Magdeburger Industriegeschichte – Porzellan aus Magdeburg

(Gerda Bednarz).  Zur Eröffnung der großen Porzellanausstellung im Kulturhistorischen Museum (KHM) hielt Prof. Dr. Mathias Tullner einen Festvortrag, wie es ausgerechnet in der Stadt des Schwermaschinenbaus zur Herstellung solch zerbrechlicher Fabrikate kam.

Anfang des 19. Jh. hatte Magdeburg ca. 23.000 Einwohner, 1900 waren es fast zehnmal soviel. Nach dem Zusammenbruch Preußens 1806 und dem Wiener Kongress 1815 erholte sich die Magdeburger Wirtschaft bald, und in Neustadt, Sudenburg und Buckau wurden Fabriken und Manufakturen zur Verarbeitung von Tabak, Zichorie, Zuckerrüben und Keramik gebaut. Namen wie Aston, Coqui und Nathusius sind auch heute noch bekannt. Der Wegfall der Binnen- und Elbzölle beförderte den Aufschwung der Wirtschaft, und ein weitsichtiger Kommunalpolitiker wie August Wilhelm Francke (1785-1851) trug viel zur Industrialisierung Magdeburgs bei. In seiner Zeit als Bürger-meister (1817-1848) unterstützte er den Anschluss an das Bahnnetz, die Schifffahrt, die Gründung der Sparkasse, die Einrichtung von Parkanlagen, die Stadterweiterung sowie Reformen im Schul-, Sozial- und Bibliothekswesen.

Über die Gründung von Porzellanmanufakturen, über Porzellanherstellung, -malerei, -vertrieb und -entwicklung sprach dann aber noch ausführlicher Dipl. Ing. Detlef Dauer, der sich seit seinem 12. Lebensjahr mit dieser Materie beschäftigt hat und diese schöne Ausstellung erst ermöglichte. Porzellanherstellung wurde im 19. Jh. zur bildenden Kunst, zum Kunstgewerbe, und Magdeburg spielte neben Meißen und Berlin eine große Rolle. Nicht nur Kaiser, Könige und andere Adlige konnten sich das „weiße Gold“ leisten, auch das Bürgertum konnte es jetzt erwerben. Und neben der Porzellanmalerei wurden bald auch Miniaturen, Holzstiche, Lithografien, Druckgrafik u. a. Gestaltungselemente angewandt.

Von der Formenvielfalt und den vielen Beispielen der Biedermeierporzellane, dem festlichen Gebrauchsgeschirr, der verschiedensten Schmuckteller, Vasen, Schalen, Pfeifenköpfe und den ergänzenden Bildern und Dokumenten können sich die Besucher der Sonderausstellung im KHM noch bis zum 25.Juni 2017 überzeugen. Es lohnt sich auf jeden Fall.