Mit Schirmer, Charme und Melone

(Gerda Bednarz).  In der Magdeburger „Zwickmühle” gab es wieder prominenten Besuch. Lothar Schirmer hatte den ersten Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes, der der Partei DIE LINKE angehört, Bodo Ramelow, als Gast eingeladen – die Mühle war voll.

Der gebürtige Niedersachse kam schon 1990 nach Thüringen, um als parteiloser  Gewerkschaftsfunktionär beim Aufbau der ostdeutschen Gewerkschaften (HBV – Ver.di) zu helfen. Er muss seine Arbeit wohl gut gemacht haben, denn 1999 setzte ihn die PDS auf die Landesliste, er kam in den Thüringer Landtag, 2005 in den Bundestag, 2009 wieder in den Landtag und wurde am 5. Dez. 2014 zum Ministerpräsidenten gewählt. Ramelow ist bekennender protestantischer Christ, alle seine Verwandten sind CDU-Anhänger. Und eigentlich sollte er ja Pfarrer oder Bäcker werden. Freimütig erzählte er von seiner Legasthenie, die als Kind nicht erkannt wurde und von seinen anfänglichen Schwierigkeiten im Beruf. Aber er konnte vieles nachholen und wurde Gewerkschaftssekretär in Hessen. Dann kam die Wende. Ramelow hatte die ehemalige DDR aufgrund von Verwandtenbesuchen in der Altmark (sein Vater stammt aus der Nähe von Salzwedel) bereits etwas kennengelernt. Vieles wusste er auch nicht und findet schade, dass man von bewährten Systemen wie acht Jahre gemeinsames Lernen in der Schule vor dem Gymnasium, professionelle Bildung in Kindergärten, die Polikliniken oder “Schwester Agnes” nichts übernehmen wollte. Im April 1999 wurde Ramelow Mitglied der PDS/ DIE LINKE und blieb trotzdem ein überzeugter Christ, von denen es eine starke Gruppe bei den LINKEN gibt, wie er sagt. Einer der unbedingt dazugehören könnte, wäre seiner Meinung nach Papst Franziskus, von dem er regelrecht begeistert war, als dieser ihm eine Audienz gewährte. Über 2.000 Jahre gibt es das Christentum, Gott ist für ihn eine Instanz ohne Körperlichkeit, und die Menschen suchen damals wie heute Schutz in  Kirchen. Ramelow sprach aber auch vom Arbeitskampf in Bischofferode, bei dem er als Vermittler agiert hat und vom vorbildlichen Beistand der Ökumene im Gegensatz zur “kalten Fratze des Kapitalismus, der die Kumpel West gegen Ost aufgehetzt hat”. Er hat den “Glauben an Gottes Bodenpersonal damals wiedergefunden”, sagte er. Als er Ministerpräsident wurde, haben einige geunkt, dass “das Kapital übern Rennsteig flüchten würde”, erzählte er. Inzwischen ist davon keine Rede mehr, Thüringen steht gut da, hat die niedrigste Quote der ostdeutschen Länder (6,2%) in der Arbeitslosigkeit, hat mehrere börsennotierte Unternehmen im Land und leistet Beispielhaftes auf dem sozialen Sektor. Von Privatisierung hält er nicht viel, er möchte wichtige Objekte lieber verstaatlichen, z. B. Schloss Reinhardsbrunn, und möchte das Genossenschaftswesen auf dem Wohnungs- und Energiemarkt fördern. Er setzt sich für gerechtere Steuerpolitik ein und will, dass der “Kalte Krieg” gesamtdeutsch aufgearbeitet wird, dass der Verfassungsschutz nicht nur Informationen sammelt sondern auch liefert. Er bekennt, dass er durch die ehemalige DDR viel gelernt hat, besonders die selbstbewussten gebildeten Frauen haben ihm imponiert. Stefan Heym hat ihn seinerzeit motiviert, hier zu bleiben, und er hat noch große Pläne. Er will die Biathlon-Weltmeisterschaften 2023 nach Oberhof holen und auch die Rodel-WM, wenn´s möglich ist. Er kommt mit Merkel klar, wird im Bundesrat voll akzeptiert und ist ein guter  Verhandlungspartner – hart an der Sache bleiben – im Umgang aber immer verbindlich sein – der Abend hätte noch viel länger dauern können!

Foto: Bednarz