Die Prinzessin Ilse

(Gert Sommerfeldt).  Schon Heinrich Heine machte in seiner „Harzreise“ auf eine Prinzessin Ilse aufmerksam, die in einem Schloss oberhalb am Ilsestein wohne und mit Besuchern selig sein möchte. Auch heute steigen viele Wanderfreunde zum Ilsestein auf und genießen den Blick ins enge bewaldete Tal. Am aufgerichteten Felsenkreuz vorbei geht hier der Blick hinunter ins romantische Tal der vorbei rauschenden Ilse und zu den der Landschaft angepassten neuen Landhäusern. Als neues Wahrzeichen der Stadt Ilsenburg schuf der Quedlinburger Metallgestalter Jochen Müller eine schlanke weibliche Bronzefigur, die er „Prinzess Ilse“ nannte.

In einer Parkanlage Im Talgrund auf einer steinernen Kugel mit Inschrift stehend, braust hinter ihr der Gebirgsbach, dem sie nackt entstiegen zu sein scheint. Touristen, Wanderer und Radfahrer können hier einen kurzen Halt einlegen, werden so an einen Heinrich Heine aus der Schulzeit erinnert, der die Schönheit der Harzer Landschaft in seinem Reisebericht bereits 1824 fest hielt.

Foto: Sommerfeldt

Die Konradsburg – Kleinod mittelalterlicher Baukunst

(Doris Franke).  Auf einem Bergsporn des nördlichen Harzvorlands liegen in der Nähe von Ermsleben die Reste der Burg der Edelherren von Konradsburg. Ihre älteste Erwähnung als Wehranlage stammt aus dem Jahre 1021. Um 1120 siedelten die Burgherren auf den Falkenstein über und nannten sich ab 1142 nur noch Falkensteiner. Die Konradsburg wurde zu einem Benediktinerkloster umgestaltet  und es entstand die prachtvolle Klosterkirche St. Sixtus. Im 15. Jahrhundert waren Kartausermönche die Hausherren, bis sie nach Zerstörungen und Plünderungen im Bauernkrieg 1526 das Kloster aufgaben. In den folgenden Jahrhunderten diente die Konradsburg als Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Der größte Teil der Anlagen musste Zweckbauten weichen, wie dem noch heute erhaltenen Herrenhaus mit seinen barocken Elementen. Weder Türme noch ein Bergfried erinnern an die wehrhafte Burganlage. Von der romanischen kreuzförmigen Pfeilerbasilika sind nur der Chor und die darunter liegende fünfschiffige Hallenkrypta erhalten. Die Kapitelle zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt der Formen aus und gehören mit den schönen Blattornamenten zu den bedeutenden Leistungen der Baukunst Anfang des 13. Jahrhunderts. Besonders beeindruckend ist ein Kapitell mit verschlungener menschlicher Gesichtsmaske.

Im Zentrum des einstigen Kreuzganges des  Klosters steht das Brunnenhaus, ein beachtliches technisches Denkmal. Ein zweigeschossiger Fachwerkbau über einen 47 m tiefen Brunnen mit einem hölzernen Tretrad, das noch bis 1950 von einem Esel angetrieben wurde. Die alte Burganlage ist ein interessantes Denkmal deutscher Kulturgeschichte an der Straße der Romanik.

Foto: Franke

25 Jahre Straße der Romanik

(Doris Franke).  Im Mai 1993 wurde die Straße der Romanik durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker im Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg feierlich eröffnet. Mittlerweile ist sie durch ihre Attraktivität zu einer der erfolgreichsten deutschen Touristenstraßen geworden. Nirgendwo in Deutschland findet man romanische Baukunst in einer solchen Dichte und Schönheit wie in Sachsen Anhalt. In Form einer riesigen Acht bietet die Straße der Romanik auf einer Nord- und einer Südroute ein vielfältiges Besichtigungs- und Erlebnisangebot. Dabei werden Einblicke in die Anfänge der deutschen Geschichte und in die romanische Kunst und Architektur vermittelt. Zu den vielen Sehenswürdigkeiten gehören sakrale Bauten wie Kirchen, Dome und Klöster, Burgen und Kaiserpfalzen. Als eine der wichtigsten Denkmäler deutscher Romanik in unserem Bundesland gilt die über tausendjährige Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode. Es ist das einzige fast unverändert gebliebene Bauwerk aus ottonischer Zeit.

Noch heute sind viele Merkmale der frühromanischen Baukunst erkennbar. Baubeginn von Kirche und Stift war 959 unter Markgraf Gero, einem Waffengefährten von Otto I.. Gero starb 965, seine Grabtumba befindet sich seit 1519 vor dem Kreuzaltar im Mittelschiff. Die Wände des Langhauses werden von Pfeilern und Säulen mit reichgeschmückten Kapitellen getragen. Die Nachbildung des heiligen Grabes mit Reliefs und Friesen mit biblischen Auferstehungsmotiven entstand im 11. Jahrhundert und gilt als die älteste erhaltene Darstellung dieser Art nördlich der Alpen. Aus der Zeit des Baubeginns der Kirche stammt auch das dreischiffige Tonnengewölbe der Ostkrypta.

