Zwei Jubiläen

(Gerda Bednarz).  Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. 2019 feiern wir den 100. Gründungstag des Bauhauses vor allem in Weimar, Dessau und Berlin. Magdeburg wurde bisher immer etwas unterschätzt. Dabei hat es hier viel eher angefangen mit dem neuen Bauen, mit der Magdeburger Moderne. Am 7. Januar 1909 brachte der Magdeburger Generalanzeiger eine Notiz über die Gründung der Gartenstadt-Kolonie Reform. Damit feiern die „Reformer” in diesem Jahr bereits ihr 110jähriges Gründungsjubiläum. Das starke Bevölkerungswachstum infolge des gewaltigen Aufschwungs der Industrie hatte zu Beginn des 20. Jh. eine große Wohnungsnot verursacht. Viele wollten aber nicht nur in Mietskasernen und Elendsvierteln hausen. Und so gründeten 19 Arbeiter die Gartenstadt-Kolonie Reform, die als eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in das Genossenschaftsregister des Königlichen Amtsgerichts Magdeburg unter Nr. 62 vermerkt wurde.

Der Anfang war schwer, man brauchte Geld, um Bauland zu kaufen, Baupläne zu erarbeiten, Material zu beschaffen, Brunnen zu bauen … Erst 2 1/2 Jahre später konnte man mit dem Bau beginnen, und im März 1912 zogen die ersten Mieter in den Block „Verlorener Grundstein” ein. Nach einem Hilfeersuchen der Genossenschaft an die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft kam Bruno Taut nach Magdeburg und übernahm die Bauleitung mit 4 Typen neuer Pläne von 47 bis 72 qm pro Wohnung, kleinem Stall und ca. 200 qm Gartenfläche. So konnten  sich die Bewohner z.T. selbst versorgen und hatten lt. Taut einen schönen luftigen „Außenwohnraum”.

Die Wohnungen sind heute noch begehrt, wurden und werden saniert oder umgebaut, ohne den äußeren Charakter zu verändern. 1980 wurde die Gartenstadt-Kolonie als Ensemble des Städtebaus auf die Denkmalliste der Stadt Magdeburg gesetzt und ist damit als Kulturdenkmal zu schützen und zu erhalten.

Fotos: Bednarz