Schattenwand

(Gert Sommerfeldt).  Ein breitgefächertes farbiges Strahlenbündel an der Hauswand der Jakobstraße 34 leuchtet nach Einbruch der Dunkelheit und zieht die Blicke der Vorübergehenden auf sich. Es ist eine Lichtinstallation des französischen Künstlers Yves Charnay, der bereits in seinem Heimatland derartige Blickpunkte schuf.

Bei uns ließ er drei farbige Lichtquellen in weiß,  grün und blau sowie Lamellen an die Hauswand bringen. Unsere Erfahrung ist, dass in einen Lichtstrahl eingebrachte Elemente einen grauen bis schwarzen Schatten werfen. Werden jedoch farbig abgestufte Farbstrahler eingesetzt, kommt es zu einer Reflektion und die Streifen erstrahlen in der komplementären Farbe. Das kann man überall dort sehen, wo verschiedenfarbige Lichtquellen einen Gegenstand beleuchten, so in Schaufenstern von Geschäften.

Sehr anschaulich im Großformat an der Hauswand der Jakobstraße angebracht, könnte die nächste Installation als optisches Phänomen auf dem Gelände der Uni installiert werden. Bereits Otto von Guericke wies in seinem Experiment im 17. Jhd. nach, dass der Schatten eines Gegenstandes bei unterschiedlichen Lichtquellen farbig empfunden wird, so wie es heute schon als Installation zu sehen ist.

Foto:  Sommerfeldt

 

Mit Schirmer, Charme und Melone

(Gerda Bednarz).  In der Magdeburger „Zwickmühle” gab es wieder prominenten Besuch. Lothar Schirmer hatte den ersten Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes, der der Partei DIE LINKE angehört, Bodo Ramelow, als Gast eingeladen – die Mühle war voll.

Der gebürtige Niedersachse kam schon 1990 nach Thüringen, um als parteiloser  Gewerkschaftsfunktionär beim Aufbau der ostdeutschen Gewerkschaften (HBV – Ver.di) zu helfen. Er muss seine Arbeit wohl gut gemacht haben, denn 1999 setzte ihn die PDS auf die Landesliste, er kam in den Thüringer Landtag, 2005 in den Bundestag, 2009 wieder in den Landtag und wurde am 5. Dez. 2014 zum Ministerpräsidenten gewählt. Ramelow ist bekennender protestantischer Christ, alle seine Verwandten sind CDU-Anhänger. Und eigentlich sollte er ja Pfarrer oder Bäcker werden. Freimütig erzählte er von seiner Legasthenie, die als Kind nicht erkannt wurde und von seinen anfänglichen Schwierigkeiten im Beruf. Aber er konnte vieles nachholen und wurde Gewerkschaftssekretär in Hessen. Dann kam die Wende. Ramelow hatte die ehemalige DDR aufgrund von Verwandtenbesuchen in der Altmark (sein Vater stammt aus der Nähe von Salzwedel) bereits etwas kennengelernt. Vieles wusste er auch nicht und findet schade, dass man von bewährten Systemen wie acht Jahre gemeinsames Lernen in der Schule vor dem Gymnasium, professionelle Bildung in Kindergärten, die Polikliniken oder “Schwester Agnes” nichts übernehmen wollte. Im April 1999 wurde Ramelow Mitglied der PDS/ DIE LINKE und blieb trotzdem ein überzeugter Christ, von denen es eine starke Gruppe bei den LINKEN gibt, wie er sagt. Einer der unbedingt dazugehören könnte, wäre seiner Meinung nach Papst Franziskus, von dem er regelrecht begeistert war, als dieser ihm eine Audienz gewährte. Über 2.000 Jahre gibt es das Christentum, Gott ist für ihn eine Instanz ohne Körperlichkeit, und die Menschen suchen damals wie heute Schutz in  Kirchen. Ramelow sprach aber auch vom Arbeitskampf in Bischofferode, bei dem er als Vermittler agiert hat und vom vorbildlichen Beistand der Ökumene im Gegensatz zur “kalten Fratze des Kapitalismus, der die Kumpel West gegen Ost aufgehetzt hat”. Er hat den “Glauben an Gottes Bodenpersonal damals wiedergefunden”, sagte er. Als er Ministerpräsident wurde, haben einige geunkt, dass “das Kapital übern Rennsteig flüchten würde”, erzählte er. Inzwischen ist davon keine Rede mehr, Thüringen steht gut da, hat die niedrigste Quote der ostdeutschen Länder (6,2%) in der Arbeitslosigkeit, hat mehrere börsennotierte Unternehmen im Land und leistet Beispielhaftes auf dem sozialen Sektor. Von Privatisierung hält er nicht viel, er möchte wichtige Objekte lieber verstaatlichen, z. B. Schloss Reinhardsbrunn, und möchte das Genossenschaftswesen auf dem Wohnungs- und Energiemarkt fördern. Er setzt sich für gerechtere Steuerpolitik ein und will, dass der “Kalte Krieg” gesamtdeutsch aufgearbeitet wird, dass der Verfassungsschutz nicht nur Informationen sammelt sondern auch liefert. Er bekennt, dass er durch die ehemalige DDR viel gelernt hat, besonders die selbstbewussten gebildeten Frauen haben ihm imponiert. Stefan Heym hat ihn seinerzeit motiviert, hier zu bleiben, und er hat noch große Pläne. Er will die Biathlon-Weltmeisterschaften 2023 nach Oberhof holen und auch die Rodel-WM, wenn´s möglich ist. Er kommt mit Merkel klar, wird im Bundesrat voll akzeptiert und ist ein guter  Verhandlungspartner – hart an der Sache bleiben – im Umgang aber immer verbindlich sein – der Abend hätte noch viel länger dauern können!

