Der goldene Himmel

(Dieter Müller).  Bei dem Altar in Magdeburgs Kathedrale St. Sebastian – wie auch bei vielen anderen mittelalterlichen Altären – fällt die enorme Vergoldung auf. Zwar ist da nur wenig Edelmetall verarbeitet, denn es handelt sich ja um hauchdünne Folien.

Aber welchen Sinn hat das?  Gold ist ein Bild: Gold bedeutet Himmel. Es soll also ausgedrückt sein, dass die Dargestellten im Himmel sind. Damit kommt es aber gleich zum nächsten Bild, denn dieser Himmel ist nicht das Blaue über uns mit Sonne, Mond und Sternen, sondern jene geistige Innenseite der Welt, an die sich Menschen im Gebet wenden: „Vater unser im Himmel…“ und in die sie – nach christlichem Glauben – mit dem Tod ganz eintreten. Die Engländer haben es da sprachlich besser. Sie unterscheiden den „sky“, der zuständig ist für Wetter und Sterne, vom „heaven“, in den die Heiligen einmarschieren, wie es in einem Spiritual heißt. Der Altar ist also nicht nur schön und kunsthistorisch wertvoll, sondern auch ein Zeichen, das auf ein Ziel hinweist. Begonnen hat das mit dem Weihnachten vor 2017 Jahren. Und auch heute noch ist es ein besonderes Erlebnis, diesen eindrucksvollen Altar insbesondere zum Weihnachtsfest zu bewundern. In der Mitte des Altars steht Maria mit dem Jesuskind, gleich daneben aber – gegen alle Idylle – der Diakon Stephanus, der wegen seines Glaubens gesteinigt wurde.

 Foto: Müller