Das Wahrzeichen von Erxleben

(Doris Franke).  Der Ort Erxleben ist eng mit der Geschichte der gleichnamigen zwei Schlösser verbunden. Die Burganlage Erxleben ist seit 1112 nachweisbar und war ursprünglich eine Rundburg mit einer kastellartigen romanischen Kernburg. Besitzer der Wehranlage war seit 1273 die Adelsfamilie von Alvensleben, die sich 1554 in eine weiße und eine schwarze Linie teilte. Die Kernburg wurde von der schwarzen Linie, Erxleben II im 16. Jahrhundert schlossartig ausgebaut. Die Ostseite bekam dabei als Schauseite Erker und ein üppiges, heute leider ramponiertes Barockportal. Auf der Hofseite befinden sich zwei Treppentürme und ein Treppenhaus aus Fachwerk.

Die weiße Linie Erxleben I errichtete 1782 – 84 durch den Halberstädter Landbaumeister J.C.Huth einen barocken zweigeschossigen Schlossbau in der nordöstlichen Ecke der Gesamtanlage. Als Orientierungspunkt über dem vielfach umbauten, größtenteils mittelalterlichen Komplex ragt mit seiner barocken Haube das Wahrzeichen von Erxleben, der 50 m hohe Bergfried.

Der über 800 Jahre alte Hausmannsturm entstand in romanischer Bauweise, seine 3,20m starken Mauern und der zwölf Meter über dem Erdboden befindliche Eingang begründen seine Bedeutung für die Verteidigung der Burg. Später wurde er erhöht, bekam eine Wächterstube und 1890 eine Turmuhr. Zu Füßen des Turmes befindet sich die 1564 von der weißen und der schwarzen Linie der Familie von Alvensleben gemeinsam errichtete Schlosskirche St. Godehard.  Sie war der erste protestantische Kirchenneubau in der Börde. Über 300 Jahre wurde sie als Familienkapelle auf dem Stammsitz derer von Alvensleben genutzt, stand aber auch der Gemeinde zur Verfügung. Die von außen im schlichten Renaissancestil gehaltene Schlosskirche ist ein Kleinod dieser Region. Die Innenausstattung beeindruckt mit Kunstwerken aus vier Jahrhunderten und ist mit den reich geschmückten Altären, Grabmälern und Epitaphien eine Erinnerungsstätte von seltener künstlerischer Bedeutung. Besonders erwähnenswert ist das Epitaph für Joachim I. von Alvensleben, das Kunstwerk aus Alabaster zeigt ihn und seine drei Frauen vor einem geschnitzten Bildwerk. Leider haben die vergangenen Jahrzehnte ihre Spuren am Gebäude, an den Kunstwerken und an der Orgel hinterlassen. Ziel eines Förderkreises ist die Wiederherstellung des Gesamtkunstwerkes Schlosskirche von Erxleben. Neben ihrer Bestimmung als Kirche steht sie als kulturelles Zentrum der Börde für Konzerte und Lesungen zur Verfügung.

Fotos: Franke

Herbstausflug zur Ritterburg

(Doris Franke).  Wollen Sie einmal in einem echten Schloss „Schlafen wie die Grafen“,  wandern, reiten oder mit einer Kutsche übers Land fahren? Dann besuchen Sie doch das Hotel Schloss Altenhausen aus dem 15./16. Jahrhundert, 40 km von Magdeburg entfernt. Als Wehr- und Ritterburg wurde Altenhausen erstmals 1162 erwähnt, sie war im Besitz der Grafen von Veltheim-Osterburg. Ab 1485 gehörte die Burg der Familie von Schulenburg. Durch viele Veränderungen in den folgenden Jahrhunderten nach Kriegen, Bränden und Besitzerwechsel wurde aus der Ritterburg ein Burgschloss.

Im 30jährigen Krieg und bei einem Brand 1625 wurde die Anlage stark beschädigt. Ab Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte durch Alexander von Schulenburg ein Wiederaufbau der zerstörten Gebäude.

