Seniorenpolitik auf den Prüfstand

  (Siegfried Brosza).  Die am 26. Mai anstehenden Wahlen zum Stadtrat bieten einen willkommenen Anlass, die Arbeit der Fraktionen im Vorfeld auf den Prüfstand zu stellen und kritisch zu beurteilen. Dabei interessiert uns Senioren speziell, inwieweit bei kommunalpolitischen Entscheidungen wir Magdeburger Senior/innen und unsere Interessenvertretung einbezogen werden.

Da liegt einiges im Argen. So hat der Magdeburger Stadtrat in seiner Dezembersitzung die Fortschreibung des Seniorenpolitischen Konzepts der Landeshauptstadt für den Zeitraum 2018 bis 2022 beschlossen, obwohl der Seniorenbeirat dieses Konzept ausdrücklich abgelehnt hat. Anstatt froh zu sein, dass wir wieder eine aktive Vertretung der Senioren haben, brüskieren Stadtrat und Verwaltung damit einen Partner, den sie selbst als Interessenvertretung der älteren Einwohner/innen anerkannt haben.

Die Mitglieder des Beirats sind nicht nur darüber, sondern generell über ihre eingeschränkten Mitwirkungsmöglichkeiten frustriert und fordern eine entsprechende Änderung der Satzung. Die meisten von ihnen, einschließlich der Vorsitzenden, werfen das Handtuch und wollen wohl nicht wieder kandidieren.

Alles schon mal dagewesen. Vor 5 Jahren löste sich die – übrigens sehr erfolgreiche und auch selbstbewusste – Seniorenvertretung wegen der restriktiven Politik von Verwaltung und Stadtrat auf. Politikverdrossenheit kommt nicht von ungefähr.

Angesichts dieses neuerlichen Desasters sind Stadtrat und Verwaltung in der Pflicht, ihr Verhältnis zur Interessenvertretung der Magdeburger Senior/innen zu überdenken und eine kritische Bewertung ihrer Seniorenpolitik vorzunehmen – zumindest bezüglich der Beteiligungskultur. Es wäre angebracht, die demokratische Tradition der Durchführung von Stadt-Seniorenforen wieder aufleben zu lassen.


1. Seniorenforum 2006; (hier wurde u.a. per Antrag der Seniorenvertretung das Seniorenpolitische Konzept der Landeshauptstadt Magdeburg auf den Weg gebracht)

Dort wurden Belange der älteren Generation  gemeinsam mit Stadträten und Verwaltung öffentlich und sachlich diskutiert sowie Lösungsvorschläge unterbreitet.

Die anstehenden Kommunalwahlen sollten wir nutzen, unsere Erwartungen gegenüber den Kandidaten und angetretenen Parteien deutlich zu äußern.

Gelegenheit dazu bieten persönliche Gespräche mit den Kandidaten an den jeweiligen Informationsständen und die organisierten Wählerversammlungen. Auch ein Blick in die jeweiligen Wahlprogramme ist sehr aufschlussreich.

Letztendlich entscheiden wir Wählerinnen und Wähler mit unserer Stimme, welche Politik in unserer Stadt gemacht werden soll.

Berechtigtes Anliegen

(red).  Eine bemerkenswerte Zuschrift erhielten wir von unserer Leserin Brigitte Otte. Sie ist Mitglied im Seniorenbeirat und eine der vier Sprecher der GWA Ostelbien. Beide Gremien kämpfen seit Jahren um Barrierefreiheit sowie Sitzgelegenheiten und Wartehäuser an den Haltestellen, besonders in Ostelbien. Da sie weder bei der MVB noch bei der Stadt Gehör fanden, kaufte die GWA selbst eine Bank und stellte sie an der Haltestelle Simonstraße auf. Das ist natürlich keine Lösung und auch nicht das einzige Problem.

„Das Radfahren auf der Genthiner Straße ist lebensgefährlich, besonders für ältere Menschen. Schlechtes Pflaster, fehlende Absenkungen, Straßenbahnen, Baufahrzeuge Richtung Prester und Schönebeck sowie viele Autos machen es Radfahrern und Fußgängern sehr schwer, die Straße zu nutzen oder zu queren.“ So die Aussage von Brigitte Otte, die auch darauf hinweist, dass viele Ältere aus den genannten Gründen nicht mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum fahren können. Da müsste doch was zu machen sein! Da MVB und Verwaltung hier nicht Abhilfe schaffen können oder wollen, ist die Kommunalpolitik gefragt. Am 26. Mai finden Kommunalwahlen statt. Im Vorfeld dieser Wahl hat der Seniorenbeirat 10 Seniorenpolitische Forderungen erarbeitet und an die Fraktionen im Stadtrat weitergeleitet. Dazu gehört auch die Forderung zum Abbau von Barrieren und nach weiteren Maßnahmen zur Steigerung der Mobilität der älteren Bürger/innen. Als nächster Schritt sollte sich nun anschließen, dass öffentliche Wählerforen organisiert werden, in denen die zur Wahl antretenden Parteien ihre konkreten Programme zu diesen berechtigten Forderungen des Seniorenbeirats darlegen.

