Straße der Romanik – Ilsenburg im Harz

(Doris Franke).  Im Nationalpark Harz am Fuße des Brockens liegt  der Luftkurort Ilsenburg. Ein Bummel durch die Stadt ist auch ein Gang durch ihre Geschichte. Weltruhm erlangte sie schon im 17. Jh. mit der Herstellung von Eisenkunstguss. Selbst Zar Peter der Große überzeugte sich davon bei einem Besuch der Gießerei 1697. Begeistert beschrieb der Dichter Heinrich Heine 1824 in seiner „Harzreise“ die „Prinzessin Ilse“ mit den bekannten Wasserfällen im wildromantischen Flusstal. Das im Jahre 1018 gegründete Benediktinerkloster Ilsenburg gehörte zu den bedeutendsten und einflussreichsten Klöstern im nördlichen Harz. In seiner Blütezeit lebten und arbeiteten hier 30 Mönche, ihre Schreib- und Kunsttätigkeit war weithin berühmt.  Ein Kleinod ist die romanische Klosterkirche St. Peter und Paul, deren Erbauung in die Jahre 1078-1087 datiert wird. Zu den faszinierenden Kostbarkeiten zählen die Reste eines Gipsfußbodens aus dem 12. Jhd., ein Relief aus dem Jahre 1220 und der barocke Schnitzaltar. Vom Ende des 16. Jh. bis 1945 war der Klosterkomplex im Besitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Der Kloster-Wanderweg verbindet die romanischen Klosteranlagen von Ilsenburg und Drübeck miteinander, beide gehören zur “Straße der Romanik“. Vorbei an urigen Waldgasthäusern führt der Weg zum 150m über dem Fluss steil aufragenden Ilsestein, wo die „Prinzessin Ilse“ der Sage nach gewohnt haben soll. Auf dem Granitfelsen sieht man noch Reste einer Felsenfestung der Schutzvögte des Klosters. Das auch aus dem Tal sichtbare gusseiserne Kreuz ist ein Denkmal für die Gefallenen der Befreiungskriege 1813/14.

Das 1000-jährige Ilsenburg gehört zu den beliebtesten Urlaubsorten des Harzes, viele traditionelle Feste und Veranstaltungen und die Wanderungen auf den gut ausgeschilderten Pfaden in der romantischen Naturschönheit lassen einen Besuch in jeder Jahreszeit zu einem Erlebnis werden.

Foto: Franke

Die Lutherstadt Mansfeld

(Doris Franke).  In den bergigen Ausläufern des Südostharzes erhebt sich am Rande der steil zum Tal abfallenden Hochebene die gewaltige Anlage der ehemaligen Festung Mansfeld. Die mittelalterliche romanische Burg, die vor den  Schlossbauten der Renaissance an dieser Stelle stand, reichte trotz ihrer ersten Erwähnung 1229 vermutlich bis ins 11. Jh. zurück. Sie gehörte schon vor dem Dreißigjährigen Krieg zu den mächtigsten Festungen von Deutschland. Die Ruinen der Burg- und Schlossanlagen der Grafen des Mansfelders Geschlechts sind sehenswert. Das genaue Ausmaß der vielen ehemaligen Gebäude der Festung ist schwer zu überblicken. Romantisch mit Efeu bewachsene Mauern, ein großer Wallgraben und die noch vollständig erhaltene turmlose Schlosskirche prägen die heutige Ansicht des Areals. Sie ist eine der schönsten gotischen Kirchen von Deutschland. Der beeindruckende, mit Strebepfeilern umstellte fast quadratische Treppenturm mit der Wendeltreppe erhielt im Laufe von Umbauten sein zinnenumkränztes Obergeschoss.

Der Ort Mansfeld hat schon immer im Schatten des größeren und reicheren Eislebens gestanden, aber seit 1996 darf er auch den Namen Lutherstadt führen. Wenige Monate nach Martin Luthers Geburt zogen seine Eltern von Eisleben nach Mansfeld, wo er bis 1497 seine Kindheit und Jugend verbrachte. Wahrscheinlich hat er auch öfter von der Kanzel der Schlosskirche gepredigt. In seinem restaurierten Elternhaus erzählt eine Ausstellung vom Alltag der Familie und von seiner Schulzeit. Der Lutherbrunnen aus bayrischem Muschelkalk vor dem schmucken Rathaus zeigt drei Szenen aus dem Leben des Reformators. Lebenslang fühlte er sich seiner Heimat verbunden.

Schloss Mansfeld wird heute von einem Förderverein verwaltet und zu einer christlichen Jugend- und Bildungsstätte ausgebaut.

Foto: Franke

Straußenland Nedlitz

(Gert Sommerfeldt).  Mit dem Abbau von Arbeitsplätzen nach der Wende mussten sich viele Betroffene beruflich neu orientieren. Zu ihnen gehört eine Familie, die 2004 eine private Straußenzucht in Nedlitz aufbaute. Sie hatten sich vorher bei einem längeren Aufenthalt in Südafrika über die Zucht dieser Riesenvögel informiert. Jetzt werden bei ihnen bis zu 60 Strauße in verschiedenen Altersgruppen auf einer 4 ha großen Weide gehalten.

