Osterbräuche

(Dr. Christl Korb). Das Osterfest wird auf der ganzen Welt gefeiert. Die Bräuche sind allerdings regional sehr unterschiedlich.

Das Osterreiten in der Oberlausitz

Das Osterreiten ist ein alter sorbischer Brauch in der katholischen Oberlausitz. Ursprünglich war es ein heidnisches Fest. Im Frühjahr ritten die heidnischen Slawen um ihre Felder, um die Geister des Winters zu vertreiben und gleichzeitig um eine gute Ernte zu bitten. Nach der Christianisierung der Elbslawen erhielt das Osterreiten eine neue Bedeutung. Es wird die Botschaft vom Auferstehen Jesus Christus in die Nachbargemeinden getragen. Im Jahr 1541 wurde erstmalig das Osterreiten erwähnt.

Am Ostersonntag werden die Pferde geschmückt, die Mähnen geflochten, der Schweif mit einer gestickten Schleife versehen. Auch die Geschirre der Pferde sind besonders verziert. Die Reiter selbst tragen Frack und Zylinder und führen kostbare Fahnen der Kirchengemeinde mit sich. Die katholischen Männer einer Gemeinde reiten in die Nachbargemeinde. Dabei kann ein Prozessionszug aus über 100 Reitern bestehen. Vor dem Beginn der Prozession und in der Zielgemeinde werden Reiter und Tiere gesegnet. Während des Osterreitens dürfen sich die einzelnen Prozessionszüge nicht begegnen oder kreuzen, dies bringt Unglück.

Viele Menschen besuchen jedes Jahr dieses Fest.

Bild: Werner Richter

Der Star – Vogel des Jahres

(Gert Sommerfeldt).  Nun ist er wieder da und bekleckert wie im letzten Jahr mein Fensterbrett. Wo er wohl den Winter verbracht hat? Leider hat der Bestand des Stars in den letzten Jahrzenten stark abgenommen, weil es ihm zunehmend an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung fehlt. Mittlerweile steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde der Star als Vogel des Jahres 2018 gekürt.

Im Frühjahr ist das Starenmännchen zu erkennen am metallisch glänzenden Gefieder, helle Punkte zieren hingegen das Kleid des Weibchens. Der Star gilt als Multitalent und Flugkünstler. Zu bewundern ist das, wenn riesige Schwärme am abendlichen Himmel ihre Schlafplätze ansteuern. Man sagt, er sei keck, gewitzt und voller Ideen. So hat er sich den städtischen Raum erobert und wurde heimisch durch den Klimawandel.

Bildquelle: NABU; Foto: Georg Dorff

„Auf dem Holzweg sein“

(Gert Sommerfeldt).  Nach den kalten Wintertagen sind viele Wandergruppen unterwegs, um gemeinsam die Freizeit zu gestalten, die Natur zu erkunden oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Im Harz durchstreifen manche den dichteren Wald auf Wanderwegen, die oftmals nur ausgetretene Pfade sind. Da nimmt man den Geruch von frisch geschlagenen Bäumen und Astwerk wahr, die dem Sturm Friederike nicht wiederstehen konnten und nun gefällt zur Abfuhr bereit liegen. An großen zugeschnittenen Holzstapeln endet dann oft der Pfad, der einen Wendeplatz für die Holzabfuhr darstellt und nur für die Bewirtschaftung des Waldes genutzt wird.

Wer hier ankommt, war damit auf dem Holzweg, kann einiges von den Forstleuten erfahren über die einst schwere Arbeit der Holzfäller, die mit Handsäge und Pferden den Holzeinschlag durchführten. Wer nun auf so einem Holzweg wandert, wird kaum sein Ziel erreichen und muss umkehren.

Foto: Sommerfeldt

Redewendungen

„Den Kürzeren ziehen“

(Gert Sommerfeldt):  Sie liebt mich – oder sie liebt mich nicht, ist ein Abzählreim, der nicht nur unter Kindern und Jugendlichen spielerisch hinterfragt wird. Auch Erwachsene finden es spannend, wenn sie einen unerfüllten Wunsch oder eine strittige Gegebenheit unausgesprochen lösen wollen. Sie erwarten nun ein sichtbares Ergebnis nach dem einzelnen Abblättern eines mehrfach gefiederten Blattes oder einer Blüte. Das macht Spaß, ist aber nur ein Gaudi, denn ist das Ergebnis nicht so nach eigenem Wunsch ausgefallen, kann der nächste Versuch hoffentlich besser ausfallen. Diese Methode, die Lösung einer schwierigen Situation dem Zufall zu überlassen, wurde auch im Mittelalter bis in die Zeit des Schöffenstuhls in Magdeburg angewendet. Wenn es zu schwierigen Rechtsfragen unterschiedliche Auslegungen gab, dann musste das Los entscheiden: Von zwei verdeckt vorgelegten Stäbchen war eins kürzer. Wer es zog hatte damit in der strittigen Angelegenheit verloren. Das Ergebnis wurde dann gerichtlich beurkundet und galt gleichzeitig auch als Gottesurteil, war damit unanfechtbar. In unserer Zeit wird meist eine Entscheidung in lustiger Runde am Biertisch mit Streichhölzern vollzogen. Der Verlierer zahlt die Runde, weil er eben den „Kürzeren gezogen“ hat.

Zeitumstellung – Sinn oder Unsinn

(Dagmar Herricht).  In jedem Jahr haben wir das „Vergnügen“, alle unsere Uhren um eine Stunde vor- und dann wieder zurückstellen zu müssen. Über Sinn oder Unsinn einer Zeitumstellung wurde schon seit 1874 diskutiert. Benjamin Franklin warb zum Beispiel wegen der Kosten für die Kerzen für eine Zeitumstellung. 1916 wurden erste Versuche mit der Sommerzeit in Deutschland gestartet und während der Weimarer Republik wieder beendet. Im 2.Weltkrieg führte man die Umstellung wieder ein, um mehr Tageszeit für die Rüstungsproduktion nutzen zu können. Von 1950 bis 1979 galt wieder die Normalzeit. Erst durch die Ölkrise 1973 kam das Thema wieder auf die Tagesordnung. 1980 wurde die Sommerzeit aus energiepolitischen Gründen in ganz Deutschland eingeführt. Seit 1996 gilt für die Mitglieder des europäischen Wirtschaftsraumes eine einheitliche Regelung zur Zeitumstellung. Es ist bisher nicht nachgewiesen, dass diese Zeitverschiebung wirklich eine Energie-Ersparnis bringt. Zudem leiden viele Menschen infolge der Umstellung an Schlafstörungen. Auch Tiere haben nachgewiesenermaßen Anpassungsprobleme. In der Europäischen Union wird inzwischen über die Abschaffung der Zeitumstellung ernsthaft diskutiert.