Kunst trifft Wissenschaft

Die Magdeburger Mini- Erdachse

(Dieter Müller).  Was hat es auf sich mit jenem schräg aufragenden Stab vor dem Hauptbahnhof? Da begegnen sich Kunst und Wissenschaft. Zur Kunst im öffentlichen Raum Magdeburgs gehört diese schöne Gestaltung aus schwarzem und rotem Granit, geschaffen von Timm Ulrichs. Wissenschaftlich gesehen verläuft der schwarze Schaft parallel zu unserer Erdachse. Weil Magdeburg auf 52,7 Grad nördlicher Breite liegt, steht auch die Achse bei uns in diesem Winkel. Der Stab hat mit 12,71 m genau den millionsten Teil der Länge der wirklichen Erdachse, denn von Pol zu Pol sind es 12 710 km.

An dem schweren Ring aus schwarz-rotem Granit, der den Äquator darstellt, kann man zudem die Uhrzeit ablesen, denn die Skulptur dreht sich einmal am Tag um die eigene Achse, angetrieben durch einen funkgesteuerte Elektromotor.

Bei klarem Nachthimmel kann man sehen, dass der Stab zum Polarstern zeigt. Das ist zwar nur ein gewöhnlicher Fixstern wie auch unsere Sonne, aber dorthin zeigt unsere Erdachse. Das ist also jener Punkt, um den sich der ganze Himmel zu drehen scheint, so unser Eindruck. Inzwischen wissen wir das besser. Wir sitzen auf einem Karussell, das täglich eine volle Drehung macht. Darüber stritt man sich einst beim Prozess gegen Galilei. Was uns aber erst heute so richtig bewusst wird: Wir leben auf dieser relativ kleinen Kugel, die als Lebensort im räumlich und zeitlich riesigen Weltall schwebt. Auch wird uns immer klarer, dass wir für den Erhalt ihrer Bewohnbarkeit als ganze Menschheit Verantwortung tragen.

Foto: Müller