Bei unserem Besuch schauten die exotischen langhalsigen Jungtiere aus sicherer Entfernung neugierig herüber, während der Hahn aufgeregt umher lief um sich schützend in der Nähe seiner brütenden Henne aufzuhalten. Mit 2,60 m Höhe und einem Gewicht bis 135 kg gilt der Strauß als der größte flugunfähige Vogel der Welt. Seine bis zu 1,5 kg schweren Eier sind extrem stabil, schwer aufzuschlagen und haben eine Masse entsprechend der von über 20 Hühnereiern. In die Pfanne geschlagen und innerhalb einer langen Stunde gebraten wird es dann eine sättigende Mahlzeit für etwa 10 Erwachsene. Wenn die Vögel schlachtreif sind, werden sie hier zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet, die auf der Farm erworben werden können. Bei den Besuchern begehrt sind auch die Federn der Vögel, die gut als Staubwedel genutzt werden können. Die Farm befindet sich an der stillgelegten Bahnstrecke Magdeburg – Loburg in Nedlitz OT Büden am alten Bahnhof und kann auch über Rufbus erreicht werden.

Ein Besuch der Farm mit der ganzen Familie kann hier sehr lehrreich sein.

Sehenswerte Dorfkirchen

(Dieter Müller).  Sowohl im Magdeburger Stadtgebiet als auch im weiten Umland finden wir eine Fülle sehr alter, kleiner Dorfkirchen. Allein in unserer Stadt gibt es in den eingemeindeten ehemaligen Dörfern Cracau, Ottersleben, Olvenstedt, Beyendorf und Sohlen solche alten Kirchen. Als Beispiel sei hier St. Petri in Beyendorf gezeigt.

Diesen alten Gotteshäusern gemeinsam ist ihre Entstehungszeit um etwa 1200. Sie sind im romanischen Stil gebaut. Charakteristisch ist ein massiver, wehrhafter Turm ohne Eingang von außen, damit man ihn bei Gefahr als Zuflucht nutzen konnte. Daran schließt sich ein meist kleiner, schlichter Kirchenraum an, der allerdings im Laufe der Jahrhunderte oft baulich verändert wurde. Gegründet sind diese Kirchen vor der Reformation, also zu jener Zeit, als es nur die eine Kirche gab. Nach der Reformation wurden die alten Kirchen evangelisch, behielten aber die Namen der Patrone aus katholischer Zeit bei. Dass man in alter Zeit mit Selbstverständlichkeit fromm war, ist daran erkennbar, dass praktisch jedes Dorf – und sei es noch so klein – eine Kirche hat. Heute sind Christen hierzulande in der Minderheit. Aber bei den Dorfkirchen zeigt sich seit der Wende ein erstaunlicher Trend: Gerade Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben, betrachten ihre Dorfkirche als Heimat und als ein Stück von sich. Und sie tun das sehr praktisch, gründen Fördervereine, spenden Geld, helfen mit bei der Sanierung und bringen so zum Ausdruck: Das ist unsere Kirche in unserem Dorf – oder Stadtteil – und damit identifizieren wir uns. Dazu trägt bei, dass außer Gottesdiensten dort auch Konzerte, Lesungen und Ausstellungen stattfinden. Es sind hier also kleine, oft sehr lebendige Kulturzentren entstanden, wo sich Menschen treffen und Freude haben.

Das Schloss Plötzkau an der Saale

(Doris Franke).  Schon von weitem ist der imposante Bergfried des Plötzkauer Schlosses zu sehen. 158 Stufen auf einer steinernen Wendeltreppe muss der Besucher überwinden, um das Turmzimmer mit der Rittertafel (Bild) zu erreichen oder einen Blick in die ehemalige Gefängniszelle zu werfen.

Aber von hier oben hat man eine fantastische Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen über das Saaletal und den Auenwald. Bereits vor dem Jahr 1100 hat an der Stelle des jetzigen Schlosses eine mittelalterliche Burg gestanden. Die heutige Anlage geht aber auf ein Renaissanceschloss zurück, welches im 16. Jahrhundert gebaut wurde. Bis zum 30- jährigen Krieg erlebte das Schloss seine Blütezeit, 1611  wurde hier das kleinste Fürstentum Anhalts gegründet. Die Fürsten von Anhalt -Plötzkau unterhielten auf der nur 40 Quadratkilometer großen Gesamtfläche sogar eine eigene Armee. Sie prägten ihre Münzen und hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. 1665 wurde das Fürstentum mit Anhalt Köthen zum Fürstentum Anhalt-Köthen-Plötzkau, später mit Anhalt Bernburg zusammengelegt. Die Nutzung als repräsentative Fürstenresidenz endete zu Beginn des 18. Jahrhunderts. An den Tod von Graf Bernhard II. von Plötzkau im 12. Jahrhundert beim zweiten Kreuzzug  erinnert im Schlossturm ein 6 x 3 m großes Diorama mit über 2000 selbstgefertigten Zinnfiguren. Das riesige Schlachtgetümmel der Kreuzritter ist nicht nur für Kinder ein echter Hingucker. Der Heimatverein des Ortes zeigt in den alten Mauern des Schlosses noch andere interessante Ausstellungen. Die einmalige Sammlung von Modellen landwirtschaftlicher Maschinen der DDR im Maßstab 1:10, im „Grünen Zimmer“ die einheimische Tier- und Pflanzenwelt, Deutschland im Wandel der Zeit, viele Exponate und Werkzeuge von der Entwicklung der Landwirtschaft, Trachten, Keramiken und vieles mehr. Ein Besuch des ehemaligen Wohnschlosses mit seinen 21 Giebeln und seinen vielseitigen Ausstellungen in einer wunderschönen Umgebung ist eine Ausflugsreise wert.