Stadtschreiberin Nr. 6

(Gerda Bednarz).  Wie ihre Vorgänger/innen absolvierte auch Nellja Veremej ihre Antrittsvorstellung als Magdeburger Stadtschreiberin 2018 im „Forum Gestaltung” in der Brandenburger Straße. Die gebürtige Russin ist im Kaukasus bei den Großeltern aufgewachsen und  studierte in Leningrad Philologie. Sie lebt seit 1994 in Berlin, arbeitete als Altenpflegerin, Russischlehrerin und Journalistin, ehe sie ihren ersten Roman „Berlin liegt im Osten” schrieb. Für diese Arbeit bekam sie viel Lob und 2014 sogar den Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis. Einige Ausschnitte hat sie uns daraus vorgelesen. Sie erzählt darin in der Ich-Form viel aus ihrem Leben und aus dem ihrer betreuten Klienten sehr anschaulich, detailgetreu und mit oft überraschend bildhaften Erklärungen. Es ist keine Autobiografie, aber die Lebensgeschichten sind eben manchmal miteinander verwoben und geben einen historischen Überblick über vier Generationen in Berlin, im Kaukasus und anderswo.

In Magdeburg will sie die Stadtgeschichte der Landeshauptstadt näher kennenlernen. Das 10. Jahrhundert mit seinen Ottonen interessiert sie sehr. Was daraus entsteht, müssen wir ihrer literarischen Gestaltungskraft überlassen. Sie hat da völlig freie Hand, aber wir dürfen gespannt sein.

Bild: Veremej; Foto: Bednarz

Schattenwand

(Gert Sommerfeldt).  Ein breitgefächertes farbiges Strahlenbündel an der Hauswand der Jakobstraße 34 leuchtet nach Einbruch der Dunkelheit und zieht die Blicke der Vorübergehenden auf sich. Es ist eine Lichtinstallation des französischen Künstlers Yves Charnay, der bereits in seinem Heimatland derartige Blickpunkte schuf.

Bei uns ließ er drei farbige Lichtquellen in weiß,  grün und blau sowie Lamellen an die Hauswand bringen. Unsere Erfahrung ist, dass in einen Lichtstrahl eingebrachte Elemente einen grauen bis schwarzen Schatten werfen. Werden jedoch farbig abgestufte Farbstrahler eingesetzt, kommt es zu einer Reflektion und die Streifen erstrahlen in der komplementären Farbe. Das kann man überall dort sehen, wo verschiedenfarbige Lichtquellen einen Gegenstand beleuchten, so in Schaufenstern von Geschäften.

Sehr anschaulich im Großformat an der Hauswand der Jakobstraße angebracht, könnte die nächste Installation als optisches Phänomen auf dem Gelände der Uni installiert werden. Bereits Otto von Guericke wies in seinem Experiment im 17. Jhd. nach, dass der Schatten eines Gegenstandes bei unterschiedlichen Lichtquellen farbig empfunden wird, so wie es heute schon als Installation zu sehen ist.

Foto:  Sommerfeldt

 

Mit Schirmer, Charme und Melone

(Gerda Bednarz).  In der Magdeburger „Zwickmühle” gab es wieder prominenten Besuch. Lothar Schirmer hatte den ersten Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes, der der Partei DIE LINKE angehört, Bodo Ramelow, als Gast eingeladen – die Mühle war voll.

Der gebürtige Niedersachse kam schon 1990 nach Thüringen, um als parteiloser  Gewerkschaftsfunktionär beim Aufbau der ostdeutschen Gewerkschaften (HBV – Ver.di) zu helfen. Er muss seine Arbeit wohl gut gemacht haben, denn 1999 setzte ihn die PDS auf die Landesliste, er kam in den Thüringer Landtag, 2005 in den Bundestag, 2009 wieder in den Landtag und wurde am 5. Dez. 2014 zum Ministerpräsidenten gewählt. Ramelow ist bekennender protestantischer Christ, alle seine Verwandten sind CDU-Anhänger. Und eigentlich sollte er ja Pfarrer oder Bäcker werden. Freimütig erzählte er von seiner Legasthenie, die als Kind nicht erkannt wurde und von seinen anfänglichen Schwierigkeiten im Beruf. Aber er konnte vieles nachholen und wurde Gewerkschaftssekretär in Hessen. Dann kam die Wende. Ramelow hatte die ehemalige DDR aufgrund von Verwandtenbesuchen in der Altmark (sein Vater stammt aus der Nähe von Salzwedel) bereits etwas kennengelernt. Vieles wusste er auch nicht und findet schade, dass man von bewährten Systemen wie acht Jahre gemeinsames Lernen in der Schule vor dem Gymnasium, professionelle Bildung in Kindergärten, die Polikliniken oder “Schwester Agnes” nichts übernehmen wollte. Im April 1999 wurde Ramelow Mitglied der PDS/ DIE LINKE und blieb trotzdem ein überzeugter Christ, von denen es eine starke Gruppe bei den LINKEN gibt, wie er sagt. Einer der unbedingt dazugehören könnte, wäre seiner Meinung nach Papst Franziskus, von dem er regelrecht begeistert war, als dieser ihm eine Audienz gewährte. Über 2.000 Jahre gibt es das Christentum, Gott ist für ihn eine Instanz ohne Körperlichkeit, und die Menschen suchen damals wie heute Schutz in  Kirchen. Ramelow sprach aber auch vom Arbeitskampf in Bischofferode, bei dem er als Vermittler agiert hat und vom vorbildlichen Beistand der Ökumene im Gegensatz zur “kalten Fratze des Kapitalismus, der die Kumpel West gegen Ost aufgehetzt hat”. Er hat den “Glauben an Gottes Bodenpersonal damals wiedergefunden”, sagte er. Als er Ministerpräsident wurde, haben einige geunkt, dass “das Kapital übern Rennsteig flüchten würde”, erzählte er. Inzwischen ist davon keine Rede mehr, Thüringen steht gut da, hat die niedrigste Quote der ostdeutschen Länder (6,2%) in der Arbeitslosigkeit, hat mehrere börsennotierte Unternehmen im Land und leistet Beispielhaftes auf dem sozialen Sektor. Von Privatisierung hält er nicht viel, er möchte wichtige Objekte lieber verstaatlichen, z. B. Schloss Reinhardsbrunn, und möchte das Genossenschaftswesen auf dem Wohnungs- und Energiemarkt fördern. Er setzt sich für gerechtere Steuerpolitik ein und will, dass der “Kalte Krieg” gesamtdeutsch aufgearbeitet wird, dass der Verfassungsschutz nicht nur Informationen sammelt sondern auch liefert. Er bekennt, dass er durch die ehemalige DDR viel gelernt hat, besonders die selbstbewussten gebildeten Frauen haben ihm imponiert. Stefan Heym hat ihn seinerzeit motiviert, hier zu bleiben, und er hat noch große Pläne. Er will die Biathlon-Weltmeisterschaften 2023 nach Oberhof holen und auch die Rodel-WM, wenn´s möglich ist. Er kommt mit Merkel klar, wird im Bundesrat voll akzeptiert und ist ein guter  Verhandlungspartner – hart an der Sache bleiben – im Umgang aber immer verbindlich sein – der Abend hätte noch viel länger dauern können!