Foto: Bednarz

Auf ein Neues!

(Dieter Müller).  Wieder drehen sich Kräne östlich des Magdeburger Breiten Weges. Es ist doch erstaunlich, dass ich während meiner Lebenszeit schon den zweiten Baustart auf derselben Fläche erlebe. In meinem Archiv fand sich ein Foto, das den Bau der weißgekachelten Wohnblöcke am Beginn der 60er Jahre zeigt, damals an der Karl-Marx-Straße.

Diese Bauten standen nur ein halbes Jahrhundert. Nach deren Abriss war es wiederum erstaunlich, wie schnell ein solches Gebiet von der Vegetation zurückerobert wird, so dass inmitten der Stadt eine Art von Savanne entstand. Die hat sich nun verabschiedet. Jetzt blickt unser guter alter Dom erneut und wohl etwas erstaunt wieder auf Kräne, die sich wie ein Ballett im Reigen drehen und eine neue Bebauung entstehen lassen. Vielleicht hält sich die etwas länger.

 Foto: Müller

Drachentanz beim chinesischen Frühlingsfest

(Gerda Bednarz).  Wie passt das alles zusammen? Der Verein der chinesischen Wissenschaftler und Studenten  hatte gemeinsam mit vielen Unterstützern zu einer Programm-Gala eingeladen, um das wichtigste chinesische Fest zum Beginn des traditionellen „Jahr des Hundes” zu feiern. Die Kung-Fu-Gruppe aus Wolfsburg eröffnete mit ihrem Löwentanz den Glückwunschreigen. Unter den hochrangigen Gästen ein chinesischer Botschaftsrat aus Berlin, die Prorektorin für Forschung der Uni Magdeburg, der Wirtschaftsbeigeordnete der Landeshauptstadt und weitere Vertreter aus Wirtschaft, Lehre und Politik. Die Uni-Professorin betonte bei ihrer Begrüßungsrede die Wichtigkeit der ausländischen Studenten und die Kooperation der Forschung mit vielen chinesischen Partneruniversitäten, und sie bat die Magdeburger weiterhin um freundliches Entgegenkommen den Studenten gegenüber. Auch der Wirtschaftsbeigeordnete unterstrich die langjährige Zusammenarbeit mit der chinesischen Partnerstadt Harbin und die entstandenen Netzwerke. Darüber war auch der Chinesische Botschaftsrat sehr erfreut, der besonders für so viel Engagement, die freundliche Atmosphäre und die bestehenden Handelsbeziehungen dankte.

