Erinnerungen an den 16. Januar

(Dieter Müller).  Bei meinem ersten Blick auf Magdeburg im Jahre 1947 sah ich durch die hohlen Fenster des Hauptbahnhofs nur eine große und weite Trümmerfläche, aus der einzelne Ruinenstümpfe herausragten. Das Stadtzentrum war ausgelöscht. Ich erfuhr, dass dies das Ergebnis des Luftangriffs vom 16. Januar 1945 war. Und diese Katastrophe war wiederum die schlimme Folge von Hitlers verbrecherischem Krieg.

Seither gedenken die Magdeburger der Zerstörung ihrer Stadt, lassen durch Berichte von Überlebenden die Ereignisse jenes Abends im Januar 1945 wieder ins Bewusstsein treten und nehmen das Datum zum Anlass, um auf die ja keineswegs selbstverständliche Erhaltung des Friedens hinzuweisen. Die Kirchen tragen dieses Anliegen mit durch Friedensgebete und das alljährliche Gedenken am Barlach-Mahnmal im Dom. In der Stunde des Angriffs läuten die Glocken der Stadt. An der von Heinrich Apel geschaffenen Tür der Johanniskirche findet man ein Relief des  brennenden Magdeburg. Nun aber ist seit einiger Zeit mit Erschrecken zu bemerken, dass die Nachfolger gerade jener Leute, die den Krieg verursacht haben, diesen Termin für ihre Propaganda missbrauchen. Dem sollten und können wir entgegentreten und uns für ein weltoffenes Magdeburg einsetzen unter dem Motto „Eine Stadt für alle“.

Bildquelle: Stadtplanungsamt

Zwei Jubiläen

(Gerda Bednarz).  Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. 2019 feiern wir den 100. Gründungstag des Bauhauses vor allem in Weimar, Dessau und Berlin. Magdeburg wurde bisher immer etwas unterschätzt. Dabei hat es hier viel eher angefangen mit dem neuen Bauen, mit der Magdeburger Moderne. Am 7. Januar 1909 brachte der Magdeburger Generalanzeiger eine Notiz über die Gründung der Gartenstadt-Kolonie Reform. Damit feiern die „Reformer” in diesem Jahr bereits ihr 110jähriges Gründungsjubiläum. Das starke Bevölkerungswachstum infolge des gewaltigen Aufschwungs der Industrie hatte zu Beginn des 20. Jh. eine große Wohnungsnot verursacht. Viele wollten aber nicht nur in Mietskasernen und Elendsvierteln hausen. Und so gründeten 19 Arbeiter die Gartenstadt-Kolonie Reform, die als eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in das Genossenschaftsregister des Königlichen Amtsgerichts Magdeburg unter Nr. 62 vermerkt wurde.

Der Anfang war schwer, man brauchte Geld, um Bauland zu kaufen, Baupläne zu erarbeiten, Material zu beschaffen, Brunnen zu bauen … Erst 2 1/2 Jahre später konnte man mit dem Bau beginnen, und im März 1912 zogen die ersten Mieter in den Block „Verlorener Grundstein” ein. Nach einem Hilfeersuchen der Genossenschaft an die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft kam Bruno Taut nach Magdeburg und übernahm die Bauleitung mit 4 Typen neuer Pläne von 47 bis 72 qm pro Wohnung, kleinem Stall und ca. 200 qm Gartenfläche. So konnten  sich die Bewohner z.T. selbst versorgen und hatten lt. Taut einen schönen luftigen „Außenwohnraum”.

Die Wohnungen sind heute noch begehrt, wurden und werden saniert oder umgebaut, ohne den äußeren Charakter zu verändern. 1980 wurde die Gartenstadt-Kolonie als Ensemble des Städtebaus auf die Denkmalliste der Stadt Magdeburg gesetzt und ist damit als Kulturdenkmal zu schützen und zu erhalten.

Fotos: Bednarz

Spannende Einblicke

Der Elbe-Pegel

(Dieter Müller).  Da kommen Mütter mit Kinderwagen, Radfahrer steigen kurz ab, greifen zu Kamera oder Smartphone und machen Fotos vom Pegelstand unseres Flusses. Als wir neulich dort waren, machte gerade ein Mitarbeiter seinen Kontrollgang. Meine Frau sprach ihn an und wir hörten erfreut sein Angebot: „Wenn Sie etwas Zeit haben, zeige ich Ihnen gern die Anlage.“ Und so durften wir den inneren Bereich des Pegels betreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dort gibt es drei voneinander unabhängige Messgeräte. Zum einen wird der Wasserstand angezeigt von einem Schwimmer in einem Brunnen, der mit der Elbe verbunden ist. Ein Draht überträgt den Wert an ein elektronisches Gerät, das dann die große Anzeigetafel steuert. Ein weiteres Messgerät besteht aus einem tief in die Elbe ragenden Rohr, von dem aus der Druck der darüber liegenden Wassersäule gemessen wird, woraus sich auf den Wasserstand schließen lässt. Hinzu kommt noch ein weiteres Druckmessgerät. Und das alles wird dann in einem kleinen Raum elektronisch registriert und weitergemeldet. Im Außenbereich gibt es auch noch verschiedene Pegel. Der älteste besteht aus eingemeißelten Rillen in der Ufermauer, ein weiterer aus schön gestalteten Emaillekacheln, und schließlich gibt es dort auch die bekannten gelb-schwarzen Latten.

