Gegen Kaiser und Papst

(Gerda Bednarz).  In vielen Orten des 500-jährigen Reformationsgedenkens sind die Feierlichkeiten schon beendet – nicht in Magdeburg. Hier begann am 1.9.2017 eine große Ausstellung im Kulturhistorischen Museum (KHM) unter o.g. Thema mit prominenter Würdigung unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff, der evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann und des katholischen Bischofs Dr. Gerhard Feige. Das kommt dem Grundgedanken Luthers schon sehr nahe, denn er wollte die christliche Kirche nicht spalten, er wollte sie verändern und von falschen Aussagen und vom Ablasshandel befreien.

Magdeburg gehörte zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu den größten und reichsten Städten des Alten Reiches. Machtansprüche der Kirche und bürgerliches Selbstbewusstsein standen sich nicht immer friedlich gegenüber. Die Lehren Luthers waren den bürgerlichen Ansichten näher,   sie wandten sich stärker zur Renaissance und einem humanistischen Menschenbild zu, während der Klerus seine Macht behaupten wollte.

In der Ausstellung wird anschaulich gezeigt, wie selbstbewusst sich Rat und Bürgerschaft gegen Erzbischof und seine Gefolgsleute durchzusetzen versuchten. Der neue Glaube kam  beim einfachen Volk gut an, veranlasste jedoch auch gewalttätige Übergriffe und Zerstörungen. Die neue Lehre musste verteidigt werden, Magdeburg trat dem Schmalkaldischen Bund bei, der jedoch in der Schlacht bei Mühlberg verlor. Magdeburg hatte sich als einziges Bundesmitglied nicht  Kaiser Karl V. unterworfen, gewährte vielen protestantischen Theologen Asyl und begründete als Propagandazentrum „Unseres Herrgotts Kanzlei“.

Reichsacht und Belagerungskrieg, politische und religiöse Übereinkünfte sowie die Magdeburger Schulgeschichte spielen in der Ausstellung eine große Rolle, bevor man feststellen konnte: Das Erzstift wird protestantisch. Der Mythos von der unbezwingbaren Magdeburger Jungfrau bewahrheitete sich jedoch nicht. Nach dem Reformationsjubiläum 1617 kam es erneut zu großen Differenzen, die den Dreißigjährigen Krieg auslösten. Magdeburg hoffte auf den Schwedenkönig Gustav Adolf – er kam zu spät.

Am 20. Mai 1631 gab Tilly den Befehl zum Angriff. Innerhalb weniger Stunden war das „Bollwerk des Protestantimus“ zerstört und über 20.000 Menschen mussten ihr Leben lassen. Darüber kann man bei Wilhelm Raabe in „Unseres Herrgotts Kanzlei“ nachlesen, der den evangelischen Märtyrern mit seinem Roman ein Denkmal gewidmet hat.

Eine hervorragende Ausstellung ist dem KHM da wieder gelungen. Bis zum 28.Januar 2018 kann sie besichtigt werden.

Foto: Bednarz