Ginkgo – der Wunderbaum

(Doris Franke).  Der Ginkgo ist wohl der älteste Baum der Welt, denn schon die Dinosaurier haben seine Blätter gefressen, er ist ein lebendes Fossil. Er überlebte die Eiszeit und eroberte von Ostasien aus die ganze Welt, hauptsächlich aber ist er in China und Japan zu Hause. Vor 250 Jahren kam der Ginkgo nach Europa. Märchen und Sagen erzählten über ihn, auch Johann Wolfgang von Goethe hat er zu dem bekannten Gedicht „Ginkgo biloba“ inspiriert, er schickte einer Freundin ein Blatt als Symbol seiner Liebe. Jedes der zweigeteilten Blätter ist unterschiedlich, so wie auch wir Menschen.

Obwohl  im Herbst seine schönen gelben Blätter fallen, ist er kein gewöhnlicher Laubbaum, sondern gehört zu den Nadelhölzern.

Der Ginkgo ist robust, widerstandsfähig und resistent gegen Schädlinge, ein echter Überlebenskünstler. Ein Jahr nach der Atombombenkatastrophe in Hiroshima 1945 keimte aus einem etwa 800 m vom Zentrum der Explosion entfernt stehenden „toten“ Ginkgo ein neues Reis in der alten völlig verdorrten Wurzel. Heute wird dieses Ereignis als ein Symbol für das Leben, für das Überleben angesehen.

Seine wohl wichtigste Aufgabe erfüllt der Baum heute als Heilpflanze. Das lebende Fossil wird zu einem Blätterlieferanten in der Pharmaindustrie. Ginkgonüsse und Tees werden seit Jahrhunderten gegen Asthma, Husten und Nervosität eingesetzt, auch ist er wertvoll gegen Gedächtnisverlust und Beschwerden im Alter.

Foto: Franke

Magdeburg und der Weihnachtsstern

(Dr. Christl Korb).  Im Winter und besonders in der Weihnachtszeit schmückt der Weihnachtsstern bei uns nahezu jede Wohnung. Ihren Ursprung hat die Pflanze in den tropischen Laubwäldern Mexikos, Mittel-und Südamerikas. Alexander von Humboldt brachte sie 1804 erstmals nach Europa und 1828 nahm sie der amerikanische Botschafter in Mexiko in seine Heimat nach South Carolina mit. Sie erhielt 1836 den Namen „Poinsettia“. Unter diesem Namen wurde der Weihnachtsstern zunächst bekannt. Der Magdeburger Lehrer Albert Ecke, der  1902 mit seiner Familie nach Amerika ausgewandert war, baute um das Jahr 1911 auf seiner  Ranch in Hollywood auch Obst und Gemüse an. Als Pflanzenliebhaber zogen ihn die verwilderten Weihnachtssterne in den Bann. Er baute sie auf Feldern an und verkaufte die Zweige zunächst als Schnittblumen. Sein Sohn Paul vermarktete ihn schließlich als Weihnachtssymbol unter dem Namen Weihnachtsstern.

Im Ursprungsland Mexiko wird er als „Blume der heiligen Nacht“ bezeichnet. Die Wildpflanzen wurden zu Topfpflanzen kultiviert und  30 unterschiedliche Sorten gezüchtet. Stecklinge konnten so in die ganze Welt verschickt werden.

Denken Sie beim Anblick ihres Weihnachtssterns daran – eine Magdeburger Familie hat es ermöglicht, dass wir uns in ganz Europa an dieser Pflanze mit den farbigen Blättern erfreuen können.

Foto: Korb

Safran macht den Kuchen gel…

(Gert Sommerfeldt).   In meinem ersten Schullesebuch stand dieser Liedsatz. Damals konnte ich mir darunter nichts vorstellen, bis ich später in einem Gewürzladen stark duftenden Safran entdeckte. Dazu erfuhr ich, dass das Gewürz als „rotes Gold“ sehr teuer ist, da jährlich je Anbaugebiet nur 2-4 kg geerntet werden, weltweit bis 200 Tonnen.

