Jubiläum: 50 Jahre Genealogie

(Gerda Bednarz).  Ich muss ja zugeben, dieses Wort hatte mich bisher wenig interessiert, ich wusste nur, dass es irgendwas mit Archiven zu tun haben muss. Bei der Festveranstaltung am 30.1.2019 im Literaturhaus erfuhr ich mehr darüber und lernte einige haupt- und ehrenamtliche Familienforscher kennen. Genealogie kommt aus dem griechischen und bedeutet Familienforschung, Ahnen- und Geschlechterkunde.

Die Arbeitsgemeinschaft Genealogie Magdeburg wurde nach Startschwierigkeiten im Januar 1969 als erste Organisation von Familienforschern im Kulturbund der DDR gegründet. Heute ist sie Teil des Kultur- und Heimatvereins Magdeburg e.V. und des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e.V.  Infolge des Missbrauchs der Ahnenforschung für den Rassenwahn der Nazis war man in der DDR anfangs misstrauisch. Zehn Jahre nach der Gründung wurde erstmals die Zeitschrift “Familienforschung HEUTE” herausgeben. Zum Jubiläum erschien Heft 32. Die Wendezeit war wieder schwierig, aber durch Mithilfe interessierter Kommunal- und Landespolitiker wurde die mühsam zusammengetragene Bibliothek schließlich im Literaturhaus aufgenommen. Jeden Mittwoch ab 16 Uhr bieten Vereinsmitglieder dort interessierten Bürgern ihre Hilfe und Beratung an. Große Verdienste der AG haben sich u.a. die Vorsitzenden Dr. habil. Ernst-Walter Paasch (1969-81), Annemarie Burchardt (1981-86) und Siegfried Reincke (1986-2018) erworben. Seit 2018 ist nun Ingo Schulz Leiter der AG, der durch seinen Stellvertreter Wolfgang Brandt wirkungsvoll unterstützt wird. Bei der Festveranstaltung hatte Werner Meister über die Geschichte der AG Genealogie referiert und Dr. phil. Ursula Föllner einen Festvortrag zu Onomastik (Namenkunde) und Genealogie gehalten. Umrahmt wurde alles von vier jungen Mädchen als Celloquartett “Tetrapack” vom Konservatorium – eine gelungene Veranstaltung. Ingo Schulz meint: “Für die Zukunft des Vereins bin ich optimistisch. Familienforschung boomt. Kommerzielle Anbieter werden auch in Zukunft den persönlichen Austausch nicht ersetzen können.”

Foto: Bednarz

Ostern – ein Fest des Lebens

(Dieter Müller).  Ein Hinweis aus unerwarteter Richtung: Im Russischen – wie gelernte DDR-Bürger wissen – heißt der Sonntag „Woskressenije“, zu deutsch „Auferstehung“. Dieser Name deutet an, dass man jeden Sonntag als ein kleines Osterfest feiern kann, denn Auferstehung ist der Kern von Ostern. Was geschah damals vor rund 2000 Jahren in Israel? Da verkündete ein junger Mann aus Nazareth: „Selig, die keine Gewalt anwenden.“ und „Tut Gutes denen, die euch hassen!“ Das stellte alles auf den Kopf, verärgerte die damals Herrschenden und brachte schließlich diesen Jesus ans Kreuz. Er aber blieb bis zum Tod der Gewaltlosigkeit treu. Gott hat nach christlichem Glauben diesen Weg gutgeheißen, indem er Jesus von den Toten erweckte. Das feiern Christen zu Ostern und freuen sich darüber, dass der Tod für alle Menschen nicht das letzte Wort hat. Volkstümlich drückt sich das in Bräuchen aus, die sich um das Fest ranken. So sind sowohl die Eier ein Zeichen des Lebens, wie auch die Hasen mit ihrer großen Fruchtbarkeit.

Und beim Osterspaziergang in die erwachende Natur erfreuen wir uns am neu erstandenen Leben. Übrigens hat sich die Gewaltlosigkeit, die bei vielen als weltfremd und schwach gilt, im Herbst 1989 als sehr kraftvoll und wirksam erwiesen.

Foto: Korb

Osterbräuche in Lettland

(Dr. Christl Korb).  Ostern ist ein Fest mit unterschiedlichen Traditionen. In vielen Ländern werden sowohl christliche als auch heidnische Osterbräuche begangen, so auch in Lettland.

Dort soll man schön werden und im Sommer vor Sonnenbrand und Sommersprossen geschützt sein, wenn man an einem der Ostertage das Gesicht vor Sonnenaufgang in einem Bach oder Fluss wäscht. Dazu soll es auch Glück im kommenden Jahr bringen, Voraussetzung ist allerdings, dass das Gewässer nach Osten fließt.

