Zeitdokumente

(Gert Sommerfeldt).  Nach der Reichsgründung 1871 entstand in Deutschland eine große Anzahl monumentaler Denkmäler, die die militärische Stärke und Macht der neuen wilhelminischen Ära dokumentieren sollten. So auch in Magdeburg. Zwischen Dom und dem Palais am Fürstenwall wurde auf dem Gelände der 1870 geschleiften Bastion Cleve ein Hügel aufgeschüttet, auf dem 1877 ein vom Architekten Hermann Eggert konzipiertes Kriegerdenkmal errichtet wurde.

Das aus Sandstein gefertigte Monument auf dem Fürstenwall zeigt auf vier bronzenen Relieftafeln kriegerische Situationen und die Orte der Schlachten, an denen Magdeburger Regimenter beteiligt waren. So ist auf der Ostseite zu sehen, wie sich ein Krieger in voller Rüstung von seiner Familie schmerzhaft verabschiedet. Die Südtafel zeigt einige Details der Schlacht bei Königgrätz 1866 unter General Fransecky, während die Nordtafel auf die Ereignisse bis zur Kapitulation von Sedan im September 1870 hinweist, auf der der General Moltke mit zu sehen ist. Auf der westlichen Tafel werden die Kaiserkrönung nach der Gefangennahme Napoleons III. und die folgende Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles dargestellt. Unter den Teilnehmern der Festlichkeit ist  Bismarck zu erkennen. Ein seitlich angebrachtes bronzenes Schild verweist auf die Magdeburger Jungfrau. Auf die Spitze des von roten Granitsäulen getragenen Dachs wurde die deutsche  Kaiserkrone gesetzt.

Foto: Sommerfeldt