Blumenstrauß des Monats September 2018

Wir sagen Dankeschön

(Heidi Brosza).  Durch den Zusammenbruch vieler Großbetriebe nach der Wende 1989 stieg die Arbeitslosigkeit in Magdeburg rasant an. Viele ältere Arbeitnehmer, unter ihnen auch Maritta Nitzsche, mussten in den  Vorruhestand gehen. Doch sie wollte sich mit diesem erzwungenen „Ruhestand“ nicht abfinden und suchte Gleichgesinnte bzw. Betroffene zu gemeinsamen Unternehmungen, um nicht zu vereinsamen. Mit sehr viel persönlichem Engagement  organsierte sie ein erstes Treffen in der Begegnungsstätte der AWO in der Max-Otten-Straße. Das war genau am 1. Mai 1992 und sie weiß noch genau das Thema des ersten gemeinsamen Zusammenseins: Ein Vortrag über die Wiener Strauß-Dynastie. Es folgte die Gründung des Vereins Club 50 e.V. unter ihrer Leitung. Nun gibt es diesen Verein seit über 25 Jahren.

Seitdem sorgt Maritta Nitzsche jeden Dienstag in der Max-Otten-Str.10 (AWO Stützpunkt) als Vorstandsvorsitzende für interessante, anregende und abwechslungsreiche Programme. Regelmäßig nehmen 25 bis 30 Leute, inzwischen auch zwei über 90 Jahre, die Angebote an. Ob Besuche der Magdeburger Theater und Kabaretts, der Museen, dazu Tages- und Wochenfahrten, Wanderungen in die schöne Umgebung unserer Heimatstadt, Besichtigung interessanter Orte, Kulturnachmittage oder Vorträge, Maritta Nitzsche ist ein Organisationstalent! Als Höhepunkte ihrer gemeinsamen Reisen nennt sie die Fahrten an den Lago Maggiore und nach Budapest. Sie selbst versteht das Anliegen des Vereins als Hilfe zur Selbsthilfe. Mit viel Wärme und Verständnis nimmt sie sich neben der Gestaltung des Programms der Sorgen und Nöte ihrer Mitglieder an. Sie hat dabei immer ein offenes Ohr, steht mit Rat und Tat zur Seite und hält die Gruppe zusammen. Als wir der inzwischen 83-Jährigen unter großem Beifall der anwesenden Mitglieder den wunderschönen Dankeschön-Blumenstrauß des Monats überreichten, wiederum gesponsert von Blumen-Bienert in Reform, meinten alle: „Das hat sie wirklich verdient!“

 Foto Brosza

Verkehrssicherheit – Thema im Seniorenbeirat

(Gerda Bednarz).  In der Augustsitzung des Seniorenbeirats ging es um Struktur und Aufgaben der im Jahr 2017 gegründeten Verkehrswacht. Dazu waren der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins, Janos Raduly, die Sozial-Beigeordnete Simone Borris und weitere Gäste anwesend.

Janos Raduly erklärte, dass sich die Verkehrswacht insbesondere um die Sicherheit von Kindern, Migranten und Senioren kümmert und auf vielen Veranstaltungen alle Möglichkeiten für Schulung, Beratung und Ausbildung nutzt. Werden diese Angebote auch angenommen? Senioren sind bis ins hohe Alter motorisierte Verkehrsteilnehmer. Wie aber sieht es mit der aktuellen Fahrtauglichkeit aus? Viele Senioren haben vor 40 bis 50 Jahren ihre Fahrprüfung abgelegt. Was hat sich nicht alles seitdem geändert? Nach Ansicht von Janos Raduly sind viele Senioren beratungsresistent und wollen nicht wahrhaben, dass sie nicht mehr so beweglich, kraftvoll und reaktionsschnell sind wie früher. Und das gilt nicht nur für Autofahrer, auch Radfahrer und Fußgänger machen oft Fehler. Da will die Verkehrswacht gern helfen, bräuchte dazu mehr Senioren in den GWA (Gemeinwesen-Arbeitsgruppen), die mit ihren kritischen Hinweisen ein Sprachrohr für die Senioren-Sicherheit im Straßenverkehr sein könnten. Notwendig sind auch mehr Ehrenamtliche bei der Verkehrswacht, die dafür sorgen, dass das Verkehrsrecht stets auf dem neuesten Stand publiziert wird. Erinnert wurde auch an die quartalsweisen Schulungen der Verkehrssicherheitsaktive zu DDR-Zeiten. Senioren-Sicherheitsberater Eckhard Jahn bemerkte, dass Berlin z. B. ein Radverkehrskonzept hat und fragte, warum so etwas nicht auch in Magdeburg möglich ist. Sicher werden nicht nur der Seniorenbeirat und die Verwaltung diese Anregungen in ihre künftige Arbeit aufnehmen.

