Paul Niemeyer

(Dieter Müller).  Im Rotehornpark ist ein Weg nach ihm benannt und einen Gedenkstein mit knapper Auskunft finden wir an der Südspitze der Insel.

Wer war dieser Mann? Paul Niemeyer (1827-1901) hat zunächst Gärtner gelernt und ließ sich dann in Potsdam von dem großen Peter Joseph Lenné zum Landschaftsgärtner weiterbilden. Der vermittelte ihn zu Fürst Pückler in Muskau. Als Niemeyer bei Studienreisen im Ausland den damaligen Magdeburger Oberbürgermeister Friedrich Böttcher kennenlernte, bat der ihn, Aufgaben in Magdeburg zu übernehmen. So wurde Niemeyer zunächst 1863 Inspektor für den Klosterbergegarten, den Vogelgesangpark und den Herrenkrugpark, war dann ab 1878 städtischer Gartendirektor. Er wandelte das Glacis zum Promenadenpark um, gestaltete den Südfriedhof und schließlich die 25 Hektar große Rotehorninsel. Bis zum Eintritt in den Ruhestand wirkte Paul Niemeyer hier in Magdeburg. Wir erfreuen uns auch jetzt noch an den Arbeiten dieses bedeutenden Landschaftsgärtners.

Foto: Müller

Der Lebensretter Reinhardt Bake

(Dieter Müller).  Im Mai 1631 im Dreißigjährigen Krieg  wurde der damalige Domprediger Reinhardt Bake zum Lebensretter für viele Magdeburger. Als die Truppen des kaiserlichen Heeres unter Tilly die Stadt erstürmten, suchten 4000 Einwohner Schutz im Dom. Draußen brannte die Stadt und es tobte ein entsetzliches Massaker. Als Heerführer Tilly vor der zunächst verriegelten Paradiespforte stand, öffnete Reinhardt Bake das Tor, fiel auf die Knie und bat um das Leben der 4000. Tilly erwies Gnade. Magdeburg aber – vorher eine reiche, wirtschaftlich aktive und geistig lebendige Stadt, genannt „unsers Herrgotts Kanzlei“ – war zerstört, seine Bewohner größtenteils ermordet. Bake zog nach diesen Ereignissen nach Grimma und trat auch dort – es war ja immer noch Krieg – vermittelnd gegenüber Heerführern auf und rettete so Grimma vor der Zerstörung. Ab 1640 war er wieder Domprediger in Magdeburg. Reinhardt Bake, geboren 1587 in Magdeburg, starb auch hier im Jahre 1657. Er ist im Dom beigesetzt.

Ein Epitaph erinnert an diesen verdienstvollen und mutigen Mann. Seine Stadt Magdeburg ehrt ihn mit einer Straße in Stadtfeld. Übrigens: Als im Herbst 1989 einige Tausend Magdeburger in brisanter politischer Situation wiederum den Dom als schützenden Raum nutzten, da konnte man sich erinnert fühlen an Bake und die 4000.

 Foto: Müller

Die Reformpädagogin Klara Hanewald-Sträter

(Dagmar Herricht).  Lehrer sollen ihre Persönlichkeit einsetzen und niemals gezwungen werden, eine Überzeugung zu heucheln. Ebenso sollen sie gegenüber Kindern tolerant sein und sie als eigenständige Persönlichkeiten ernst nehmen. Diese von dem Berliner Schulreformer Berthold Otto zu Beginn des 20. Jahrhunderts vertretenen – und zur damaligen Zeit revolutionären – Grundsätze prägten entscheidend das Leben der Magdeburger Reformpädagogin Klara Hanewald-Sträter. Geboren wurde sie 1888 in Magdeburg als Tochter des Lehrers Edmund Sträter. Sie besuchte  die erste Magdeburger Abiturklasse für Mädchen, die ihr Vater eingerichtet hatte und absolvierte anschließend ein Lehrerstudium in Gießen und Jena. Ihre ersten Jahre als Lehrerin verbrachte sie an einer Versuchsschule 1914/15 in Berlin. Hier gab sie eine eigene Zeitschrift mit dem Titel „Der Hauslehrer“ heraus. Nachdem Klara Sträter das Staatsexamen abgelegt hatte, kam sie nach Magdeburg zurück und heiratete hier den sechs Jahre älteren Lehrer Richard Hanewald. Beide waren angetan von den Ideen Berthold Ottos und erprobten und praktizierten auch in Magdeburg modernere Schulreformen.  Richard Hanewald tat dies von 1916 bis 1924 an der Magdeburger „Luisenschule“ in der Leiterstraße und danach als Leiter der höheren Reformschule (ab 1930 Berthold-Otto-Schule) am Sedanring, dem heutigen Westring. Uns Magdeburgern ist die Schule auch als ehemalige Kinder- und Jugend-Sportschule bekannt.