Hier in Magdeburg wird seit 1721 der Wasserstand der Elbe gemessen. Noch Anfang Dezember 2018 zeigte die Tafel nur 56 Zentimeter. Der Wasserstand hatte sich bis dahin vom dramatischen Sommertief von 45 Zentimetern noch nicht wesentlich erholt. Der Klimawandel mit seinen Extremwetterlagen ist also in vollem Gang. Inzwischen beginnt Regen den Pegelstand zu normalisieren, so dass endlich auf der Elbe wieder Schiffe fahren können.

Fotos: Müller

Und Weihnachten mal ins Museum!

 

  (Gerda Bednarz)  Ein Besuch in einem unserer schönen Museen oder einer Ausstellung gemeinsam mit Ihren Kindern, Enkeln oder Freunden ist nach dem vorweihnachtlichen Stress sicher ein schönes Erlebnis. Das neue Dommuseum Ottonianum zum Beispiel mit seinen ganz neu arrangierten Ausgrabungs- und Erinnerungsstücken an Kaiser Otto und Königin Editha und die Zeit vor mehr als tausend Jahren lädt seit Anfang November ein. Oder sie gehen mal in den IBA-Shop im ehemaligen Intershop in der WOBAU-Welle.

Da kann man auch Magdeburger Geschichte erleben und z. Zt. besonders die Magdeburger Moderne in den 20er, 30er Jahre in ihrer großen Vielfalt des Siedlungsbaus, die Umsetzung des heutigen Stadtentwicklungskonzeptes an und mit der Elbe betrachten und die eingereichten Vorschläge zur Bebauung des Prämonstratenserberges ansehen. Sehr interessant sind auch zwei Sonderausstellungen im Kulturhistorischen Museum. Die Ausstellung „Bilder gehen um die Welt” ist noch bis zum 20. Januar 2019 zu betrachten. Sie  vermittelt laut Kuratorin Dr. Karin Kanter einen umfassenden Einblick in „wahre Schätze der Magdeburger Kunst- Gewerbe- und Mediengeschichte”.

Außerdem ist seit 23. November 2018 die Ausstellung  „Mechanische Tierwelt” von 1900 bis ca. 1970 mit viel farbenfreudigem Blechspielzeug, das es heute kaum noch gibt, zu sehen. Auch Kunst- und Technikmuseum haben Interessantes zu bieten. Lassen Sie sich einfach überraschen!

 Fotos: Bednarz

Gesundheitsvorsorge

(Gerda Bednarz).  Schon zum 19. Mal hatte das Tumorzentrum Magdeburg/Sachsen-Anhalt e.V. zu einem Familien-Infotag „Aktiv gegen Krebs” in die Johanniskirche eingeladen.

Die Sozialministerin Petra Grimm-Benne als Schirmherrin und Prof. Dr. med. Thomas Fischer vom Tumorzentrum begrüßten die Gäste und wiesen auf Krebs als die zweithäufigste Todesursache in Deutschland hin. Die wichtigsten Anliegen sind Vorsorge und Früherkennung, um effektiv helfen zu können. Damit kann man nicht früh genug beginnen. Die Besucher konnten sich an vielen Ständen bei Fachärzten und anderen beratenden Experten über Hilfsmöglichkeiten für betroffene Menschen informieren oder ließen gleich mal ein aktuelles Blutbild machen. Krebs ist immer noch ein Schicksalsschlag für Betroffene und deren Angehörige, wenn auch in vielen Fällen Heilung möglich ist. Schon ab 20 Jahren gibt es viele staatlich geförderte kostenlose Vorsorgeprogramme, die noch nicht in ausreichendem Maße wahrgenommen werden. Jeder einzelne kann aber auch mit einem gesunden Lebensstil dazu beitragen, dass ein Krebsrisiko gemindert wird. Dazu gehören: Vermeidung von Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol sowie ballaststoffreiche Ernährung. Der Infotag hat gezeigt, so viele wollen helfen – wir sollten die Angebote auch annehmen!

Foto: Bednarz