Als Krokuszwiebel im Frühjahr eingebracht, blüht die Pflanze erst im Herbst auf. Die zwei violetten Blüten enthalten in 3 Narben verzweigende rote Safran-Fäden, die aromatisch duften und von Hand mit einer Pinzette herausgezogen, getrocknet und als anspruchsvolles Gewürz portioniert werden.

Die gesamte Ernte und Verarbeitung sind anstrengende Handarbeit. Für 1 kg Safran müssen bis zu 200.000 Blüten eingebracht werden. Ein Pflücker erntet und verarbeitet ca. 80 Gramm am Tag, die im Handel bis 25 € je Gramm angeboten werden.

Wenn sich beim Weihnachtsplätzchenbacken auch der Duft von Safran in der Wohnung verbreitet, fällt mir das alte Kinderlied: „Backe, backe Kuchen…“ wieder ein und ich denke nicht so an die mühsame Ernte davor.

Foto: Brosza

Der Schokoladenweihnachtsmann

(Dagmar Herricht).  Schokoladennikoläuse und -weihnachtsmänner gehören traditionell zur Advents- und Weihnachtszeit. Aber leider werden sie in den Supermärkten immer viel zu früh angeboten.

Die ersten aus massiver Schokolade gefertigten Nikolausfiguren im Bischofsornat mit Mitra und Stab entstanden um 1820. Etwa 20 Jahre später wurden sie erstmals in der heute gewohnten Form als Hohlkörper hergestellt.

Zur Herstellung wird flüssige Schokolade zwischen zwei Formen gebracht und im Schleudergussverfahren solange gedreht, bis sich die Schokolade gleichmäßig verteilt hat und erkaltet ist. In Deutschland werden jährlich etwa 150 Millionen Schokoladenweihnachts-männer hergestellt.

Schokoladennikoläuse nehmen einen geringeren Marktanteil ein, gehören jedoch für einige Süßwarenhersteller ebenso zum festen Sortiment.

Mittlerweile sind manche Produzenten dazu übergegangen, die Schokoladenweih-nachtsmänner und -nikoläuse aus den gleichen Gussformen herzustellen. Sie unterscheiden sich lediglich durch ihre Verpackung.

Genießen Sie den Anblick dieser kleinen Gesellen und irgendwann auch ihren Inhalt! Bei den Weihnachtsgeschenken sollte der Schokoladenweihnachtsmann natürlich auch nicht fehlen.

Foto: Brosza

Weihnachten früher

(Dagmar Herricht).  (Meine Erinnerungen an Weihnachten in den 1950er Jahren)

Weihnachten war schon immer eine aufregende Sache besonders für uns Kinder. Auch wir hatten viele kleine oder große Wünsche. Für die Eltern mussten Geschenke gebastelt werden, denn das Taschengeld war knapp oder nicht vorhanden. So versuchte meine Großmutter, mich mehr oder weniger erfolgreich zum Basteln zu überreden oder gar für Handarbeiten zu begeistern, weshalb ich meine Besuche bei ihr in der Vorweihnachtszeit drastisch reduzierte. Der 24.Dezember lief alle Jahre gleich ab! Meine Mutter beschenkte mich in unserer Wohnung. Danach ging es zu Fuß von der Friesenstraße zur Zackelbergstraße zur Großmutter und dem Rest der Familie. Auch mein Onkel Rolf war dabei, der in dieser Zeit im gleichen Haus lebte und am Magdeburger Theater arbeitete. Unserer Familie standen durch die Kriegsfolgen in Magdeburg nur zwei Zimmer und eine Küche zur Verfügung. Es war zwar sehr eng, aber schön warm! Die von den anderen Familienmitgliedern bei meiner Großmutter abgegebenen Geschenke hatte sie auf Tischen und Kommoden aufgebaut und mit Zeitungspapier abgedeckt. Niemand sollte die „Schätze“ vorher sehen. Ich fand jedoch immer in einem unbeobachteten Augenblick eine Gelegenheit, darunter zu schauen.

Als dann alle Personen versammelt waren, wurde das große Geheimnis gelöst und das Zeitungspapier entfernt. Eigentlich wäre Geschenkpapier schöner  gewesen! Aber solches Papier war damals sehr knapp!