 Foto: Franke

Ausflugziel Burg Oebisfelde

(Doris Franke).  An der Landesgrenze zu Niedersachsen zwischen der Altmark und der Magdeburger Börde liegt Oebisfelde, ein Ortsteil der Stadt Oebisfelde –Weferlingen. Der Ort wurde erstmals zwischen 1014 und 1073 erwähnt Die Burg wurde vermutlich im 10. Jahrhundert auf einer Sandbank der Aller im Sumpfgebiet des Drömlings errichtet, aber erst 1267 urkundlich genannt. Aus dieser Zeit stammt auch die aus Bruchsteinen errichtete romanische Kirche St. Katharinen. Im Innern befindet sich eine um 15oo geschaffene Figurengruppe, die in dieser Kombination weltweit nur siebenmal existiert. Der Turm der Kirche hat wegen abgesenkter Grundmauern durch den sumpfigen Untergrund einen Überhang von 95 Zentimeter.

Auch die Burg Oebisfelde ist ein Bruchsteinbau. Das Gebäude hat die Form eines unregelmäßigen Fünfecks. Die Grundmauern des 27 m hohen quadratischen freistehenden Bergfrieds sind 2,50 m dick und sind ebenfalls aus Bruchsteinen gemauert. Er diente den Bewohnern des Ortes als Zuflucht, später wurde er als Wasserturm genutzt. Heute ist er besteigbar. Auf dem Burghof stehen neben dem Burgturm auch zwei gut erhaltene Fachwerkhäuser. Der Palas im Norden der Anlage ist wegen seiner Größe ein sehr imposantes Gebäude, in der eine langgestreckten Vorburg befindet sich eine Zugbrücke. Den guten Zustand hat die Anlage durch ihre Nutzung zu Wohnzwecken und als Museum zu verdanken. Heute finden auf dem großen Hof oft Märkte und Konzerte statt. Hier befindet sich auch die Touristeninformation.

Foto: Franke

Kurier unterwegs: Loburg an der Straße der Romanik

(Doris Franke).  Am Rande von Sachsen Anhalt, 9 km von Möckern entfernt, liegt das kleine Städtchen  das Überbleibsel einer ehemaligen slawischen Wallburg aus dem achten Jahrhundert ist. Die Burg  wurde aber während des Slawenaufstandes zerstört. Burg Loburg wurde 965 erstmals in einer Schenkungsurkunde von Otto I. erwähnt. Zwischen 1162 und 1200 ließ der Burggraf von Lubborch eine neue Burg errichten. Zeugen dieser mittelalterlichen Burg sind lediglich der imposante Bergfried und ein tonnengewölbter Keller. In der gleichen Zeit entsteht östlich der Burg die dreischiffige Feldsteinkirche „Unser Lieben Frauen“, von ihr stehen heute nur noch Reste der Umfassungsmauern, des Chorbereiches, der Langhausarkaden und des Turmes. Die Ruine ist nicht nur ein beachtliches Bauwerk an der „Straße der Romanik“, sondern auch ein Zeugnis der wechselvollen Geschichte in dieser Region.

Die Stadtkirche St. Laurentius unweit des Marktes vereint Stile des 12.-16. Jahrhunderts. Sie besitzt eine bedeutende Barockorgel, die Decke der Kirche ist mit Wappen der Loburger Adelsfamilien bemalt.

Schon 700 Jahre besteht das Rittergut von Barby in Loburg, wo bis zu ihrer Enteignung  1945 die Familie von Barby lebte. Nach fast 70 Jahren ist das ziemlich verfallene Gut wieder im Familienbesitz. Robert Dahl, der  Enkel des letzten Besitzers, will es mit viel finanziellem Einsatz und tollen Ideen wieder mit Leben erfüllen. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude befindet sich seit 2014 das liebevoll eingerichtete Barby Cafe. Sämtliche der köstlichen Speisen und die leckeren Kuchen werden in der eigenen Küche ohne Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel hergestellt. Im ehemaligen historischen Gutshaus sind Handwerker bemüht, bis April ein Jahreszeitenrestaurant zu eröffnen. Die bereits gepflanzten Walnussbäume sollen nach Plänen von Robert Dahl Loburg zur Walnusshauptstadt von Deutschland machen. Er hofft, dass sich damit noch weitere Manufakturen  ansiedeln werden. Ein weiteres Highlight  in diesem kleinen Städtchen ist die Vogelschutzwarte Storchenhof. Seit 1979 werden hier verletzte und verwaiste Störche und andere Tiere gepflegt  und wieder ausgewildert. Der Hof bietet ein vielfältiges Beobachtungsfeld besonders für Schulkinder, sie können im Sommer in drei Horsten  Storchenfamilien beobachten  und vieles über Naturschutz erfahren.

Fotos: Franke