Sehenswerte Dorfkirchen

(Dieter Müller).  Sowohl im Magdeburger Stadtgebiet als auch im weiten Umland finden wir eine Fülle sehr alter, kleiner Dorfkirchen. Allein in unserer Stadt gibt es in den eingemeindeten ehemaligen Dörfern Cracau, Ottersleben, Olvenstedt, Beyendorf und Sohlen solche alten Kirchen. Als Beispiel sei hier St. Petri in Beyendorf gezeigt.

Diesen alten Gotteshäusern gemeinsam ist ihre Entstehungszeit um etwa 1200. Sie sind im romanischen Stil gebaut. Charakteristisch ist ein massiver, wehrhafter Turm ohne Eingang von außen, damit man ihn bei Gefahr als Zuflucht nutzen konnte. Daran schließt sich ein meist kleiner, schlichter Kirchenraum an, der allerdings im Laufe der Jahrhunderte oft baulich verändert wurde. Gegründet sind diese Kirchen vor der Reformation, also zu jener Zeit, als es nur die eine Kirche gab. Nach der Reformation wurden die alten Kirchen evangelisch, behielten aber die Namen der Patrone aus katholischer Zeit bei. Dass man in alter Zeit mit Selbstverständlichkeit fromm war, ist daran erkennbar, dass praktisch jedes Dorf – und sei es noch so klein – eine Kirche hat. Heute sind Christen hierzulande in der Minderheit. Aber bei den Dorfkirchen zeigt sich seit der Wende ein erstaunlicher Trend: Gerade Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben, betrachten ihre Dorfkirche als Heimat und als ein Stück von sich. Und sie tun das sehr praktisch, gründen Fördervereine, spenden Geld, helfen mit bei der Sanierung und bringen so zum Ausdruck: Das ist unsere Kirche in unserem Dorf – oder Stadtteil – und damit identifizieren wir uns. Dazu trägt bei, dass außer Gottesdiensten dort auch Konzerte, Lesungen und Ausstellungen stattfinden. Es sind hier also kleine, oft sehr lebendige Kulturzentren entstanden, wo sich Menschen treffen und Freude haben.

Das Schloss Plötzkau an der Saale

(Doris Franke).  Schon von weitem ist der imposante Bergfried des Plötzkauer Schlosses zu sehen. 158 Stufen auf einer steinernen Wendeltreppe muss der Besucher überwinden, um das Turmzimmer mit der Rittertafel (Bild) zu erreichen oder einen Blick in die ehemalige Gefängniszelle zu werfen.

Aber von hier oben hat man eine fantastische Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen über das Saaletal und den Auenwald. Bereits vor dem Jahr 1100 hat an der Stelle des jetzigen Schlosses eine mittelalterliche Burg gestanden. Die heutige Anlage geht aber auf ein Renaissanceschloss zurück, welches im 16. Jahrhundert gebaut wurde. Bis zum 30- jährigen Krieg erlebte das Schloss seine Blütezeit, 1611  wurde hier das kleinste Fürstentum Anhalts gegründet. Die Fürsten von Anhalt -Plötzkau unterhielten auf der nur 40 Quadratkilometer großen Gesamtfläche sogar eine eigene Armee. Sie prägten ihre Münzen und hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. 1665 wurde das Fürstentum mit Anhalt Köthen zum Fürstentum Anhalt-Köthen-Plötzkau, später mit Anhalt Bernburg zusammengelegt. Die Nutzung als repräsentative Fürstenresidenz endete zu Beginn des 18. Jahrhunderts. An den Tod von Graf Bernhard II. von Plötzkau im 12. Jahrhundert beim zweiten Kreuzzug  erinnert im Schlossturm ein 6 x 3 m großes Diorama mit über 2000 selbstgefertigten Zinnfiguren. Das riesige Schlachtgetümmel der Kreuzritter ist nicht nur für Kinder ein echter Hingucker. Der Heimatverein des Ortes zeigt in den alten Mauern des Schlosses noch andere interessante Ausstellungen. Die einmalige Sammlung von Modellen landwirtschaftlicher Maschinen der DDR im Maßstab 1:10, im „Grünen Zimmer“ die einheimische Tier- und Pflanzenwelt, Deutschland im Wandel der Zeit, viele Exponate und Werkzeuge von der Entwicklung der Landwirtschaft, Trachten, Keramiken und vieles mehr. Ein Besuch des ehemaligen Wohnschlosses mit seinen 21 Giebeln und seinen vielseitigen Ausstellungen in einer wunderschönen Umgebung ist eine Ausflugsreise wert.

Das Schloss Döbbelin im Landkreis Stendal

(Doris Franke).  Über 19 Generationen ist das Schloss Sitz der Familie von Bismarck,  die Spuren gehen bis ins Jahr 1344 zurück. Auf einem hohen Sockel steht der langgestreckte eingeschossige Bau des Herrenhauses,  erbaut 1730 bis 1736. Es ist ein einzigartiges Beispiel altmärkischer Baukunst. Das Haus besitzt ein gewalmtes Mansardendach mit Fledermausgauben. Im Giebelfeld über dem Portal ist das Wappen der Familie von Bismarck angebracht, ein Kleeblatt mit zwei Eichenblättern.