Das Programm war sehr abwechslungsreich, Drachentanz und Tai-Chi-Übungen, Solo-Auftritte und traditionelle Instrumentalmusik, eine humoristische deutsche Performance und brasilianischer Kampftanz –  es war bunt und laut und wunderschön. Zwischendurch aber auch die Frage: Warum eigentlich Weihnachten? Dazu sprach mit begleitenden Bildern der Diakon Wolfgang Gerlich. Er berichtete von seiner jahrelangen Zusammenarbeit mit dem „Dialog der Generationen” und ihrem Projekt „Willkommen in Magdeburg”, bei dem deutsche Gasteltern und ausländische Studenten in seiner Norbertusgemeinde immer am 1. Advent  mit Plätzchenbacken und Weihnachtsliedersingen, mit Orgelspiel und Kirchenbesichtigung ein Stück deutsche Kultur kennen lernen und sich weit weg von ihrer Heimat etwas geborgen fühlen. Dafür sind besonders die chinesischen Studenten sehr dankbar, da sich die meisten einen Heimflug nicht so oft leisten können. Zaubershow  und Gewinnspiele, Gedichte, Tänze und immer wieder Lieder,  die Gala war noch lang……..

Adelheid-Preis 2017

Ehrung für Gabriele und Andreas Herbst

(Gerda Bednarz).  Bereits am 16. Dezember 2017, dem Todestag Kaiserin Adelheids, hatte das Adelheid-Kuratorium entschieden, dass die Auszeichnung diesmal an das Pfarrer-Ehepaar Herbst geht. Die offizielle Preisübergabe erfolgte am 18. Februar 2018 wieder im Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums in Anwesenheit vieler Vertreter der Stadt, der Kirchen, sozialer Verbände und des öffentlichen Lebens. Zur feierlichen Begrüßung durch das Kaiserpaar Otto und Adelheid hatte der Saluta-Chor aus Ottersleben seinen Sängergruß extra auf Familie Herbst umgedichtet, und auch Simone Borris, die Sozialbeigeordnete und Vorsitzende des Kuratoriums, ließ es sich nicht nehmen, ihre Grußworte in gereimter Form vorzutragen und dann den OB um seine Festrede zu bitten.

OB Trümper, ganz aktuell, bemerkte dazu gut gelaunt, dass die Kulturhauptstadt-Bewerbung bei Frau Borris (wegen ihrer dichterischen Ader) wohl schon gewirkt habe. Außerdem vermutete er, dass Gabriele Herbst aufgrund ihrer schwarz-roten Robe wohl die Hoffnung vertritt, dass es bald eine Groko geben könnte. Er würdigte das Ehepaar Herbst und seine außerordentlichen sozialen Leistungen seit rund vierzig Jahren, lobte sein Engagement und seine Hilfsbereitschaft für Ausländer, anerkannte den Einsatz für „Schulen ohne Rassismus”, für das Projekt “Education is the key of life”, für die Aktion „Bibel trifft Kunst. Andernorts.”, für bessere Bildung und Verteilungsgerechtigkeit in Tansania, für ein fremdenfreundliches Magdeburg und viele andere soziale Aspekte. Adelheid als kluge, mildtätige und sozial engagierte Frau hätte ihre helle Freude an dem Ehepaar gehabt. Er erwähnte auch, dass Gabriele Herbst bereits 2009 das Bundesverdienstkreuz für ihren jahrelangen sozialen Einsatz erhalten hat, dass sie Ehrenbotschafterin der Landeshauptstadt und auch in kirchlichen Sendungen bei TV und im Radio aktiv ist. Die Strahlkraft ihrer Tätigkeit wirkt für Magdeburg und weit darüber hinaus. Dafür unser aller Dank, viel Kraft, persönliches Wohlergehen und Freude mit dem Enkelkind.

Frau Dr. Annegret Laabs, die Leiterin des Kunstmuseums, würdigte in ihrer Laudatio noch einmal das jahrelange gute Zusammenwirken mit dem Ehepaar Herbst und betonte dabei die Bescheidenheit, mit der beide immer wieder hervorheben, dass sie nicht arbeiten könnten, wenn sie nicht von so vielen Seiten auch Unterstützung erhielten. Dr. Laabs mahnte die Verantwortung aller gegenüber schwächeren Mitmenschen an, derer sich Familie Herbst sehr stark annimmt und dankte ihnen dafür. Nach der Überreichung des Adelheid-Preises überraschten Gabriele und Andreas Herbst die Gäste mit einem langen Dankesgedicht, das sie in wohlgesetzten Worten abwechselnd vortrugen und dafür viel Beifall erhielten. Mit dem Telemann-Chorsatz „Friede sei willkommen” und „Der Jäger Abschied” fand die Feierstunde ihren würdigen Abschluss.

Foto: Bednarz