Foto Bednarz

Schinkel und der Magdeburger Dom

(Dieter Müller).  Es sind ja nicht nur die Nicolaikirche und das Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten, die Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) unserer Stadt geschenkt hat. Vielmehr erwies er uns noch einen ganz großen Dienst, der wahrscheinlich vielen nicht bekannt ist: Er hat durch eine grundlegende Sanierung unseren Dom gerettet, der damals in derart schlechtem Zustand war, dass man sogar an Abriss dachte. Wer war dieser Mann? Hervorgegangen aus einem Pfarrhaus in Neuruppin, kam er in jungen Jahren nach Berlin, weil nach dem frühen Tod des Vaters die Mutter mit den Kindern dorthin zog. Schinkel, musikalisch und zeichnerisch begabt, erhielt in Berlin eine gute Ausbildung. Sein Architekturstudium muss wohl besonders förderlich gewesen sein, weil es sehr praxisorientiert größtenteils auf Baustellen stattfand.  Schinkel stieg schnell zum preußischen Baumeister und zum Architekten des Königs auf. Wenn auch sein Hauptarbeitsfeld in Potsdam und Berlin lag, so prägte Schinkel weit darüber hinaus mit seinem klassizistischen Baustil eine ganze Epoche. Ja selbst in Köln, das damals zu Preußen gehörte, veranlasste er die Fertigstellung des Doms, der lange Zeit als Bauruine gestanden hatte.

In Magdeburg erinnert ein Porträt-Medaillon am Haus der ehemaligen Kunstschule in der Brandenburger Straße an Schinkel. Die Stadt ehrt ihn durch Schinkel-Musiktage, die erstmalig im Juni dieses Jahres stattfanden und zu einer guten Tradition werden sollen. Magdeburg hat Karl Friedrich Schinkel viel zu verdanken.

 Foto Müller

Das Kloster Walkenried

(Doris Franke).  Bei einem Besuch des mittelalterlichen Zisterzienserklosters Walkenried können die Besucher  in die Welt des Mittelalters eintauchen. Seit 2006 kann man den Alltag der hier einst lebenden und arbeitenden Mönche hautnah erleben. Das von Ora et labora („Bete und arbeite“) geprägte Leben und Wirken der frommen Kirchenmänner  wird in den Klausurgebäuden spannend und interessant vermittelt, akustische und visuelle Inszenierungen ergänzen den Rundgang durch den fast 900 Jahre alten Ort. Die ehemalige Abtei liegt im Landkreis Osterode im Harz. Der katholische  Mönchsorden der Zisterzienser ist Ende des 11. Jahrhunderts als Reformbewegung aus dem Benediktinerorden hervorgegangen.

Der Orden der „Weißen Mönche“ zeichnete sich durch besondere strenge  und einfache Lebensweise aus. 1127 stiftete Adelheid von Walkenried in dieser Niederung das dritte Zisterzienserkloster in Deutschland. 1129 lebte hier ein Abt mit 12 Mönchen, 1137 wird die 50 m lange romanische Klosterkirche geweiht. Schon 1150 hat sich das Kloster zu einem mittelalterlichen Konzern entwickelt und betrieb zahlreiche Wirtschaftshöfe.  Der wirtschaftliche Erfolg führte zum Bau eines größeren und moderneren Klosters mit einer 90 m langen gotischen Kirche, der damals größten in Norddeutschland.  Rund 400 Jahre wirkten die Gottesmänner hier, haben viele Spuren hinterlassen. Sie besaßen Berg- und Hüttenwerke und entwickelten u.a. die Technik weiter, Wasserkraft im Bergbau einzusetzen. In den Bauernkriegen wird das wehrlose Walkenried geplündert, ausgeraubt und zerstört – die Mönche ergreifen die Flucht, ihre Kirche wird dem Verfall preisgegeben. Von der ehemaligen Klosteranlage ist das im 13. Jahrhundert errichtete Klausurgebäude mit dem berühmten doppelten Kreuzgang sehr gut erhalten, das seit 2010 zum UNESCO Welterbe gehört.

Lassen Sie sich in einem der größten Klostermuseen Deutschlands in die Welt des Mittelalters führen, erleben Sie im einzigartigen mittelalterlichen Kreuzgang Konzerte mit internationalen Künstlern oder besuchen Sie im letzten Septemberwochenende den Walkenrieder Klostermarkt.

Fotos: Franke

Einschulung 1946

(Gert Sommerfeldt).  Immer, wenn ich Erstklässler erwartungsvoll zur Einschulung gehen sehe, denke ich an meinen 1. Schultag. Im Alter von 6 Jahren wurde ich am 1.September 1946 in die 5. Wilhelmstädter Grundschule, die spätere Franz-Mehring-Grund-Schule, mit 40 weiteren Jungs eingeschult. Wir saßen sehr eng in den Schulbänken, da die Nachbarschule noch in Trümmern lag. Zur Einschulung wurde die traditionelle Schultüte überreicht. Vater hatte sie selbst gebastelt aus einem Karton, der beklebt und bemalt worden war. Darin waren als Füllung eine Sonderration Kristall-Zucker nur für Schulkinder, die man zu Bonbons kochen konnte, sowie Obst aus Nachbars Gärtchen.

Erwartungsvoll nahmen wir in den Schulbänken Platz. Es folgten erste schulische Belehrungen. Anschließend gab es zu Hause Mittagessen, sogar mit einer kleinen Fleischportion dank gesammelter Lebensmittelmarken, dazu nachmittags Kleie-Kuchen mit selbst gekochter Marmelade. Meine Schulmaterialien bestanden aus einer gebrauchten und leider zerkratzten Schiefertafel,  dazu ein Griffel und ein am Ranzen baumelnder Schwamm. Wie gut, dass diese Zeiten schon lange der Vergangenheit angehören, aber vergessen sollten wir sie nicht.

Foto privat