Seine Frau Klara war an der Gründung dieser ersten Reformschule maßgeblich beteiligt. Ebenso war sie Mitbegründerin und aktives Mitglied des Bertold-Otto-Vereins. Ab 1926 richtete sie in ihrer Wohnung eine genehmigte „Familienschule“ ein und wendete auch hier die Methoden nach den Prinzipien von Berthold Otto an. Mit ihrer Arbeit hat Klara Hanewald-Sträter für viele Jahre ein modernes und außergewöhnliches Schulsystem in Magdeburg durchgesetzt und zur Anwendung gebracht. Sie starb 1934 in ihrer Heimatstadt.

 Bildquelle: uni-magdeburg.de;  Reinhard Bergner

Der „Wassermaxe“ aus Magdeburg

(Dagmar Herricht).  Der „Wassermaxe“ Max Paul Wilhelm Görnemann war zu seiner Zeit ein bekannter Magdeburger Kaufmann. Geboren wurde der Sohn eines Lehrers 1856 in dem heutigen Magdeburger Stadtteil Cracau. Nach Schule und kaufmännischer Lehre diente er zunächst als Freiwilliger in der preußischen Armee. 1890 eröffnete er sein erstes Einzelhandelsgeschäft. In wenigen Jahren konnte er deren Anzahl in und um Magdeburg auf stolze 44 vermehren. Neu war, dass er zu deren Belieferung einen eigenen Großhandel einrichtete. Seinen Beinamen „Wassermaxe“ erhielt er, weil er sich als Mitglied der Magdeburger Stadtverordnetenversammlung (1899 bis 1919) und deren stellvertretender Vorsitzender (1909 bis 1915) erfolgreich für den Bau des Wasserwerkes in der Colbitzer-Letzlinger Heide einsetzte. Dadurch stand den Magdeburgern ab 1932 ein wesentlich besseres Trinkwasser zur Verfügung. Wilhelm Görnemann konnte dies leider nicht mehr erleben. Er verstarb am 31.7.1928.

Karl Friedrich Friesen – Kämpfer im Freikorps

(Gert Sommerfeldt).  Eine bronzene Büste auf einem Marmorsockel, von dem Magdeburger Bildhauer Ernst Habs 1893 geschaffen erinnert in der Hegelstr. an Karl Friedrich Friesen (1784 – 1814).

Er war Mitbegründer der deutschen Turnkunst, Pädagoge und Mitglied des geheimen Deutschen Bundes und kämpfte an der Seite von Theodor Körner in der Lützower Schar gegen die Fremdherrschaft von Napoleon in den Kriegen 1806 -1809. Nach dem Schulbesuch in Magdeburg wurde er in die Berline Bauakademie aufgenommen und in die Landvermessung eingewiesen. Sportlich interessiert,  gründete Friesen die Fechtbodengesellschaft, die den Mitgliedern die Gelegenheit bot, nach dem Sport verdeckt die politische Diskussion zu führen und fortschrittliche Ideen gegen die Fremdherrschaft zu entwickeln. Nach der Begegnung mit Turnvater Jahn sollte eine sittliche Erneuerung im Land erfolgen mit dem Ziel einer bewaffneten Erhebung. Neben ihren sportlichen Aktivitäten gehörte  auch die Anlage von Turnplätzen und Schwimmschulen in Berlin. Mit der Aufnahme in die Freikorps kämpfte er an der Seite von Ferdinand Schill als Kundschafter Im Raum Magdeburg, sowie Theodor Körner und Freischärler Freiherr von Lützow für die Befreiung des Vaterlandes. In den Ardennen 1814 gefallen und verscharrt, konnte ihm erst nach Umbettung 1843 ein Ehrengrab errichtet werden auf dem Invaliden-Friedhof in Berlin an der Seite des Heeresreformers Scharnhorst. Die Portrait-Büste von Friesen wurde im spätklassizistischen Stil gestaltet. Drei Bildtafeln zeigen Szenen des Freiheitskampfes in der Zeit der Vorbereitung und Durchführung, sowie als Pädagoge.

Foto: Sommerfeldt