Die Umfassungsmauer mit dem beeindruckenden Eingangstor, dem sogenannten Alexandertor wurde errichtet, und Ende des 19. Jahrhunderts entstand der dominierende Rotsandsteinturm im Stile der Neugotik. Hat man die 99 Stufen bis zum Türmchen mit dem kleinen Pyramidendach erstiegen, belohnt ein herrlicher Ausblick auf den 50.000 qm großen Schlosspark. Bis zu ihrer Enteignung nach dem zweiten Weltkrieg war in Altenhausen die Familie von Schulenburg ansässig. Zahlreiche Grabdenkmäler dieses einflussreichen Landadels sind noch in der Dorfkirche erhalten. Nach 1945 war das Schloss Herz-Kreislauf-Hospital, seit 1998 ist es ein Zentrum für Familienurlaub, Hochzeiten, Feiern und Seminare und bietet als Ponyschloss und Jugendherberge ein volles Programm für Schulklassen und Ferienkinder.

Fotos: Franke

Das Kloster Walkenried

(Doris Franke).  Bei einem Besuch des mittelalterlichen Zisterzienserklosters Walkenried können die Besucher  in die Welt des Mittelalters eintauchen. Seit 2006 kann man den Alltag der hier einst lebenden und arbeitenden Mönche hautnah erleben. Das von Ora et labora („Bete und arbeite“) geprägte Leben und Wirken der frommen Kirchenmänner  wird in den Klausurgebäuden spannend und interessant vermittelt, akustische und visuelle Inszenierungen ergänzen den Rundgang durch den fast 900 Jahre alten Ort. Die ehemalige Abtei liegt im Landkreis Osterode im Harz. Der katholische  Mönchsorden der Zisterzienser ist Ende des 11. Jahrhunderts als Reformbewegung aus dem Benediktinerorden hervorgegangen.

Der Orden der „Weißen Mönche“ zeichnete sich durch besondere strenge  und einfache Lebensweise aus. 1127 stiftete Adelheid von Walkenried in dieser Niederung das dritte Zisterzienserkloster in Deutschland. 1129 lebte hier ein Abt mit 12 Mönchen, 1137 wird die 50 m lange romanische Klosterkirche geweiht. Schon 1150 hat sich das Kloster zu einem mittelalterlichen Konzern entwickelt und betrieb zahlreiche Wirtschaftshöfe.  Der wirtschaftliche Erfolg führte zum Bau eines größeren und moderneren Klosters mit einer 90 m langen gotischen Kirche, der damals größten in Norddeutschland.  Rund 400 Jahre wirkten die Gottesmänner hier, haben viele Spuren hinterlassen. Sie besaßen Berg- und Hüttenwerke und entwickelten u.a. die Technik weiter, Wasserkraft im Bergbau einzusetzen. In den Bauernkriegen wird das wehrlose Walkenried geplündert, ausgeraubt und zerstört – die Mönche ergreifen die Flucht, ihre Kirche wird dem Verfall preisgegeben. Von der ehemaligen Klosteranlage ist das im 13. Jahrhundert errichtete Klausurgebäude mit dem berühmten doppelten Kreuzgang sehr gut erhalten, das seit 2010 zum UNESCO Welterbe gehört.

Lassen Sie sich in einem der größten Klostermuseen Deutschlands in die Welt des Mittelalters führen, erleben Sie im einzigartigen mittelalterlichen Kreuzgang Konzerte mit internationalen Künstlern oder besuchen Sie im letzten Septemberwochenende den Walkenrieder Klostermarkt.

Fotos: Franke

Die Trauernde Magdeburg

(Doris Franke).  Die Skulptur „Trauernde Magdeburg“ im Eingangsbereich der Johanniskirche gilt als  Symbol für die Zerstörung unserer Elbestadt im Zweiten Weltkrieg, weil sie die verheerenden Bombenangriffe am 16. Januar 1945 unversehrt in dieser Kirche überstanden hat. Sicher nicht allgemein bekannt ist, dass diese Plastik ein Nachguss ist und der Stadt Magdeburg vom Fabrikbesitzer Eugen Polte 1906 zum Geschenk gemacht wurde. Das Original ist 150 Jahre alt und Teil des größten deutschen Reformationsdenkmals in Worms.