 Foto: privat

 

Ein Wahrzeichen von Salbke, der Wasserturm

(Doris Franke).  Seit August 2013 gibt es im Süden von Magdeburg ein neues interessantes Ausflugsziel, den Salbker Wasserturm, den Turmpark und das Pumpenhaus. Der Wasserturm wurde 1893-1894 im Auftrag der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin zur Wasserversorgung der Eisenbahnhauptwerk-statt gebaut. Er wurde mit mehrfarbigen Ziegelsteinen gemauert, mit Sandsteinelementen geschmückt und hat bis zur Oberkante des Hauptgesims eine Höhe von 35,62 Meter. Mittig aus dem genieteten Eisendach ragt ein zentraler Schornstein heraus.

Nachdem er seine Bedeutung für die Wasserversorgung der Eisenbahn verloren hatte, wurde er nicht mehr gebraucht. Lediglich das Becken wurde bis zur Eröffnung des Freibades am Salbker See als Schwimmbad genutzt. Im Laufe der Jahre verfiel der Turm immer mehr. Anfang Dezember 2010 wurde das Gelände an die Stadt Magdeburg zu einem symbolischen Betrag übergeben und die Sanierung eingeleitet. Die Eröffnung des Pumpenhauses als Künstlerwerkstatt erfolgte am 8. Dezember 2012. Der Turm bekam ein neues Dach, aufklappbare Fenster und war nun als Aussichtsturm wieder nutzbar.

Seine Eröffnung erfolgte am 29. August 2013. Nachdem der Besucher 165 Stufen auf der eisernen Wendeltreppe überwunden hat, wird er mit einem einmalig schönen Ausblick auf die Stadt Magdeburg und ihre Umgebung belohnt. Ein Verein zur Erhaltung des Wasserturms und des Geländes hat sich gegründet. Heute sind das Pumpenhaus und das restaurierte Gelände ein begehrter Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen und auch für private Feiern. Informationen erhalten Sie unter www.turmpark.de

 Fotos: Franke

Ordnung muss sein

(Dieter Müller).  Dass ein Baum einfach nur so dasteht, das gibt es bei uns in Deutschland natürlich nicht. Hier herrscht Ordnung. Da sind Ihnen doch sicher schon die kleinen Plättchen aufgefallen, die die Bäume im Magdeburger Stadtgebiet zieren. Wie vom „Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg“ zu erfahren war, gehören die weiß beschilderten Bäume zu den Grün- und Parkanlagen der Stadt und werden vom Liegenschaftsamt verwaltet. Die grünen gehören zum „Straßenbegleitgrün“ und unterstehen dem Tiefbauamt. Schwarze gibt es auf Friedhöfen und Spielplätzen. Rotgeschmückte Bäume stehen auf sonstigen kommunalen Flächen, und blaue Plättchen tragen Bäume bei kommunalen Kindereinrichtungen, Schulen und Sportstätten.

Für alle zusammen gibt es einen Baumkataster. Sollte es also bei einem Baum Probleme geben, z. B., dass ein Ast zu fallen droht, dann nennt man dem Amt Farbe und Nummer, und schon ist der Baum eindeutig gemeldet. Darum können wir miteinander in dem guten Gefühl leben, dass sowohl die Bäume Magdeburgs wie auch wir Einwohner eine wohlregistrierte Gemeinschaft bilden. Bäume ohne Plättchen sollten aber nicht traurig sein; sie unterstehen einfach nicht der Kommune. Froh und dankbar können wir sein, dass Magdeburg eine so kräftige grüne Lunge hat. Und die soll uns auch erhalten bleiben.

Foto: Müller

Peter Joseph Lenné

(Dieter Müller).  Sein Weg zum bedeutenden Gartenkünstler begann 1789  im Hause eines Gärtners. Der Vater betreute den Botanischen Garten von Bonn. Aus vielfältigen Kontakten mit Gartenfachleuten und durch Auslandsreisen entwickelte sich Lenné zu jenem Gartengestalter, der im damaligen Gebiet Preußens wirkte und dort den Stil des „Englischen Gartens“ förderte. Das sind Parks, die wie ganz natürlich gewachsen aussehen, die aber doch sehr empfindsam gestaltet sind. Durch Wahl der Standorte von Bäumen und Sträuchern, sowie durch die Anordnung der Wege ergeben sich sog. Sichtachsen. Dadurch kann der Parkbesucher schöne Aussichten und Durchblicke genießen. Auch hier in Magdeburg können wir das erleben, nämlich im Klosterbergegarten, den Lenné im Jahre 1824 als „Volksgarten“ gestaltete, zusammen mit seinem Freund Schinkel, der dazu das Gesellschaftshaus entwarf. Auch die Gruson-Gewächshäuser entstanden damals. Aus der DDR-Zeit kennen wir das Gelände als „Pionierpark“. Lenné starb 1866 In Potsdam, seinem Hauptarbeitsfeld

Ihm zu Ehren errichtete die Stadt Magdeburg im Klosterbergegarten eine Stele mit Lennés Bildnis.

Foto: Müller