Magdeburgs Volksbäder

(Gert Sommerfeldt).  Einige Hausfassaden in unserer Stadt tragen noch heute die Inschrift VOLKSBAD. Diese Häuser waren einmal öffentliche Badeanstalten, in denen die weniger „Betuchten“ die Möglichkeit zu einer regelmäßigen Körperpflege nutzen konnten.

Was viele von zu Hause aus nicht kannten, war hier vorhanden: warme Wannenbäder und sprudelnde Duschen, Fußbecken und Ruheräume. Nach dem Duschen konnten die Besucher auch die Waschständer für die Reinigung ihrer persönlichen Kleidung nutzen. Im Bügelzimmer stand ein Ofen für das Erhitzen der eisernen Bügeleisen. Während bis 1860 die Bürger wetterabhängig nur die Strände der Elbe zum Baden nutzen konnten, war Baden im 1860 eröffneten Friedrichsbad, der ersten überdachten Badeanstalt mit Wasserbecken, ganzjährig möglich. An den römisch-irischen Baustil angepasst, lag sie nahe der Elbe an der Berliner Straße und galt damals als die größte Schwimmhalle in Europa, die durch Spenden reicher Bürger mitfinanziert wurde.

Für Heiterkeit sorgten Originale, die sich im warmen Wasser tummelten. So auch ein englischer Kapitän, der morgens ins Wasser stieg und abends immer noch seine Kreise zog. Dabei paffte er eine Pfeife Tabak im Wasser, die ihm der Bademeister von Zeit zu Zeit „an Land“ stopfte.

Eine weitere Anlage wurde als „Wilhelmsbad“ 1898 in der heutigen Maxim-Gorki-Straße gebaut, zuletzt als Stadtbad bezeichnet. Hier trainierten Schwimmgrößen unterschiedlichster Sportvereine. Ebenso erlernten fast 100 Jahre lang Generationen von Schülern hier das Schwimmen, bis es leider 1988 wegen Bauschäden geschlossen und Mitte der 90er Jahre abgerissen wurde.