Der Nachfahre und Neffe des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck Alexander von Bismarck kehrte kurz nach dem Mauerfall wieder in das alte barocke Familienschloss zurück. Er gab dem Haus seine ursprüngliche Schönheit wieder zurück, restaurierte es mit viel Liebe fürs Detail.

Auch die links und rechts neben dem Herrenhaus stehenden Wirtschaftsgebäude, der Marstall und das sogenannte Taubenhaus strahlen nun wieder in hellen Farben. Alexander von Bismarck und seine russische Frau Irina sind stolz auf ihr prunkvolles Zuhause, das sie mit ihren zwei Söhnen bewohnen. Im Keller hat sich von Bismarck eine ganzjährige Weihnachtswelt eingerichtet und verdient damit sein Geld. Über 8000 Weihnachtsartikel vertreiben er und sein Team  in der ganzen Welt. Seine Frau ist eine bekannte Bratschistin, musiziert im Orchester von Justus Frantz. Ihre Liebe zur Klassik und ihr handwerkliches Geschick spielt sich in der prachtvollen Inneneinrichtung des Schlosses wider.

Im Schloss finden häufig Konzerte und Feste für die riesige Familie und Freunde statt. Bereits zum 7. Mal stellte der Hausherr die idyllische Parkanlage des Schlosses für die bundesweit beliebte Messe „LebensArt“, eine Ausstellung  für Garten, Wohnen und Lifestyle,  zur Verfügung. Drei Tage vom 19.-21. Mai präsentierten viele namhafte Aussteller aus In- und Ausland hochwertige Produkte. Ein breitgefächertes Angebot an besonderen Pflanzen, Möbeln, Kleidung, Schmuck und Dekorationen für den Innen- und Außenbereich, aber auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm  lockte Tausende Besucher zu der  beliebten Veranstaltungsreihe.

Durchs Wippertal

(Gert Sommerfeldt).  Man nennt sie liebevoll „Wipperliesel“ zur Erinnerung an die Zeiten, als die Liesel wöchentlich mit ihrem Geflügel auf dieser Nebenstrecke der Bahn zum benachbarten Markt fuhr. Gemütlich soll es auf der 20 km langen Strecke einst gewesen sein, Gedanken wurden ausge-tauscht, über Gegebenheiten getratscht und das mitgeführte Getier in Zaum gehalten.  3 Wagenklassen standen damals den DR-Reisenden auf der Strecke von Wippra bis Klostermansfeld zur Verfügung. Sie wurden je nach Stand oder Bequemlichkeit genutzt. Während die Wagenklasse 2 gepolstert war, gab es in der 3. Holzsitze, in einer weiteren 4. nahm man auf breiten Holzbänken Platz und hatte Freiraum für Gepäck und Tiere. Vorgespannt wurde damals eine kleine Dampflok, die oft auch das romantische Tal mit ihrem Rauch vernebelte.

Zwischenzeitlich wurde der Bahnverkehr eingestellt, jedoch  durch private Initiative des Vereins „Mansfelder  Bergwerksbahn“  die Strecke  an den Wochenenden für Touristen wieder nutzbar gemacht. Zur diesjährigen Saisoneröffnung Ende April hatte der Verein die Strecke wieder technisch befahrbar gemacht und eine geliehene Dampflok vor die historischen Wagen gespannt. Da sie 1921 komplett aus Eisen gebaut wurden, entstand während er Fahrt ein starkes Dröhnen. Man nannte sie daher „Donnerbüchsen“, die man schon in der Ferne akustisch orten konnte. Auf den nächsten Wochenend-Fahrten  werden die Touristen allerdings in bequemen Diesel-Triebwagen rußfrei befördert.

Sehenswürdigkeiten gibt es viele an dieser Strecke. 10 Haltepunkte, ein Tunnel, der die   Rammelburg unterquert, dann eine 1 km lange Sommerrodelbahn nicht nur für Kinder. Der Rundweg um Wippra führt an einer Talsperre vorbei mit einem kleinen Kraftwerk für die Eigenversorgung.

Bahntechnisch Interessierte können auf einem schmalen Pfad entlang der Bahnstrecke 33 Brücken passieren und einen Viadukt durchfahren, sowie 31 Bahnübergänge queren. Unterwegs dann ein Blick ins Mansfelder Land mit seinen vielen Abraumhalden aus den stillgelegten Kupferschiefergruben.

 

Der Tilly-Blick

(Gert Sommerfeldt).  Vom 129 m hohen Irxleber Kreuzberg, 10 km westlich von Magdeburg gelegen, bietet sich damals wie heute vor allem in den Nachmittagsstunden bei tiefer stehender Sonne ein herrlicher Blick auf die Landeshauptstadt.

 

Als Feldherr Tilly im Mai 1631 von hier oben schaute, lag die stolze „Wehrstadt des Protestantismus“ allerdings schon in Schutt und Asche. Durch die dauernde Belagerung der Stadt während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Irxleben stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Ort gingen immer wieder Häuser in Flammen auf. Es wurde geplündert und Einwohner verloren ihr Leben. Von den Folgen dieses Krieges erholte sich das Dorf über lange Zeit nicht. Der beeindruckend schöne Blick ist geblieben.