzungen. Für Familien gibt es auf allen vier Ausstellungsflächen große Spiel- und Freizeitbereiche und natürlich überall Restaurants zum Verweilen und Einkehren. Mehr als 800 Veranstaltungen werden in den 170 Tagen der LAGA stattfinden, für Jung und Alt ein breitgefächertes Angebot.

Die jahrelange Vorbereitung hat sich gelohnt, viele Bereiche der Stadt wurden aus ihrem „Dornröschenschlaf geweckt“, meint der begeisterte Oberbürgermeister der Stadt, Jörg Rehbaum.

Foto: Franke

Die Prinzessin Ilse

(Gert Sommerfeldt).  Schon Heinrich Heine machte in seiner „Harzreise“ auf eine Prinzessin Ilse aufmerksam, die in einem Schloss oberhalb am Ilsestein wohne und mit Besuchern selig sein möchte. Auch heute steigen viele Wanderfreunde zum Ilsestein auf und genießen den Blick ins enge bewaldete Tal. Am aufgerichteten Felsenkreuz vorbei geht hier der Blick hinunter ins romantische Tal der vorbei rauschenden Ilse und zu den der Landschaft angepassten neuen Landhäusern. Als neues Wahrzeichen der Stadt Ilsenburg schuf der Quedlinburger Metallgestalter Jochen Müller eine schlanke weibliche Bronzefigur, die er „Prinzess Ilse“ nannte.

In einer Parkanlage Im Talgrund auf einer steinernen Kugel mit Inschrift stehend, braust hinter ihr der Gebirgsbach, dem sie nackt entstiegen zu sein scheint. Touristen, Wanderer und Radfahrer können hier einen kurzen Halt einlegen, werden so an einen Heinrich Heine aus der Schulzeit erinnert, der die Schönheit der Harzer Landschaft in seinem Reisebericht bereits 1824 fest hielt.

Foto: Sommerfeldt

Die Konradsburg – Kleinod mittelalterlicher Baukunst

(Doris Franke).  Auf einem Bergsporn des nördlichen Harzvorlands liegen in der Nähe von Ermsleben die Reste der Burg der Edelherren von Konradsburg. Ihre älteste Erwähnung als Wehranlage stammt aus dem Jahre 1021. Um 1120 siedelten die Burgherren auf den Falkenstein über und nannten sich ab 1142 nur noch Falkensteiner. Die Konradsburg wurde zu einem Benediktinerkloster umgestaltet  und es entstand die prachtvolle Klosterkirche St. Sixtus. Im 15. Jahrhundert waren Kartausermönche die Hausherren, bis sie nach Zerstörungen und Plünderungen im Bauernkrieg 1526 das Kloster aufgaben. In den folgenden Jahrhunderten diente die Konradsburg als Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Der größte Teil der Anlagen musste Zweckbauten weichen, wie dem noch heute erhaltenen Herrenhaus mit seinen barocken Elementen. Weder Türme noch ein Bergfried erinnern an die wehrhafte Burganlage. Von der romanischen kreuzförmigen Pfeilerbasilika sind nur der Chor und die darunter liegende fünfschiffige Hallenkrypta erhalten. Die Kapitelle zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt der Formen aus und gehören mit den schönen Blattornamenten zu den bedeutenden Leistungen der Baukunst Anfang des 13. Jahrhunderts. Besonders beeindruckend ist ein Kapitell mit verschlungener menschlicher Gesichtsmaske.

Im Zentrum des einstigen Kreuzganges des  Klosters steht das Brunnenhaus, ein beachtliches technisches Denkmal. Ein zweigeschossiger Fachwerkbau über einen 47 m tiefen Brunnen mit einem hölzernen Tretrad, das noch bis 1950 von einem Esel angetrieben wurde. Die alte Burganlage ist ein interessantes Denkmal deutscher Kulturgeschichte an der Straße der Romanik.

Foto: Franke

25 Jahre Straße der Romanik

(Doris Franke).  Im Mai 1993 wurde die Straße der Romanik durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker im Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg feierlich eröffnet. Mittlerweile ist sie durch ihre Attraktivität zu einer der erfolgreichsten deutschen Touristenstraßen geworden. Nirgendwo in Deutschland findet man romanische Baukunst in einer solchen Dichte und Schönheit wie in Sachsen Anhalt. In Form einer riesigen Acht bietet die Straße der Romanik auf einer Nord- und einer Südroute ein vielfältiges Besichtigungs- und Erlebnisangebot. Dabei werden Einblicke in die Anfänge der deutschen Geschichte und in die romanische Kunst und Architektur vermittelt. Zu den vielen Sehenswürdigkeiten gehören sakrale Bauten wie Kirchen, Dome und Klöster, Burgen und Kaiserpfalzen. Als eine der wichtigsten Denkmäler deutscher Romanik in unserem Bundesland gilt die über tausendjährige Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode. Es ist das einzige fast unverändert gebliebene Bauwerk aus ottonischer Zeit.

Noch heute sind viele Merkmale der frühromanischen Baukunst erkennbar. Baubeginn von Kirche und Stift war 959 unter Markgraf Gero, einem Waffengefährten von Otto I.. Gero starb 965, seine Grabtumba befindet sich seit 1519 vor dem Kreuzaltar im Mittelschiff. Die Wände des Langhauses werden von Pfeilern und Säulen mit reichgeschmückten Kapitellen getragen. Die Nachbildung des heiligen Grabes mit Reliefs und Friesen mit biblischen Auferstehungsmotiven entstand im 11. Jahrhundert und gilt als die älteste erhaltene Darstellung dieser Art nördlich der Alpen. Aus der Zeit des Baubeginns der Kirche stammt auch das dreischiffige Tonnengewölbe der Ostkrypta.

 Foto: Franke