Foto: Bednarz

Auf ein Neues!

(Dieter Müller).  Wieder drehen sich Kräne östlich des Magdeburger Breiten Weges. Es ist doch erstaunlich, dass ich während meiner Lebenszeit schon den zweiten Baustart auf derselben Fläche erlebe. In meinem Archiv fand sich ein Foto, das den Bau der weißgekachelten Wohnblöcke am Beginn der 60er Jahre zeigt, damals an der Karl-Marx-Straße.

Diese Bauten standen nur ein halbes Jahrhundert. Nach deren Abriss war es wiederum erstaunlich, wie schnell ein solches Gebiet von der Vegetation zurückerobert wird, so dass inmitten der Stadt eine Art von Savanne entstand. Die hat sich nun verabschiedet. Jetzt blickt unser guter alter Dom erneut und wohl etwas erstaunt wieder auf Kräne, die sich wie ein Ballett im Reigen drehen und eine neue Bebauung entstehen lassen. Vielleicht hält sich die etwas länger.

 Foto: Müller

Drachentanz beim chinesischen Frühlingsfest

(Gerda Bednarz).  Wie passt das alles zusammen? Der Verein der chinesischen Wissenschaftler und Studenten  hatte gemeinsam mit vielen Unterstützern zu einer Programm-Gala eingeladen, um das wichtigste chinesische Fest zum Beginn des traditionellen „Jahr des Hundes” zu feiern. Die Kung-Fu-Gruppe aus Wolfsburg eröffnete mit ihrem Löwentanz den Glückwunschreigen. Unter den hochrangigen Gästen ein chinesischer Botschaftsrat aus Berlin, die Prorektorin für Forschung der Uni Magdeburg, der Wirtschaftsbeigeordnete der Landeshauptstadt und weitere Vertreter aus Wirtschaft, Lehre und Politik. Die Uni-Professorin betonte bei ihrer Begrüßungsrede die Wichtigkeit der ausländischen Studenten und die Kooperation der Forschung mit vielen chinesischen Partneruniversitäten, und sie bat die Magdeburger weiterhin um freundliches Entgegenkommen den Studenten gegenüber. Auch der Wirtschaftsbeigeordnete unterstrich die langjährige Zusammenarbeit mit der chinesischen Partnerstadt Harbin und die entstandenen Netzwerke. Darüber war auch der Chinesische Botschaftsrat sehr erfreut, der besonders für so viel Engagement, die freundliche Atmosphäre und die bestehenden Handelsbeziehungen dankte.

Das Programm war sehr abwechslungsreich, Drachentanz und Tai-Chi-Übungen, Solo-Auftritte und traditionelle Instrumentalmusik, eine humoristische deutsche Performance und brasilianischer Kampftanz –  es war bunt und laut und wunderschön. Zwischendurch aber auch die Frage: Warum eigentlich Weihnachten? Dazu sprach mit begleitenden Bildern der Diakon Wolfgang Gerlich. Er berichtete von seiner jahrelangen Zusammenarbeit mit dem „Dialog der Generationen” und ihrem Projekt „Willkommen in Magdeburg”, bei dem deutsche Gasteltern und ausländische Studenten in seiner Norbertusgemeinde immer am 1. Advent  mit Plätzchenbacken und Weihnachtsliedersingen, mit Orgelspiel und Kirchenbesichtigung ein Stück deutsche Kultur kennen lernen und sich weit weg von ihrer Heimat etwas geborgen fühlen. Dafür sind besonders die chinesischen Studenten sehr dankbar, da sich die meisten einen Heimflug nicht so oft leisten können. Zaubershow  und Gewinnspiele, Gedichte, Tänze und immer wieder Lieder,  die Gala war noch lang……..