Weiterhin ist in Lettland das Osterschaukeln sehr beliebt. Auf den Schaukeln finden mehrere Menschen Platz. Sie erhoffen sich eine reiche Ernte und gutes Gedeihen für ihr Vieh. Dem Osterschaukeln wird aber auch nachgesagt, dass es vor Mückenstichen im Sommer schützt. Nach altem Glauben müssen nach dem Osterfest die Schaukeln verbrannt werden, damit sich keine Hexen darin vergnügen und eventuell Unheil verbreiten können. Die Mädchen und Frauen schenken den Jungen und Männern für das Anstoßen ihrer Schaukel Handschuhe und Socken oder Gebäck und Eier.

Wie in vielen Ländern werden auch in Lettland Eier gefärbt. Sie stehen für neues Leben und sind neben rundem Fladenbrot und gekeimten Getreide ein zum Osterfest gehörendes Lebensmittel.

Am besten, Sie stehen an einem Osterfeiertag früh auf, waschen sich das Gesicht im Bach und Sie werden schön oder bleiben es. Gibt es ein preiswerteres Schönheitsmittel?

Foto Müller

Erinnerungen mit Gisela Steineckert

(Gerda Bednarz).  Der Valentinstag hätte schöner nicht abschließen können. Die immer noch sehr beliebte Lyrikerin, Songschreiberin und Schriftstellerin Gisela Steineckert war bei uns in der Stadtbibliothek mit ihrem Programm “Meine Lieder sind Briefe an Dich” zu Gast. Rund 3.000 Liedtexte für Jürgen Walter und Dirk Michaelis, für Frank Schöbel, “Maschine” Dieter Birr und für viele andere Künstler hat sie geschrieben, darunter solch bekannten wie: „Als ich fortging“ oder „Weihnachten in Familie“, dazu ein halbes Hundert Bücher verfasst.

An diesem 14. Februar erzählte sie ein bisschen aus ihrem Leben, spielte uns einige ihrer schönsten Lieder vor und rezitierte sehr berührende Gedichte aus ihrem umfangreichen Werk. Begleitend dazu gab es eine Ausstellung von Mitgliedern der “Kritzelstube”, einem Kalligraphietreffpunkt schreibinteressierter Menschen in der Schönebecker Straße, die Texte von Gisela Steineckert als “Liederbriefe” ganz unterschiedlich kalligrafisch gestaltet und mit einem Grußtext von ihr im 3. Kalender der “Kritzelstube” zusammengestellt haben.

” MEINE  LIEDER SIND BRIEFE AN DICH – GESCHRIEBEN ODER GEDACHT – SO HAB ICH AUS LEBEN IMMER FÜR DICH LIEDERBRIEFE GEMACHT.”

Es war ein wunderbarer Abend und der anschauliche Beweis, dass man auch noch mit „87“ voller Schaffenskraft sein kann.

Foto: Bednarz

Advent für alle

(Dieter Müller).  Die Übersetzung lautet: Ankunft. Gemeint ist jene Zeit des Wartens auf Weihnachten, das Geburtstagsfest des Jesus von Nazareth. In ihm ist – nach christlichem Glauben – Gott selbst den Menschen nahegekommen, um ihnen Wegweisung und Hoffnung zu bringen. Konkret heißt das: Respekt gegenüber jedem Mitmenschen, Einsatz für Kranke, Trost für Sterbende und Hilfe für Notleidende, wie es dieser Jesus selbst vorgelebt hat. Viele Menschen haben sich in der Vergangenheit ebenfalls für diese Ziele eingesetzt und tun es auch heute. Dem entgegen läuft in der Geschichte allerdings ein Strang von Habgier, Hass, Aggression und Gewalt. Ehrlich sei gesagt: Die Grenze zwischen beidem geht mitten durch die Gesellschaft und auch durch jeden von uns.

Mit dem Christlichen haben es hier im Osten Deutschlands die meisten Menschen nicht mehr so. Geblieben ist aber doch die Sehnsucht eigentlich aller nach einem guten Weg in die Zukunft für das persönliche Leben, für unsere Gesellschaft, ja für die ganze Menschheit. Deshalb treffen sich hier die Anliegen aller Menschen „mit Herz“. Ob nun mit oder ohne christlichen Hintergrund haben viele den adventlichen Wunsch, dass ein menschen-freundliches, friedliches und solidarisches Miteinander die Oberhand gewinnt und behält. Das soll der grüne Kranz ausdrücken mit dem zunehmenden Licht der vier Kerzen.

Foto: Müller