Dieses wurde 1856 bis 1868 von Ernst Rietschel entworfen und von Adolf Donndorf ausgeführt.  Die Zentralfigur auf dem 12,55 m breiten Granitunterbau ist Dr. Martin Luther im Predigerrock, barhäuptig, und in der linken Hand hält er die Bibel. Auf dem Block steht: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“. Um ihn herum stehen zahlreiche Persönlichkeiten, so der Kurfürst Friedrich der Weise, Philipp Melanchton und Jan Hus.  Das Motiv zur Errichtung dieses Denkmals war neben dem Thesenanschlag 1517 Luthers Rolle auf dem Wormser Reichstag 1521, als er vor Kaiser Karl V. seine Thesen verteidigte. Weitere Reliefs, Allegorien auf historische Ereignisse und figürliche Darstellung von früheren Kirchenreformern schmücken dieses gewaltige Gebilde. Unter den Zinnen befinden sich die Wappen von 27 Städten, die sich der Reformation angeschlossen hatten.

Auf  der Figur der „Trauernden Magdeburg“ steht die Zahl 1631, ein Bezug auf die Zerstörung und Plünderung von Magdeburg durch Tilly im Dreißigjährigen Krieg.

Fotos: Franke

Pechau und die Klusbrücke

(Doris Franke).  Seit der Eingemeindung 1994 gehört Pechau als kleinster und grünster Stadtteil zu Magdeburg. Das Elbauendorf liegt in einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft mit einem See, ist umgeben von Elbe, Alter Elbe, dem Naturschutzgebiet Kreuzhorst, dem Umflutkanal  und dem Klusdamm. Seine erste Erwähnung hatte Pechau  948 in einer Urkunde von Otto I.. Auf dem Gemeindehof in der Breiten Straße können Rekonstruktionen slawischer Hütten und eine Ausstellung über die slawische Besiedlung im 8.-12. Jahrhundert besichtigt werden. Am Ende Straße befindet sich der Hügel der historischen Slawenburg, das Alte Dorf. Der Klusdamm, eine alte Heer und Landesstrasse, wurde 1150 erstmals erwähnt. Er war als Knüppeldamm im Mittelalter der einzige hochwassersichere Zugang durch das sumpfige und unwegsame Gebiet die Elbe-Ehle-Niederung. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde er von Flamen  als steinerner Damm aus Sandstein als Hauptweg von Magdeburg in Richtung Osten ausgebaut und sorgte nun auch bei Hochwasser für eine freie Querung der Auenlandschaft. Er bestand aus einer Vielzahl steinerner und hölzerner Brücken und hatte eine Länge von 7,6 km mit 5,7 m Breite und einer Höhe von 2,5 m. Am östlichen Ende des Dammes befand sich eine Mönchsklause mit Herberge. Vermutlich deshalb der Name Klusdamm. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurde der Damm mehrfach zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut. Erst mit dem Bau der Berliner Chaussee in Magdeburg als Hauptverkehrsstraße in Richtung Osten 1823 verlor der Klusdamm seine Bedeutung und dient heute nur zum Teil noch als Rad- oder Wanderweg.

Die Anfang des 15. Jahrhunderts gebaute Klusbrücke über die Ehle ist das einzige Überbleibsel der Brückenkette und das älteste verkehrstechnische Denkmal im Raum Magdeburg. 2017 wurde sie umfassend nach historischem Vorbild saniert und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Radfahrer. Die 40 m lange und 4 m hohe Klusbrücke hat zwei Bögen mit einer Spannweite von 5 bzw. 7 m. An einem der Bögen ist ein Wappenstein von Magdeburg angebracht.

Foto: Franke